04.
August
2015
Von Tölpeln und Ehefrauen: Das 1x1 der Nachbarschaftsabgabe

Von Tölpeln und Ehefrauen: Das 1x1 der Nachbarschaftsabgabe

  Redaktion ottogroupunterwegs
(Admin)

Neulich auf Twitter…

User Daniel (aka @Endurange) fragt, warum er seiner Frau „eine Vollmacht zur Abholung von Hermes Paketen schreiben muss – im Haus wird’s aber jedem Tölpel gegeben???“. Ganz ehrlich – das würde uns auch interessieren!

Auf Nachfrage bei der Hermes Logistik Gruppe Deutschland heißt es: Grundsätzlich dient die Nachbarschaftsabgabe der Beschleunigung und der Vereinfachung der Zustellung von Sendungen. Und das ist erfahrungsgemäß im Interesse aller Beteiligten. Gemäß den Allgemeinen Geschäftsbedingungen praktizieren Hermes und andere Paketdienste deshalb bei Nichtantreffen des Originalempfängers eine Ersatzzustellung an einen direkten Nachbarn des Sendungsempfängers, inkl. qualifiziertem Hinweis mittels Benachrichtigungs-karte. ‚Direkte‘ Nachbarn sind bei Einzelhäusern solche im Umkreis von maximal drei Häusern, bei einem Mehrfamilienhaus solche mit gleichem Aufgang.“

Tweet Hermes Paket

Bedeutet: Beim Liefern eines Pakets gilt das Prinzip der Zustellung auf dem direktesten Wege. In Daniels Fall – so vermuten wir – macht der Nachbar also das Rennen vor dem Hermes PaketShop, da das Paket den Ort der Bestimmung erreicht. Nachbar und Daniel leben schließlich unterm gleichen Dach. Und sofern die Nachbarschaftsabgabe vom Versandhändler bzw. Absender nicht explizit untersagt wird*, ist sie auch rechtlich zulässig (qualifizierter Hinweis mittels Benachrichtigungskarte an den Empfänger vorausgesetzt).

Legitimierung dient der Beweispflicht

Werden aber sowohl der Originalempfänger als auch die direkten Nachbarn nicht angetroffen, nimmt Hermes das Paket wieder mit. Der Kunde kann anschließend frei wählen, ob ein weiterer Zustellversuch erfolgen soll (es gibt insgesamt bis zu vier Versuche) oder ob das Paket in einem PaketShop seiner Wahl hinterlegt wird. Im Shop kann die Sendung dann innerhalb von 10 Tagen abgeholt werden. Doch was, wenn der Empfänger selbst die Sendung nicht abholen kann oder will? 

Dazu Hermes: „Die Abholung einer Sendung im PaketShop, also fern der Empfängeradresse, ist grundsätzlich nur durch den Originalempfänger oder einen Empfangsbevollmächtigten möglich. Warum? Bei einer PaketShop-Zustellung entfällt die Vermutung, dass in den Räumen des Empfängers anwesende Personen bzw. direkte Nachbarn zur Annahme der Sendungen grundsätzlich berechtigt sind (s.o.). Um eine Zustellung an den Originalempfänger oder einen Empfangsbevollmächtigten auch im PaketShop sicherstellen zu können, müssen sich deshalb alle Personen, die nicht der Originalempfänger sind, vor Ort legitimieren – per Lichtbildausweis und per Vollmacht. Dieses Vorgehen dient Beweis- und Dokumentationszwecken und beugt Betrugsfällen vor. Und nur so kann Hermes bei dieser Art der Zustellung später nachweisen, an wen die Sendung herausgegeben wurde.“

Wenn Frau Müller nicht mit Herrn Müller verwandt ist…

Wichtig: Auch Ehepartner und Kinder können von dieser Vollmachtregelung nicht ausgenommen werden – selbst dann nicht, wenn sie denselben Nachnamen und die gleiche Adresse haben. Gerade in Großstädten mit ihren Hochhauswohnblöcken würden häufige Familiennamen wie Müller, Schmidt oder Meier dann nämlich zu einem echten Problem werden. Frau Müller aus dem dritten Stock könnte so ganz einfach die Sendungen von Herrn Müller aus dem ersten Stock im Shop abholen, auch wenn sich die beiden eigentlich spinnefeind sind. Und Hermes könnte nicht mehr sicherstellen, dass das Paket auch wirklich dort ankommt, wo es hin muss – nämlich beim echten Empfänger. Deshalb gibt es eine strikte Vollmachtregel. Die mag vielleicht manchmal nervig sein, trägt aber dazu bei, den Paketversand für alle Beteiligten sicherer zu gestalten.

Und es soll ja auch Fälle geben, in denen die eigene Ehefrau bewusst nicht erfahren soll, was man(n) sich so bestellt hat ;-)


*Das Verbot der Nachbarschaftsabgabe betrifft meist Sendungen mit sensiblen Waren, zum Beispiel Medikamente, FSK-18-Artikel oder auch SIM-Karten. Solche Sendungen erkennt der Zusteller unter anderem an der Abkürzung VN auf dem Sendungsaufkleber. Wenn der Originalempfänger nicht zu Hause ist, darf der Zusteller das Paket auch an andere Berechtigte in der Wohnung wie Mitbewohner, den Lebensgefährten oder Familienmitglieder zustellen. Bei Firmenadressen kann die Sendung auch an Mitarbeiter ausgehändigt werden. Mehr dazu im Hermes Blog.

Foto: © Daniel Ullrich – Flickr.com



1

Kommentar

  • HL

    "Eine Nachbarschaftsabgabe ist nur mit Erlaubnis des Empfängers zulässig!
    Ohne eine solche dürfen die Pakete nicht in der Nachbarschaft abgegeben werden:
    OLG Düsseldorf: Paketdienst darf Pakete nicht an Nachbarn zustellen / AGB-Klausel unwirksam
    OLG Düsseldorf, Urteil vom 14.03.2007, Az. I-18 U 163/06 § 425 Abs. 1 HGB, §§ 305c Abs. 2, 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 BGB"

    28. Januar 2017 19:53

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