08.
Juni
2015
Der Einfluss von Smart-Car-Technologien auf den E-Commerce

Der Einfluss von Smart-Car-Technologien auf den E-Commerce

  Walter Matthias Kunze
(Gründer & CEO trendquest)

Walter Matthias KunzeDer Weg von Pkw und Lkw, die selbsttätig unterwegs sind, ist längst bereitet: In den USA haben einige Bundestaaten ihre Straßenverkehrs-Regelungen bereits angepasst, um autonom fahrende Automobile zu erlauben. Und Automobilhersteller Daimler brachte gerade mit der US-Konzerntochter Freightliner die ersten autonom fahrenden Lkws auf die Straße.   

Was sind Nutzen und Folgen für Autofahrer? Was bedeuten diese Veränderungen für Wirtschaft und Branchen, insbesondere den E-Commerce? Welche neuen Geschäftsmodelle können entstehen und welche neuen Berufe? Und wer hat noch seinen Nutzen davon? 

Zunächst ein Blick auf die Konzepte und Ideen rund um Autonomous Driving und die benötigte Infrastruktur. Denn: Autonom fahrende Autos bewegen sich keineswegs vollständig isoliert vom restlichen Straßenverkehrssystem durch den Verkehr. Damit Autos überhaupt „autonom automobil“ fahren können, müssen sie gewissermaßen smarter werden – sie erhalten eine Vielzahl an Sensoren zu ihrer Umgebung. 

Das Smart Car kommt – und dann geht es nicht mehr nur ums Fahren: Eine Entwicklung, die vielleicht vergleichbar ist mit der vom klassischen Handy hin zum Smartphone: Mit Ersterem kann man telefonieren und mit Letzterem erledigen wir heutzutage nahezu sämtliche Kommunikationsaufgaben – ob E-Mail oder Snapchat und Periscope. Das Telefonieren ist zur Nebenfunktion geworden.

„Wir fahren bald im Handy durch die Gegend“ 

Ich vermute, es wird mit dem Auto in die ähnliche Richtung gehen. Das Fahren von A nach B ist eine Selbstverständlichkeit und gehört deshalb in den kommenden Jahren weniger und weniger zu den wichtigsten Eigenschaften eines Autos. Wichtiger wird es sein, dass das Automobil für den Passagier während der Fahrt zunehmend die nahtlose Einbindung in sein soziales oder berufliches Umfeld möglich macht. Menschen wollen und brauchen direkte Einbindung in ihr persönliches soziales Netzwerk. Darum machen wir Menschen viele der uns umgebenden Geräte „sozialer“. Das Auto wird den Menschen eine zunehmende Anzahl weiterer Aufgaben abnehmen. Es wird darum Funktionen anbieten, die nahtlos in Bereiche der sozialen Kommunikation übergehen – soziale Vernetzung nutzt dafür mehr und mehr auch das Internet of Things.

Das Auto wird zu einer Art smartem Assistenten – bis hin zu der Tatsache, dass der Smart Assistent dann irgendwann nicht mehr örtlich im Auto-Computersystem oder im Handy sitzt, sondern in der Cloud auf den Rechnersystemen von Google, Tesla, Apple und Co. Aus der heutigen noch rudimentären Sichtweise bedeutet diese Entwicklung vereinfacht gesagt: Wir fahren bald „im Handy“ durch die Gegend. Und das ist das wirklich Revolutionäre, denn das Connected Car wird dadurch Teil vom Connected Home bzw. dem Connected Environment.

Hier ergeben sich große Chancen und Potenziale für sehr viele Dienstleister, ob neue Startups oder bestehende Anbieter: Ich bestelle beispielsweise ein Produkt in einem Online-Shop. Das intelligente smarte System schließt sich mit meinem smarten digitalen Assistenten kurz und beide verhandeln miteinander, wann und wo ich am besten meine bestellten Waren erhalte. Also: Nie mehr auf den Paketboten warten bis endlich die bestellte Ware kommt. 

Heute – im Jahr 2015 – befinden wir uns noch nicht in der Zeit der schönen heilen smarten Kommunikations-, Dienstleistungs- und Lieferbestell-Infrastrukturwelt, die wir dann in einigen Jahren erleben werden. Aber wir sind wir auf dem besten Weg dahin. 

Wo es hingehen könnte, zeigt der Ansatz „Lieferung in den Kofferraum“. So ein Konzept funktioniert natürlich nur bei Privatautos, jedoch nicht mehr ganz so einfach, wenn mehr und mehr Menschen in den kommenden Jahren statt persönlicher Privatwagen lieber Car Sharing-Dienste nutzen. Aber eventuell wird es dann stattdessen autonom fahrende kleine Lieferwagen geben, die schnelle „Just in Time“-Lieferung garantieren. Oder die bestellten Car Sharing-Autos fahren auf dem Weg zum Kunden kurz bei der Packstation vorbei und holen die Lieferung ab, oder sie treffen sich auf dem Weg zum Kunden unterwegs kurz mit dem Kurierdienst und übernehmen die Lieferung.

Fazit: Es gibt viel Potenzial wie auch viele Herausforderungen, und dazu auch sehr spannende Entwicklungen – der Weg zur Smart Delivery ist bereitet: Die Smart Delivery wächst gemeinsam und parallel zur Entwicklung der Smart Infrastructure und Smart Mobility. Hier ist Potenzial für und durch den E-Commerce durch gezieltes Fördern entsprechender Startup-Projekte, sowie weiterer Innovations-Treiber und möglicher eigener oder ausgegliederter Geschäftseinheiten. 


Walter Matthias Kunze ist Gründer und CEO von trendquest, einer Strategieberatung mit Fokus auf Zukunftsthemen und den Biorhythmus der Gesellschaft. Sein Beratungsmodell ist methodisch ausgerichtet auf Behavioral Socio-Economics und die wissenschaftliche Auswertung von sozialen Wechselwirkungen in Wirtschaft, Technologien, Märkten und Zielgruppen. Vor Gründung von trendquest war Kunze über 15 Jahre tätig als Senior Strategist und Creative Director im Bereich Digital Media, Social Media und Marketing für Unternehmen und Werbeagenturen tätig. Er setzt sich für die Förderung von Innovations- und Trendbewusstsein in Gesellschaft und Wirtschaft ein, Hierfür hat er im Januar 2012 den monatlichen „Trendtalk“ ins Leben gerufen, bei dem zur Afterwork-Zeit Innovationen und Trends gemeinsam mit namhaften Experten und Publikum diskutiert werden.


Foto: © vege – Fotolia.com



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