21.
Januar
2016
Macht Transparenz allein die Welt besser?

Macht Transparenz allein die Welt besser?

  Andreas Streubig
(Bereichsleiter Nachhaltigkeitsmanagement, Otto Group)

Im Vorfeld der am Montag gestarteten Berliner „Fashion Week“ gab es aus politischen Kreisen Forderungen nach einer europäischen Richtlinie für Transparenz in der textilen Lieferkette. Diese solle Unternehmen verpflichten, ihre gesamte Lieferkette und damit die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards offen zu legen. 

Andreas StreubigWas sich so wunderbar nachvollziehbar, ja geradezu simpel liest, muss trotzdem einmal durchdacht werden. Denn: durch die Globalisierung hat sich unsere Welt verändert, die textile Wertschöpfungskette ist um ein Vielfaches komplexer und vielschichtiger als früher. Globale Wertschöpfung wiederum – und das gilt anders als suggeriert nicht nur für die Textilindustrie, sondern für jeden Industriesektor – geht mit einer Vielzahl von „schädlichen Nebenwirkungen“, wie Ressourcenverbrauch, Schadstoffemissionen etc., einher. Diese sind umso weniger sichtbar, je größer die Anzahl an involvierten Ländern, Wertschöpfungsstufen etc. Hier besteht natürlich Handlungsbedarf. 

Komplexität lässt sich nicht mit Verordnung bekämpfen

Dass es hierfür jedoch eine EU-Verordnung in Bezug auf die Transparenz textiler Lieferketten braucht, bezweifle ich. Anders als häufig zu lesen halte ich Transparenz in einer Zeit ständig zunehmender Informationsdichte für keinen Wert an sich: Die Welt wird kein besserer Platz allein durch die präzise Kenntnis der Details. Transparenz muss handlungsleitend sein, sie muss dazu führen, dass wir morgen bessere Entscheidungen für Umwelt und Gesellschaft treffen, als gestern. Mehr als eine Transparenzrichtlinie der EU brauchen wir internationale Plattformen für die gemeinsame Arbeit an der kontinuierlichen Verbesserung der ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen, unter denen globale Wertschöpfung sich in Zukunft vollzieht. Denn ich bin überzeugt, dass nur durch eine Zusammenarbeit von Industrie und Handel, Zivilgesellschaft und Politik substanzielle Verbesserungen für Mensch und Natur erreicht werden können.

Mehr politische Bühne für Multi-Stakeholder Initiativen

Ganz konkret gibt es hier bereits eine Vielzahl von Initiativen, die ihren Beitrag leisten wollen und an denen sich die Otto Group beteiligt. Das aktuellste Beispiel ist das deutsche Bündnis für nachhaltige Textilien, dessen Ziel eine europäische oder sogar internationale Ausrichtung sein muss. Ich wünsche mir, dass die politischen Kräfte diesen Initiativen mehr Raum und Geltung auf der internationalen politischen Bühne einräumen. Der G7-Gipfel im Juni 2015 war ein ermutigender Anfang – das Thema „Verantwortung in der Lieferkette“ war dort Bestandteil der Gespräche und Diskussionen. 

Das konkrete Wissen um die Herkunft der Produkte ist ganz zweifellos eine notwendige Voraussetzung, um Einfluss auf die Produktionsbedingungen nehmen zu können. Wichtiger ist jedoch, dass konkrete Maßnahmen folgen. Eine europäische Richtlinie für Transparenz in der textilen Lieferkette ist für mich deshalb zu kurz gesprungen.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------

Infografik Vektor durch Freepik entwickelt



5

Kommentare

  • Andreas Streubig

    "Liebe/r Conny Rosello,

    "Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch keine Angst vor Transparenz zu haben." - Stimmt, deshalb habe ich auch keine Angst. Trotzdem bleibe ich dabei, dass Transparenz alleine nicht reicht; es müssen auch die entsprechenden Aktionen und Maßnahmen folgen. Hier sehe ich für die Politik einen großen und wirksamen Gestaltungsspielraum."

