01.
März
2017
Eine virale Kampagne für Inkasso – Wieso?!

Eine virale Kampagne für Inkasso – Wieso?!

  Lara Flemming
(Head of Corporate Communications & Marketing der EOS Gruppe)

Die Frage ist berechtigt: Warum launcht ein wirtschaftlich erfolgreiches Inkassounternehmen eine Imagekampagne in den sozialen Netzwerken? Kein Wunder also, dass sie mir in den vergangenen Monaten häufig gestellt wurde, ob im Freundes- oder Kollegenkreis. Schließlich hat das noch kein Unternehmen unserer Branche gemacht. Aus gutem Grund: Schulden sind ein maximal unangenehmes Thema in unserer Gesellschaft. Es ist emotional stark aufgeladen. Scham und das Gefühl, versagt zu haben, belasten diejenigen, die mit ihm konfrontiert sind. Auch Wut auf das System finden wir häufig. Kein Wunder also, dass Inkasso ebenfalls ein sehr sensibles Thema ist, das Emotionen zum Vorschein bringt, wenn man öffentlich beginnt, darüber zu sprechen.

Lara Flemming, EOS

Ich gebe deshalb zu, der Schritt ist mutig. Aber, es wird auch Zeit, dieses tabuisierte Thema aus dem Dunklen in die Transparenz zu bringen. Das ist unser langfristiges Ziel: offener über Schulden und Inkasso sprechen zu können. Inkasso soll „normaler“ werden und nicht ständig in der Nähe von Mafia und Schlägertypen verortet werden. Da gehört es nämlich nicht hin.

So haben wir uns entschieden, die erste Social-Media-Imagekampagne der Inkassobranche zu starten. Das Internet ist für unser Anliegen der ideale Kanal, um einen ersten Schritt in Richtung Normalisierung von Inkasso zu machen.
Dazu vier Thesen:

1. Mitreden ist wichtig – und Online ermöglicht Dialog

Dass kaum klischeefrei über Inkasso geredet wird, nervt. Nicht nur mich, sondern vor allem die Kollegen, die täglich mit den Schuldnern sprechen und am besten wissen, wie wenig in unserer Branche Bild und Wirklichkeit zusammenpassen. Deshalb ist es wichtig, Aufklärung zu leisten und in einen Dialog zu kommen. Und das geht in den sozialen Netzwerken! Mit unserer viralen Kampagne haben wir schon jetzt mehr Diskussionen ausgelöst, als wir es in vielen Jahren zuvor auf klassischem Wege hinbekommen haben. Und ganz ehrlich: Wir sind immer noch (positiv!) überrascht, wie intensiv auf unserer Facebook-Seite seit Kampagnenstart über Schulden und Inkasso diskutiert wird. Natürlich kontrovers und zum Teil sehr kritisch, aber erstens macht das schließlich Debatten aus und zweitens sind wir froh, dass wir den Dialog auf unsere Plattformen ziehen, und so mitreden können. Am Ende gibt uns auch Kritik die Möglichkeit, unsere Sicht der Dinge zu schildern. Das Motto lautet hier: „Miteinander reden, nicht übereinander“.

2. Social Media macht (unsere tollen) Mitarbeiter zu Multiplikatoren

Viele unserer Kolleginnen und Kollegen beteiligen sich an den Gesprächen in den sozialen Netzwerken und begegnen den dort immer wieder genannten Vorurteilen mit konkreten Schilderungen ihres Arbeitsalltags. Die EOS Mannschaft – von Kollegen aus dem Call-Center über die Inkassoabwicklung bis hin zum Außendienst – ist so authentisch und glaubwürdig, wie wir es als Kommunikationsabteilung niemals sein könnten. Ich bin beeindruckt und, ehrlich gesagt, auch ziemlich gerührt zu sehen, wie viele in den Dialog einsteigen. Dass sie so gleichzeitig auch die Community regulieren und den „Trollen“ den Wind aus den Segeln nehmen, ist ein schöner Nebeneffekt.

EOS Kampagne

EOS setzt in seiner Imagekampagne bewusst auf Klischees, darunter dubiose Machenschaften in der Tiefgarage...


3. Online spart Geld

Klar, auch Online-Kampagnen kosten Geld. Dennoch ist es natürlich von Vorteil, ausschließlich für tatsächliche Video-Views zahlen zu müssen. Bei gegebenem Budget erhöht das die Reichweite – was nicht ganz unwichtig ist, wenn man eine breite Öffentlichkeit erreichen möchte. Zudem können wir die Zielgruppen-Aussteuerung täglich nachjustieren. Unsere Online-Kampagne ist damit günstiger und zielgerichteter als beispielsweise eine TV- oder Print-Kampagne.

4. „Traditionelle“ Unternehmen ≠ „traditionelle“ Kanäle

Man kann diskutieren, ob Social-Media-Aktivitäten zu einem Inkassounternehmen passen. So mancher User hat uns in den vergangenen Tagen deutlich zu verstehen gegeben, was er von Inkasso-Werbung in seiner Facebook-Timeline hält: wenig. Uns ist klar, dass wir nie eine „love brand“ werden, die in sozialen Netzwerken Fan um Fan gewinnt. Aber darum geht es auch nicht. Uns ist wichtig, aus dem Schatten zu treten und Vorurteile abzubauen, um irgendwann in der Zukunft ein etwas neutralerer Gesprächsgegenstand zu werden. Dafür gehen wir neue Wege und werden dort aktiv, wo unsere Zielgruppen sind. Mehr als drei Millionen Video-Views und über 2.000 Kommentare auf Facebook und Youtube nach gut zwei Wochen weisen zumindest darauf hin, dass Schulden, und damit auch Inkasso, die Menschen bewegen. Also, lasst uns sprechen.

Wie ist ihre Meinung zu unserer Kampagne? Ich bin gespannt auf Ihr Feedback!

Über die Kampagne:
Seit dem 15. Februar 2017 läuft unter dem Motto „Auf Inkasso Art“ die virale Imagekampagne der EOS Gruppe. In drei Filmen auf Youtube und Facebook werden bekannte Vorurteile gegenüber der Inkassobranche auf amüsante Weise aufgegriffen und auf der zugehörigen Kampagnenwebsite widerlegt.



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