23.
September
2015
Noch ein Siegel – muss das sein?

Noch ein Siegel – muss das sein?

  Anja Dillenburg
(Bereichsleiterin Corporate Responsibility, OTTO)

Seit einigen Wochen prangt an verschiedenen Produkten auf otto.de ein neues Nachhaltigkeitslabel: GOODproduct. Das fragt sich so mancher unwillkürlich: Was soll das denn nun wieder? Gibt es nicht schon genug Siegel? Wie unterscheidet sich das „GOODproduct“-Label denn von anderen Siegeln wie Cotton made in Africa, FSC oder Der blaue Engel?

Anja Dillenburg, Bereichsleiterin Corporate Responsibility OTTOZunächst einmal, GOODproduct ist kein neues Nachhaltigkeitslabel! Wir ersetzen damit keine bekannten und bewährten Labels wie FSC, den Blauen Engel oder Cotton made in Africa. Die Idee ist es, einen Zugang zu all diesen Nachhaltigkeitslabeln zu schaffen, von denen es im breiten OTTO-Sortiment mittlerweile mehr als 20 gibt. Oder kurz: Es ist die eine Botschaft, die wir überall dort platzieren, wo es um Nachhaltigkeit geht. Ihr Kern besteht aus vier Buchstaben: GOOD – übersetzt „Gut für Mensch und Natur“. Das ist die Idee von Nachhaltigkeit und das Logo GOODproduct dient ab sofort als Vernetzungs- und Promotion-Element für sämtliche nachhaltige Sortimente bei OTTO. Aktuell sind das immerhin mehr als 30.000 Artikel.

Jetzt kann man sich fragen, warum GOOD, warum nicht Bio oder Öko? Warum ein blauer und kein grüner Farbton? Warum auf gelernte Signale verzichten? Weil diese Signale bei vielen Kunden die falschen Assoziationen auslösen! Denn aus Studien wissen wir, dass Bio und Öko unserer Zielgruppe eher Verzicht vermitteln. Sie werden als wenig modern und wenig emotional wahrgenommen. Das ist vielleicht zunächst überraschend, denn im Food-Bereich funktionieren Bio und Öko schließlich auch?! Ja und Nein. Food und beispielsweise Fashion sind tatsächlich zwei gänzlich unterschiedliche Dinge, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht.

Die Kundin, die gerade noch im Supermarkt mit gutem Gefühl zur Bio-Tomate greift, interessiert das Thema Nachhaltigkeit beim anschließenden Fashionkauf oftmals nicht mehr. Das liegt an der veränderten Motivlage: Im Supermarkt geht es um die eigene Gesundheit, beim Fashionkauf fühlt man sich von Nachhaltigkeit eher ermahnt und in der Shoppinglust gestört.

Also machen wir mit GOODproduct nun Folgendes: Wir stören nicht beim Shoppingerlebnis und unterstützen aber gleichzeitig die Kunden bei ihrer Kaufentscheidung mit der richtigen Botschaft an der richtigen Stelle. Und zwar mit einer positiven und emotionalen Botschaft!

Beispiel für den Einsatz des Goodproduct-Labels

Das alles klingt vielleicht ungewohnt, insbesondere aus dem Mund einer CR-Managerin, ist aber realistisch und ändert nichts an meiner Überzeugung, dass Nachhaltigkeit einen Mehrwert für den Konsumenten darstellt.

Aber man muss auch klar vor überzogenen Erwartungen an den Nachfrageeffekt nachhaltiger Produkte warnen: Nur weil ein Produkt nachhaltig ist, verkauft es sich zwangsläufig nicht besser. Dafür muss es mehr leisten, z. B. die richtige Qualität und das richtige Design haben oder preislich attraktiv sein.  

Und noch eine Erkenntnis: Nachhaltigkeit funktioniert nicht alleine durch Nachfrage des Kunden, sondern durch eine starke Überzeugung im Unternehmen, Verantwortung zu übernehmen. Wenn wir es dann schaffen, dem Kunden diese Verantwortung mit einem guten Gefühl zu „verkaufen“ und ihm gleichzeitig auf eine positive Art und Weise ein Stück Bewusstsein für Nachhaltigkeit mitzugeben, dann können wir zufrieden sein.