    22. Januar 2016 15:05
  • Conny Rosello

    "Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch keine Angst vor Transparenz zu haben. "

    22. Januar 2016 12:06
  • Andreas Streubig

    "Liebe Verbraucherin, Lieber Managementberater,

    Sie haben absolut Recht. Natürlich brauchen Sie und ich als Kunde verlässliche Informationen zu den Produkten, um bewusste Entscheidungen für einen nachhaltigeren Konsum treffen zu können. Ich spreche mich deshalb auch keinesfalls gegen Transparenz aus, sondern stelle eine entsprechende Verordnung in Frage, die sich lediglich auf die Offenlegung von Informationen bezieht. Das Ziel muss die Verbesserung der Herstellungsbedingungen sein. Transparenz ist dafür sicher notwendig, reicht allein aber nicht aus. Deshalb halte ich eine andere Fokussierung politischer Forderungen und Aktivitäten in diesem Thema für sinnvoll."

    22. Januar 2016 11:00
Mehr anzeigen

Kommentar schreiben

Hinweis
Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Verwandte Artikel

  •  
    11.
    Dezember
    2017
    Weihnachten in Zahlen (IV): Umtausch (beinahe) kein Thema

    Weihnachten in Zahlen (IV): Umtausch (beinahe) kein Thema

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    In unserer Reihe „Weihnachten in Zahlen“ widmen wir uns bis Heiligabend wöchentlich spannenden Fakten rund ums Fest. Thema heute: Umtausch von Geschenken.

  •  
    04.
    Dezember
    2017
    Weihnachten in Zahlen (III): Was darf es kosten?

    Weihnachten in Zahlen (III): Was darf es kosten?

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    In unserer Reihe „Weihnachten in Zahlen“ widmen wir uns bis Heiligabend wöchentlich spannenden Fakten rund ums Fest. Thema heute: Die preisliche Schmerzgrenze für EIN Weihnachtsgeschenk.

  •  
    30.
    November
    2017
    Weihnachten in Zahlen (II): Gutscheine oft für die Tonne

    Weihnachten in Zahlen (II): Gutscheine oft für die Tonne

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    In unserer Reihe „Weihnachten in Zahlen“ widmen wir uns bis Heiligabend wöchentlich spannenden Fakten rund ums Fest. Thema heute: Gutscheine.

Beliebte Artikel

  •  
    30.
    Januar
    2017
    14

    Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Die Blogparade "Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?" startet... Jetzt mitmachen!

  •  
    14.
    November
    2017

    Näher geht nicht: Wie man mit Story-Marketing Impulse setzt

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Instagram Stories lassen derzeit bei Millionen von Nutzern das Herz höher schlagen – auch bei Marketern. Was macht sie aus Anbieter-Sicht so interessant? Eine Analyse.

  •  
    27.
    Oktober
    2014

    Crosschannel-Shopping: Bei Frauen hoch im Kurs

    Icon Anja Schlumberger
    (Pressesprecherin Otto Group )

    „Connected Retail“ ist bei der weiblichen Zielgruppe längst kein Buzzword mehr, sondern wird von ihr aktiv gelebt. Teil 2 unserer Auswertung zur Online-Umfrage über das Shopping-Verhalten von Frauen.

Neueste Kommentare

Isabelle (Redaktion) zu Podcast #1: Warum Trusted Shops auf KI setzt

"Hallo David, danke für dein Feedback! Wir werden den Podcast sukzessive auf weiteren Plattformen zur..."
06.10.2017

David zu Podcast #1: Warum Trusted Shops auf KI setzt

"Spannend! Stellt ihr den Podcast auch bei iTunes rein, so dass ich ihn dort abonnieren kann?"
04.10.2017

Amalia B zu Was macht eigentlich… der 3D-Druck im E-Commerce?

"Vielen Dank für den Artikel. Ich finde die Entwicklung des 3D Druckers extrem spannend. Auch Branchen..."
04.09.2017

Neueste Tweets

  • RT @conventkongress: #DigitaleTransformation und agile Führung bei der @OttoGroup_Com – Best ...

  • RT @Hermes_Presse: Rund 10.000 Quadratmeter groß und bis zu 250.000 Sendungen pro Tag: Heute ...

  • RT @Meyer2Manfred: am Freitag treffen sich erneut die #agileGroupie der @OttoGroup_Com im ...