26.
Februar
2015
„Nerds sind aufgeschlossen, gesellig und beliebt“

„Nerds sind aufgeschlossen, gesellig und beliebt“

  Nachgefragt bei Benedikt Stemmildt
(Softwareentwickler bei OTTO)

Herr Stemmildt, was bewegt Sie dazu, in Ihrer Freizeit eine Class an der Hacker-School zu übernehmen?

Benedikt StemmildtWir haben in Deutschland ein enormes gesellschaftliches Problem: Obwohl das gesamte Leben mehr und mehr von digitalen Einflüssen geprägt ist, fehlt es an digitaler Bildung. In Hamburg wird Informatik zwar als Schulfach angeboten, entspricht aber inhaltlich nicht dem, was wir Informatiker von einer guten Grundausbildung in diesem Bereich erwarten. Das hat nicht nur Einfluss auf den Alltag, sondern auch auf die Wirtschaft. Besonders fehlt uns der Nachwuchs im Softwaretechnologiebereich.

Ich selbst empfinde es als großes Privileg, einen Beruf in diesem Bereich auszuüben, der mich erfüllt und mir permanent neue Anregungen und Lerninhalte bietet. Deshalb engagiere ich mich an der Hacker-School. Ziel des Projekts ist es, junge Menschen für Informatik zu begeistern. Die Hacker-School bietet ein tolles Lernumfeld für Jugendliche und sie zeigt, dass Nerds eben nicht am Rande der Gesellschaft stehen, keine Freunde haben und nur im Keller vor sich dahinvegetieren. Ganz im Gegenteil, Nerds sind aufgeschlossen, gesellig und beliebt! Diese Erfahrungen möchte ich gern mit anderen teilen und genau deswegen halte ich eine Class bei der Hacker-School.


Wie ist das Leistungsniveau der Jugendlichen, die an Ihrer Class teilnehmen?

In meiner Class entwickeln die 12- bis 15-jährigen Teilnehmer eine Erweiterung für das Spiel „Minecraft“ in der Programmiersprache Java. Einige haben bereits Erfahrung damit sammeln können, andere fangen bei null an. Aber das stört den Lernerfolg nicht, da wir die Möglichkeit haben, die Class in kleine Gruppen einzuteilen. So entsteht ein reger Austausch zwischen den unterschiedlich alten und erfahrenen Schülern. Dieser Austausch ist sehr wichtig für das gemeinsame Projekt. Zusammen mit den Kids programmieren wir ein Jump-And-Run-Spiel innerhalb von Minecraft, bei dem alle Spieler auf einer Plattform herumlaufen. Jede Bodenplatte, die von einem Spieler berührt wird, verändert sich zu Luft, so dass am Ende nur noch ein Spieler auf der Plattform übrig bleibt. Alle anderen Spieler fallen herunter. Das tolle an den Classes ist, dass man sowohl logisch und mathematisch als auch spielerisch lernt, wie Java funktioniert. Dabei fällt leider auf, dass den Jugendlichen häufig bereits das grundlegende logische und mathematische Verständnis fehlt, das eigentlich bekannt sein müsste.


Haben Sie Ihre Ziele erreicht?

Unser erstes Ziel ist es, die Jugendlichen zu motivieren und zu inspirieren, sich weiter mit dem Fach Informatik zu beschäftigen. Ja, das haben wir für meine Begriffe erreicht. Die Jugendlichen sind von der Class begeistert und die meisten werden sich auch weiterhin im Bereich Informatik ausprobieren und ihre Erfahrungen festigen. Alle haben verstanden, dass Informatik nicht nur bedeutet, programmieren zu können, sondern auch wissensdurstig zu bleiben, kritisch zu hinterfragen und sich ständig weiter zu entwickeln. Ich hoffe, dass als nächstes die Frage nach Praktika und Bewerbungen bei OTTO kommt…




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