02.
Dezember
2015
Kann Paris den Klimawandel stoppen?

Kann Paris den Klimawandel stoppen?

  Dr. Michael Otto
(Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group)

Die Klimaschutzdebatte nimmt wieder Fahrt auf. Seit diesem Montag trifft sich auf der 21. UN-Klimakonferenz in Paris die Weltgemeinschaft, um Lösungen für einen wirksamen Schutz des Weltklimas zu erarbeiten.

Dr. Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group Ich muss gestehen, dass mich der Ausgang der vorherigen Konferenzen enttäuscht hat – viel zu schwach waren die Verpflichtungen und Beschlüsse, um der bereits spürbaren Veränderung unseres Klimas etwas Wirksames entgegenzusetzen. Dabei ist wirksamer Klimaschutz vor allem auch aus ökonomischer Perspektive das Gebot der Stunde: Spätestens seit dem vielbeachteten Stern-Report im Jahr 2006 wissen wir doch, dass Klimaschutz uns unterm Strich viel weniger kosten wird als die Anpassung an einen globalen Klimawandel. Und trotzdem hat sich die Weltgemeinschaft viel zu lange Zeit gelassen und viele Chancen verpasst. Das liegt auch an den Bremsern unter den Staaten, die nationalstaatliche Interessen über die globalen Handlungsnotwendigkeiten stellen und damit den kurzfristigen Erfolg im eigenen Land über die langfristige Zukunftssicherung der gesamten Menschheit. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass die Staatengemeinschaft nach harten Verhandlungen diesmal einen Fortschritt erreichen wird. 

Wie können Unternehmen und Politik gemeinsam den Klimaschutz vorantreiben? Um nicht nur Fragen und Forderungen zu stellen, sondern auch Lösungen zu präsentieren, habe ich im Jahr 2007 zusammen mit anderen Familienunternehmern, Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführern die „ Stiftung 2° - Deutsche Unternehmer für Klimaschutz“ initiiert. Unsere Arbeit in der Stiftung konzentriert sich auf Aktivitäten und die politische Auseinandersetzung in Deutschland. Wir sind aber heute schon sehr gut international über unsere Partnerorganisationen in England, Chile, USA, Türkei, Japan, und der Schweiz vernetzt. Es muss uns klar sein: wir werden den Kampf gegen den Klimawandel nicht alleine durch nationale Anstrengungen schaffen. In einem kürzlich stattgefundenen Gespräch hat die Bundeskanzlerin mir gegenüber bestätigt, für diesen notwendigen Erfolg hart zu verhandeln.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Wirtschaftswachstum und Klimaschutz zusammenpassen, dass unternehmerischer Klimaschutz eine echte wirtschaftliche Chance ist. Denn eine nachhaltige Wirtschaftstätigkeit kostet nicht nur, sie hilft auch, zu sparen. Bestes Beispiel sind die Energiekosten – hier ist Energievermeidung und eine hohe Energieeffizienz im wirtschaftlichen Interesse von Unternehmen. Dazu benötigt die Wirtschaft jedoch Planungs- und Investitionssicherheit und verlässliche politische Rahmenbedingungen.  

Die Otto Group verfolgt seit Jahren eine ambitionierte Klimastrategie, deren Ziel es ist, die CO2-Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 2006 zu halbieren, und bis zum Jahr 2040 sogar um 70 Prozent zu reduzieren. Dies soll insbesondere durch eine Steigerung der Energieeffizienz sowie den Einsatz erneuerbarer Energien wie Photovoltaik und Erdwärme, die weitere Reduzierung der Luftfrachttransporte in der Beschaffung als auch durch eine klimafreundlichere Distribution, z. B. durch verbrauchsärmere Fahrzeuge, erreicht werden. Gemessen an der Weltwirtschaft ist dies ein kleiner, aber sehr wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel. Unsere bisherigen Erfolge auf diesem Weg, nämlich die bisher realisierte Einsparung von insgesamt 24 Prozent der zugrundegelegten CO2-Emissionen, machen mich zuversichtlich!

Eine weitere Initiative für einen verbesserten Schutz des Weltklimas ist die Initiative CPI2 – Carbon Performance Improvement Initiative. Hier geht es um die Dekarbonisierung unserer textilen Wertschöpfungsketten, wo ein Vielfaches der Emissionen entsteht wie innerhalb unserer eigenen Werkstore. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedsunternehmen unterstützen und ermutigen wir unsere Lieferanten dabei, ihre Energieeffizienz zu verbessern. Die dadurch erreichte Reduktion des Energieeinsatzes hilft dem Klima, und sie hilft über verringerte Energiekosten darüber hinaus auch dem Lieferanten. Einmal mehr zeigt sich, dass Klimaschutz und Wirtschaft sich ergänzen.

