01.
Juli
2016
"Im Thema Mass Customization steckt viel Musik"

"Im Thema Mass Customization steckt viel Musik"

  Nachgefragt bei Dr. Florian Heinemann
(Gründer & Geschäftsführer Project A Ventures)

Der E-Commerce schreibt manchmal die schönsten Geschichten. Und das ist bei Lost My Name wörtlich zu nehmen: Das personalisierte Kinderbuch ist nur wenige Jahre nach seinem Start so nachgefragt, dass der Frühphaseninvestor Project A Ventures – bei dem die Otto Group Hauptkapitalgeber ist – mit 4 Millionen Euro eingestiegen ist. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Dr. Florian Heinemann über die Hintergründe dieser Zusammenarbeit:

Florian, Anfang des Monats hat Project A sein 4-Millionen-Investment in Lost My Name bekannt gegeben, einem Online-Verlag für individualisierte Kinderbücher. Das entspricht ja nicht gerade Eurer üblichen Investment-Strategie, die ja vor allem auf Marketplaces, Software-as-a-Service und Digital Infrastructure Solutions abzielt…

Dr. Florian HeinemannFlorian Heinemann: Ganz im Gegenteil, mit dem Investment bleiben wir unserem Fokus auf E-Commerce-Unternehmen weiterhin treu. Lost My Name ist ein echtes Best Practice-Beispiel für ein erfolgreiches Mass-Customization-Produkt, das ja mit seiner technischen Infrastruktur steht und fällt. Lost My Name ist als sogenannter „Full Stack Publisher“ aufgesetzt, das heißt, die Kreation des Produktkonzepts, die Generierung des individualisierten Produkts und die letztendliche Produktion erfolgen alle aus einer Hand auf Basis eines integrierten Technologie-Stacks. So war es schnell möglich, das Produkt in neun verschiedenen Sprachen anzubieten. Bis heute wurden über 1,5 Millionen Exemplare in über 170 Länder ausgeliefert – das sind Ergebnisse, die für uns sehr spannend sind. Hohe Skalierbarkeit ist schließlich auch Teil unserer Investment-Strategie. Bei einem Lost My Name-Buch liegt das theoretische Personalisierungs-Limit bei mehr als einer Trillion Kombinationsmöglichkeiten.


Ist Mass Customization einer der dominierenden E-Commerce-Trends der Zukunft?

Florian Heinemann: Ja, denn der Wunsch nach Individualisierung beim Endkunden steigt. Dabei geht es jedoch nicht unbedingt darum, etwas komplett Außergewöhnliches zu besitzen, sondern vielmehr ein Massenprodukt auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen. Angebote wie MyMüsli oder Spreadshirt haben in der Vergangenheit bereits erste Bereiche besetzt, in denen sie ein Personalisierungskonzept skalierbar umgesetzt haben. Dabei gibt es noch eine große Vielzahl an Produkten, die für diesen Markt noch gar nicht erschlossen worden sind! Es steckt viel Musik in dem Thema.  


Wo liegen die Fallstricke für Anbieter?

Florian Heinemann: Personalisierte Produkte für den Massenmarkt funktionieren nur, wenn die Komponenten stimmen: Das sind neben dem Produkt eben auch die technologische Infrastruktur, Produktion, Vertrieb und Marketing. Bei Lost My Name sind sämtliche Funktionen integriert, bzw. werden inhouse betrieben. Das Konzept und die Story sind international anwendbar, durch ein dezentralisiertes Drucksystem kann ein und dasselbe Produkt global ausgeliefert werden – ohne weitere Lieferkosten. Die Kundenakquisition ist zudem sehr datengetrieben. Unser Part ist es nun, beim Infrastrukturaufbau zu unterstützen.


Lost My Name, 2012 gegründet, kombiniert die Möglichkeiten digitaler Technologie mit personalisiertem Storytelling und Printmedien, um Kindern ein individuelles, auf sie zugeschnittenes Leseerlebnis zu ermöglichen. Gemeinsam mit Google Ventures, Greycroft und Allen & Co. investiert der Berliner Frühphaseninvestor Project A Ventures 12 Millionen Euro in das innovative Kinderbuchkonzept. Weitere Informationen gibt es hier.



Kommentare

Kommentar schreiben

Hinweis
Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Verwandte Artikel

  •  
    04.
    August
    2017
    2
    Möbel online: Mehr als nur ein Trend

    Möbel online: Mehr als nur ein Trend

    Nachgefragt bei
    Icon André Müller
    (Direktor Home & Living bei OTTO)

    Sofa, Bett und Tisch per Mausklick: Was macht den Onlinekauf von Möbeln so attraktiv?

  •  
    14.
    Juli
    2017
    Was deutsche Anbieter beim Handel mit China beachten sollten

    Was deutsche Anbieter beim Handel mit China beachten sollten

    Icon Victoria Lojek
    (Operations Manager bei BorderGuru)

    Wer in China als direkter Händler auftreten und Fuß fassen möchte, sollte einige Grundbedürfnisse chinesischer Konsumenten berücksichtigen – ein Leitfaden.

  •  
    26.
    Juni
    2017
    1
    Warum der Hype um „Prime Wardrobe“?

    Warum der Hype um „Prime Wardrobe“?

    Icon Thomas Steck
    (Direktor Kundenservice & Logistik OTTO )

    Bloß weil eine gut verpackte Idee aus Seattle stammt, muss diese ja nicht immer gleich den Rest der Handelswelt ins Unglück stürzen. Ein kritischer Blick auf Amazons neues Angebot für Prime-Kunden.

Beliebte Artikel

  •  
    30.
    Januar
    2017
    17

    Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Die Blogparade "Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?" startet... Jetzt mitmachen!

  •  
    09.
    Mai
    2016

    Startups und die Altersfrage

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Welche Rolle spielt eigentlich das Alter beim Gründen? Wir haben bei Startup-Unternehmern aus unterschiedlichen Branchen nachgefragt.

  •  
    17.
    August
    2016

    Erfolg im Multichannel mit flexibler stationärer Präsenz

    Icon Dr. Marlon Braumann
    (Gründer und Geschäftsführer store2be GmbH)

    Welchen Hindernissen Online-Händler auf dem Weg in den stationären Handel gegenüberstehen – und welche Lösungen es gibt.

Neueste Kommentare

Berit Lise Sandoe Metzner zu Möbel online: Mehr als nur ein Trend

"Sie haben das Geld für meine Bestellung bereits abgebucht, aber ich habe bis jetzt keine Bestätigung..."
15.08.2017

Marko Toivonen zu Gimmick oder Must-Have? Videochat mit dem Kundenservice

"Great comment on the online chat services and future of video in it. I believe that video will play..."
10.08.2017

bert zu G20 ist, wenn man trotzdem shoppt

"Wie viele Leute wurden von welchem Institut befragt?"
07.07.2017

Neueste Tweets

  • RT @CmiA_AbTF: CmiA's impact 2016:50 mil. #CmiA textiles, 47% increase in revenues to support ...

  • Positive Bilanz: @CmiA_AbTF erzielt Einnahmenrekord: https://t.co/YkHJhj1CM6 via @UmweltDialog ...

  • Hermes eröffnet größtes #Logistik Center der Firmengeschichte in Großbritannien: ...