05.
Mai
2015
Dynamic Pricing: Eine Frage des Gleichgewichts

Dynamic Pricing: Eine Frage des Gleichgewichts

  Florian Hermsdorf
(Head of Innovation Management Otto Group)

Dynamic Pricing gehört zu den meist diskutierten Themen im E-Commerce der vergangenen Monate. Der Tenor ist allerdings oft negativ geprägt, verleiht der Dynamisierung des Preises ein kontroverses Image.

Warum eigentlich?

Das Zusammenspiel von Preis und Absatz („Preisabsatzfunktion“) ist seit jeher Bestandteil der Preisgestaltung im Handel. Heute werden nur diese lang bewährten Formeln mithilfe neuartiger Algorithmen effizienter gemacht. Das Rezept also verfeinert. Kritiker bemängeln, dass Dynamic Pricing dadurch Tür und Tor zur sogenannten Preisdiskriminierung öffnet – zum Beispiel indem einem Kunden, der den Webshop mit einem Apple Tablet aufruft, ein anderer Preis angezeigt wird als einem Kunden mit einem Windows PC, weil ersterem eine höhere Zahlungsbereitschaft zugeordnet wird. Die individuelle Preisbildung ist in Deutschland (im Gegensatz zu den USA) nicht erlaubt und meiner Meinung nach auch nicht zielführend.

Florian Hermsdorf

Natürlich bringt Dynamic Pricing für Händler konkrete betriebswirtschaftliche Vorteile mit sich, keine Frage.  Die Verringerung von Lagerbeständen um ein Beispiel zu nennen. Auch kurzfristige Schwankungen am Markt können durch Dynamic Pricing abgefangen werden, unter anderem dort, wo plötzlich hohe Nachfrage nach einem Produkt auftritt. Händler passen ihre Preise in solchen Situation grundsätzlich an. Umgekehrt können Kunden aber auch von Preissenkungen profitieren, die zum Beispiel dann entstehen, wenn ein Unternehmen den Absatz eines Produktes erhöhen will, um Lagerbestände zu verringern. Ein Paradies für Schnäppchenjäger.

Dynamic Pricing läutet das „Ende des Einheitspreises“ ein, berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung kürzlich. Sicherlich ließe sich im täglichen Wechsel für jeden einzelnen Kunden ein individueller Preis anzeigen. Aber: Ist ein Händler da noch glaubwürdig? Verspielt er hier nicht das für ihn so wichtige Vertrauen des Kunden? Wie bei vielen anderen Technologien gilt auch für das Dynamic Pricing: Anbieter und Kunden müssen sich auf Augenhöhe begegnen. Alles eine Frage des Gleichgewichts.


Die Otto Group nutzt Dynamic-Pricing-Lösungen von Blue Yonder, einem 2008 gegründeten Joint Venture mit dem ehemaligen CERN-Forscher Prof. Michael Feindt, einem der führenden Anbieter für Big Data Analytics und Predictive Applications im europäischen Markt zählt. Im Dezember 2014 hat das 120-Mann starke Unternehmen von einem Tochterunternehmen von Warburg Pincus, einem globalen Private Equity-Unternehmen mit Fokus auf Wachstumsfinanzierung, eine Beteiligungszusage in Höhe von 75 Millionen US-Dollar erhalten.



Kommentare

Kommentar schreiben

Hinweis
Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Verwandte Artikel

  •  
    16.
    Oktober
    2017
    Wenn Daten Freunde ersetzen: Fashionkauf im Web 4.0

    Wenn Daten Freunde ersetzen: Fashionkauf im Web 4.0

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Beim Kauf von Mode verlässt man sich gerne auf die Meinung vertrauter Personen. Auch in Zukunft? Wir haben nachgefragt und dabei interessante Erkenntnisse gewonnen.

  •  
    06.
    September
    2017
    Im digitalen Zeitalter gelten fürs Recruiting neue Regeln

    Im digitalen Zeitalter gelten fürs Recruiting neue Regeln

    Nachgefragt bei
    Icon Daniel Barke
    (Geschäftsführender Gesellschafter Mylittlejob)

    Mit den Millennials steht eine neue Mitarbeitergeneration in den Startlöchern, die auf einen von Automatisierung geprägten Arbeitsmarkt trifft – was bedeutet das für die Personalauswahl? Drei Fakten.

  •  
    21.
    August
    2017
    2
    Die Geschichte hinter dem Bild (III)

    Die Geschichte hinter dem Bild (III)

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Schon kurz nach dem Mauerfall hatte Hermes den Betrieb jenseits der innerdeutschen Grenze aufgenommen. Eine funktionierende Infrastruktur? Fehlanzeige! Die Geschichte eines logistischen Kraftakts.

Beliebte Artikel

  •  
    30.
    Januar
    2017
    14

    Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Die Blogparade "Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?" startet... Jetzt mitmachen!

  •  
    04.
    August
    2017

    Möbel online: Mehr als nur ein Trend

    Nachgefragt bei
    Icon André Müller
    (Direktor Home & Living bei OTTO)

    Sofa, Bett und Tisch per Mausklick: Was macht den Onlinekauf von Möbeln so attraktiv?

  •  
    15.
    August
    2017

    Digital kann mich mal? Arbeitnehmer und der digitale Wandel

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Wir wollten wissen, wie Arbeitnehmer die zunehmende Digitalisierung in ihrem Unternehmen wahrnehmen und haben 1.865 Personen hierzu befragt.

Neueste Kommentare

Isabelle (Redaktion) zu Podcast #1: Warum Trusted Shops auf KI setzt

"Hallo David, danke für dein Feedback! Wir werden den Podcast sukzessive auf weiteren Plattformen zur..."
06.10.2017

David zu Podcast #1: Warum Trusted Shops auf KI setzt

"Spannend! Stellt ihr den Podcast auch bei iTunes rein, so dass ich ihn dort abonnieren kann?"
04.10.2017

Amalia B zu Was macht eigentlich… der 3D-Druck im E-Commerce?

"Vielen Dank für den Artikel. Ich finde die Entwicklung des 3D Druckers extrem spannend. Auch Branchen..."
04.09.2017

Neueste Tweets

  • Neuer Partner: @Loreal bietet ab sofort mehr als 1.000 Artikel von fünf Marken bei @otto_de ...

  • RT @otto_jobs: Das #OTTO Jobs Team ist ready! Kommt zum Truck an der @unihh. Es warten tolle ...

  • Erfolgreiche Halbzeitbilanz: Baur-Gruppe wächst zweistellig https://t.co/yxKj5aIwep #Ecommerce ...