12.
Februar
2018
KI am Arbeitsplatz: Adieu, Fremdsprachenskills?

KI am Arbeitsplatz: Adieu, Fremdsprachenskills?

  Redaktion ottogroupunterwegs
(Admin)

Englisch, Spanisch, Chinesisch: Bei jedem Career-Coaching-Workshop lernt man heute, wie wichtig Fremdsprachenkenntnisse im Lebenslauf sind. In einer globalisierten, vernetzten und immer mobileren Welt ist Mehrsprachigkeit Sinnbild für Offenheit und Weitblick. Kinder fliegen zum Schüler-Austausch nach Schottland oder Spanien, internationale Studiengänge boomen und während vor zehn Jahren rund 23.000 Studierende ein Erasmus-Semester im Ausland absolvierten, waren es laut Statistischem Bundesamt sieben Jahre später schon rund 30.000.

Auf der anderen Seite arbeiten Entwickler seit einiger Zeit an Technologien, die weltweite Kommunikation ohne lästige Sprachbarrieren möglich machen. Die bekanntesten und von Millionen von Menschen genutzten Tools sind etwa Google Translate, der Microsoft Translator oder – auf den deutschen Sprachraum bezogen – Programme wie Linguee oder DeepL. Hinter letzteren steckt ein Kölner Start-Up, das sich auf künstliche Intelligenz (KI) und Sprachübersetzung (SÜ) spezialisiert hat. Genau wie Google Translate übersetzt DeepL textbasierte Daten. Der kleine Unterschied: Es erkennt die Quellsprache von allein, weil es wie ein künstliches Gehirn arbeitet. So liefert es korrektere Texte – egal ob Gedicht, Stellenanzeige oder Geschäftsbericht. Im Gegensatz zu Google Translate und Co, die bis zu 130 Sprachen verstehen, spricht DeepL allerdings „nur“ sieben Sprachen von Deutsch über Italienisch bis Polnisch.

Übersetzungstools erleichtern Arbeitsalltag

Auch Annika Faßnacht vom internationalen Venture-Capital-Unternehmen Project A benutzt DeepL für alltägliche Textarbeiten – etwa um fremdsprachige E-Mails zu verfassen oder Stellenausschreibungen in andere Sprachen zu übersetzten. Als Leiterin der Talent Akquisition unterstützt sie verschiedene Portfolio-Firmen des Venture-Kapitalgebers bei der Rekrutierung von Mitarbeitern aus Brasilien, Argentinien oder Spanien. „Spezielle Software hilft uns dabei, schneller und besser zu übersetzen“, weiß die erfahrene Personalerin. Ob diese smarten Tools ihre und die Sprachenkenntnisse ihres Teams irgendwann obsolet machen werden?

„Die Programme sind ein wichtiger Zusatz, aber sie werden die Menschen nicht ersetzen“, ist sich Faßnacht sicher. Viel wichtiger als Gadgets sei es, die Fremdsprachekenntnisse des Teams zu fördern – zum Beispiel durch Englisch- oder Deutschkurse, die Project A für neue Kollegen anbiete. Das stärke auch das Miteinander und erleichtere das Einfinden in eine neue Kultur.                                

Infografik Übersetzung zoom

Während bei der Otto Group Deutsch noch weitgehend Amtssprache ist, sprechen die Mitarbeiter bei Project A bereits ausschließlich Englisch. Das Berliner Startup, das sowohl deutsche Tech-Unternehmen wie Opinary als auch in internationale Gründungen in New York oder Zürich fördert, versteht sich in puncto Kommunikation als Vorreiter. Rund dreißig Prozent der Mitarbeiter haben Deutsch nicht als Erstsprache. „Da braucht es natürlich viel interne Bereitschaft, Englisch auch in der Mittagspause oder nach Feierabend zu sprechen“, erzählt Faßnacht.

Simultanübersetzung durch künstliche Intelligenz

Neben textbasierter Übersetzungssoftware produzieren Firmen wie Apple oder Google seit Kurzem auch smarte Kopfhörer mit allerlei Features. Die intelligenten Ohrstöpsel à la Pixel Buds erkennen etwa sprachbasierte Daten und können diese in Echtzeit mithilfe eines Smartphones übersetzen. Würden derartige Gadgets nicht gerade bei Firmen wie Project A die Verständigung innerhalb interkultureller Teams fördern? „Solche Spielerein sind für erfolgreiche Kommunikation eher kontraproduktiv, da sie den natürlichen Redefluss stören und so keine echte Konversation aufkommen kann“, weiß Faßnacht.

Geht es nach der erfolgreichen Recruiterin, werden Fremdsprachenkenntnisse also auch in der Arbeitswelt der Zukunft sehr gefragt sein. Englisch sei allerdings bereits jetzt Standard, so Faßnacht. Wer für die nächsten Jahre vorbereitet sein möchte, der investiert nicht nur in Spanisch- oder Chinesisch-Sprachkurse. Auch analytisches Denken und interkulturelle Kompetenzen werden bei den Jobs von morgen immer wichtiger sein. 


KI am Arbeitsplatz tangiert auch die klassische Assistenz. Mehr zu dem Thema hier. 



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Kommentar

  • Andreas Rothe

    "Den Artikel finde ich super. Die Aussage "Englisch sei allerdings bereits jetzt Standard, so Faßnacht. Wer für die nächsten Jahre vorbereitet sein möchte, der investiert nicht nur in Spanisch- oder Chinesisch-Sprachkurse. " finde ich seh spannend. Ich habe vor Jahren beim Launch von Talentry und vor einigen Wochen wieder beim Jobbotschafter Programm die Frage gestellt, warum unsere Stellenausschreibungen nur in Deutsch sind. Die Antwort war beide Male: "Das wurde vom Vorstand so vorgegeben.". Ich konnte dies nicht glauben. Beim Nachfragen bei den Jobbotschaftern hieß es dann "Wir Rekrutieren nur in Deutschland, und auch nur nördlich von Köln". :-0 Sehr schade, ich habe viele ex-Kollegen, die gerne hier arbeiten würden. Aber kein Deutsch können, dafür aber drei andere Sprachen."

    13. Februar 2018 09:09

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