2

Kommentare

  • Anja Dillenburg

    "Hallo Corinna,
    einen Überblick dazu finden Sie hier: https://www.otto.de/shoppages/begood/siegelglossar

    "

    19. August 2016 10:36
  • Corinna

    "Hallo Frau Dillenburg,
    welche Siegel stecken denn hinter dem GOODproduct Label?

    "

    28. Juli 2016 11:42

Kommentar schreiben

Hinweis
Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Verwandte Artikel

  •  
    21.
    März
    2017
    Cashier Free Stores: Ein Konzept auch für Fashion?

    Cashier Free Stores: Ein Konzept auch für Fashion?

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Spätestens seit der Ankündigung von Amazons Store-Konzept für Lebensmittel – „Amazon Go“ – ist die Diskussion um den Cashier Free Shop neu aufgeflammt. Was bedeutet das für den Mode-Einzelhandel?

  •  
    11.
    Januar
    2017
    „Das Shopping-Center wird zu einem Omnichannel-Hub“

    „Das Shopping-Center wird zu einem Omnichannel-Hub“

    Nachgefragt bei
    Icon Sebastian Baumann
    (Leiter ECE Future Labs)

    Wie bereiten sich Shopping-Center auf den Handel der Zukunft vor? Ein Gespräch mit Sebastian Baumann, der mit seinem Team innovative Projekte bei Europas Marktführer ECE vorantreibt.

  •  
    25.
    November
    2016
    „Plus Size ist Realität in deutschen Kleiderschränken“

    „Plus Size ist Realität in deutschen Kleiderschränken“

    Nachgefragt bei
    Icon Sabine Tietz
    (Vorsitzende der Geschäftsführung Schwab Versand)

    Mode für kurvige Frauen: Früher auf der hintersten Seite im Katalog versteckt – heute Trendthema. Was steckt hinter dieser Entwicklung? Wir sprachen mit Sabine Tietz vom Schwab Versand.

Beliebte Artikel

  •  
    09.
    Mai
    2016

    Startups und die Altersfrage

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Welche Rolle spielt eigentlich das Alter beim Gründen? Wir haben bei Startup-Unternehmern aus unterschiedlichen Branchen nachgefragt.

  •  
    30.
    Januar
    2017
    8

    Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Die Blogparade "Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?" startet... Jetzt mitmachen!

  •  
    06.
    Oktober
    2016

    Paketroboter in Hamburg: Mit 6D9 durch Ottensen

    Icon Ingo Bertram
    (Corporate Communications, Hermes Europe)

    Paketzustellung per Roboter – in Hamburg ist das jetzt Realität, zumindest testweise. Im Stadtteil Ottensen hat Hermes mit Starship einen umfangreichen Pilottest begonnen. Weitere Stadtteile folgen.

Neueste Kommentare

Matthias Großkopf zu Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?

"Ich habe dazu auf meinem Blog ebenfalls einen Beitrag verfasst. Dort befasse ich mich mit Wearables und..."
16.03.2017

Simon zu Wichtiger denn je: Online-Sicherheit im IoT-Zeitalter

"Hi Steven, ja es geht noch, danke - hoffe bei dir auch. Artikel ist aus dem Kontext gerissen – der Test..."
09.03.2017

paul gerd zu Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?

"was sollte alles nicht digitalisiert werden, das müssen wir fragen!! Die Gedankenspiele und Versuche zum..."
08.03.2017

Neueste Tweets

  • #DigitaleTransformation u. Kundenvertrauen – wie passt das zusammen? D. Ziegelmayer von ...

  • RT @danny_von_holdt: 3rd Mobile Campfire of @OttoGroup_Com - Talking about Mobile, Mobile, ...

  • 2,722 Mrd. Euro Umsatz in 2016: @otto_de wächst zum siebten Mal in Folge mit erneut positivem ...