Erfolgreicher Klimaschutz braucht auch solche Initiativen. Vor allem aber braucht er ein internationales verbindliches Klimaschutzabkommen, das den übergreifenden Rahmen für eine Begrenzung der Erderwärmung auf die vereinbarten maximal 2 Grad festschreibt. Ein wichtiger Bestandteil sind ambitionierte nationale Selbstverpflichtungen, wie sie viele Staaten im Rahmen des INDC-Prozesses (Intended Nationally Determined Contributions) definiert haben. Eine derart konkrete und belastbare Vereinbarung vergrößert die Chance deutlich, die Welt auf den 2-Grad-Zielpfad zu bringen. Gelingt es, im Pariser Vertrag neben diesen ambitionierten Zielsetzungen auch zusätzliche Elemente für eine positive Dynamik der Zielanpassung und eine deutlich größere Transparenz der Anstrengungen und Erfolge zu verankern, dann wird diese Konferenz als Schlüsselmoment in die Geschichte des globalen Klimaschutzes eingehen. Paris wäre damit nicht der Zieleinlauf, aber eine wichtige Etappe im Kampf gegen die globale Erwärmung.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------

Infografik Vektor durch Freepik entwickelt



1

Kommentar

  • Conny Rosello

    "Danke ! für Ihren Einsatz !"

    07. Dezember 2015 11:35

Kommentar schreiben

Hinweis
Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Verwandte Artikel

  •  
    15.
    Dezember
    2015
    Schlüsselmoment in der Geschichte des globalen Klimaschutzes

    Schlüsselmoment in der Geschichte des globalen Klimaschutzes

    Icon Dr. Michael Otto
    (Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group)

    Die Klimakonferenz in Paris ist beendet. Über die Bedeutung des historischen Ergebnisses und wie es jetzt weitergehen muss, spricht Dr. Michael Otto.

  •  
    05.
    November
    2015
    Wirtschaft unterstützt Merkel beim Kampf für den Klimaschutz

    Wirtschaft unterstützt Merkel beim Kampf für den Klimaschutz

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Gegen den Klimawandel - Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung 2°, über die Kanzlerin, den Weltklimagipfel und die Herausforderungen.

  •  
    07.
    Oktober
    2015
    Vorurteil widerlegt

    Vorurteil widerlegt

    Icon Hanjo Schneider
    (Vorstand Otto Group Services & Aufsichtsratsvorsitzender Hermes Europe)

    Die Bestellung im Internet verursacht mehr CO2 und ist schlechter für die Umwelt, als der Einkauf im Laden. Dieser Mythos hat dank wissenschaftlich verifizierter Fakten endlich ausgedient!

Beliebte Artikel

  •  
    30.
    Januar
    2017
    17

    Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Die Blogparade "Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?" startet... Jetzt mitmachen!

  •  
    09.
    Mai
    2016

    Startups und die Altersfrage

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Welche Rolle spielt eigentlich das Alter beim Gründen? Wir haben bei Startup-Unternehmern aus unterschiedlichen Branchen nachgefragt.

  •  
    17.
    August
    2016

    Erfolg im Multichannel mit flexibler stationärer Präsenz

    Icon Dr. Marlon Braumann
    (Gründer und Geschäftsführer store2be GmbH)

    Welchen Hindernissen Online-Händler auf dem Weg in den stationären Handel gegenüberstehen – und welche Lösungen es gibt.

Neueste Kommentare

Berit Lise Sandoe Metzner zu Möbel online: Mehr als nur ein Trend

"Sie haben das Geld für meine Bestellung bereits abgebucht, aber ich habe bis jetzt keine Bestätigung..."
15.08.2017

Marko Toivonen zu Gimmick oder Must-Have? Videochat mit dem Kundenservice

"Great comment on the online chat services and future of video in it. I believe that video will play..."
10.08.2017

bert zu G20 ist, wenn man trotzdem shoppt

"Wie viele Leute wurden von welchem Institut befragt?"
07.07.2017

Neueste Tweets

  • RT @CmiA_AbTF: CmiA's impact 2016:50 mil. #CmiA textiles, 47% increase in revenues to support ...

  • Positive Bilanz: @CmiA_AbTF erzielt Einnahmenrekord: https://t.co/YkHJhj1CM6 via @UmweltDialog ...

  • Hermes eröffnet größtes #Logistik Center der Firmengeschichte in Großbritannien: ...