12.
Juni
2014
E-Commerce in Brasilien auf dem Vormarsch

E-Commerce in Brasilien auf dem Vormarsch

  Robert Hägelen
(Abteilungsleiter Unternehmenskommunikation Otto Group)

Lars Ziegler, CFO von Otto Brasilien, wirft im Interview einen Blick auf den brasilianischen E-Commerce und sieht eine positive Dynamik – trotz aktuell schwächelnder Wirtschaft.

Robert Hägelen: Beim Fußball sind die Brasilianer den Deutschen meistens voraus – wie sieht es denn beim E-Commerce aus?

Lars Ziegler: Beim E-Commerce sind Brasilianer noch etwas hinterher, aber sie holen schnell auf. Die Mittelschicht ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen, die Abdeckung mit Internetanschlüssen ist sehr weit vorangeschritten. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens e-bit gibt es in Brasilien mehr als 50 Millionen Online-Shopper, davon haben im vergangenen Jahr 9,1 Millionen erstmals online eingekauft. Für dieses Jahr wird ein Anstieg in gleicher Größenordnung auf dann mehr als 60 Millionen Online-Kunden prognostiziert. Daran sieht man, wie hoch die Dynamik ist.


Vor der Weltmeisterschaft war die Berichterstattung über Brasilien eher negativ: gewaltsame Demonstrationen, nachlassende Wirtschaftsdynamik – spüren Sie das bei Ihrem Geschäft?

Man darf die Demonstrationen, auf die sich die Berichterstattung gestürzt hat, nicht überbewerten. Im Oktober stehen Präsidentenwahlen an. Verbunden mit der hohen Aufmerksamkeit durch die Fußball-WM, versuchen unterschiedliche Gruppen ihre Themen medienwirksam in Szene zu setzen. Wir zumindest merken nicht so sehr viel davon, obwohl die brasilianische Wirtschaft aktuell tatsächlich auch ein wenig schwächelt. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Umsätze beinahe verdoppelt, im laufenden Jahr sind wir ebenfalls sehr gut unterwegs. Für den gesamten E-Commerce-Sektor wird ein Wachstum von 20 Prozent erwartet – die Bedingungen könnten schlechter sein (lacht).


Lars Ziegler, CFO von Otto Brasilien
Lars Ziegler, CFO von Otto Brasilien

In Deutschland ist Mobile der zentrale Trend – wie sieht es damit in Brasilien aus? 

Auch in Brasilien ist Mobile derzeit ein ganz großes Thema. Im vergangenen Jahr hat sich der Mobile-Anteil an den Online-Transaktionen von 2,5 Prozent auf 4,8 Prozent beinahe verdoppelt. Bei posthaus.com.br werden bereits rund 8,0 Prozent der Bestellungen via Smartphone und Tablet gemacht – Tendenz stark steigend. In Brasilien sind die Smartphones mit großem Bildschirm sehr verbreitet, das beflügelt den Trend. 


 

Was sind die größten Unterschiede zwischen dem Online-Handel in Brasilien und Deutschland?

Die Größe des Landes und die entwicklungsbedürftige Infrastruktur stellen große Anforderungen an die Logistik. Je nach Region kann ein Paket bis zu drei Wochen unterwegs sein, die Kosten für einen derartigen Transport sind entsprechend hoch. Dafür liegt die Retourenquote unter 10 Prozent, wenn auch mit leicht steigender Tendenz. Wichtig in Bezug auf Mode: Aufgrund der klimatischen Bedingungen werden nur kurzzeitig – und auch eher nur im etwas kühleren Süden dieses kontinentalgroßen Landes – wirkliche Herbst/Winter-Ware verkauft.




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