08.
März
2018
„Jeder Unternehmer trägt Verantwortung“

„Jeder Unternehmer trägt Verantwortung“

  Redaktion ottogroupunterwegs
(Admin)

Dass Nachhaltigkeit eine gute Geschäftsidee sein kann, beweisen soziale Unternehmen, auch Social Startups genannt. Etwa der Hof-Lieferant „Frischepost“, der Hamburger Verbraucher seit rund drei Jahren mit vorwiegend regionalen Lebensmitteln versorgt. Wie man so Gutes tun und gleichzeitig wachsen kann, erzählten uns Juliane Eichblatt und Eva Neugebauer – die Gründerinnen von „Frischepost“.

Wie lassen sich Werte und Wirtschaftlichkeit für Euch als Gründerinnen verbinden?

Eva Neugebauer: „Wir sind der Überzeugung, dass man durchaus wirtschaftlich erfolgreich sein kann und es gleichzeitig schafft, ein gesellschaftspolitisches Problem anzugehen. Jeder Mensch und jeder Unternehmer trägt Verantwortung und sollte sich der Frage stellen: Wie mache ich die Welt ein Stück weit besser mit meiner Idee? Aber ich denke auch, dass man am effektivsten ein soziales Problem löst, wenn man auch wirtschaftlich erfolgreich ist. Wer nicht auf finanzielle Mittel von außen angewiesen ist, der trägst sich selber, kann groß werden, wachsen, Menschen begeistern, sein Ding machen. Daher ist es ein Muss für mich, dass man beides in der Balance hält: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Ein Beispiel dafür ist das Thema ‚Überregionale Produkte‘. Eigentlich ist es nicht nachhaltig, im Winter in Deutschland Orangen zu essen, aber wenn wir wollen, dass Leute bei 'Frischepost' einkaufen und eine ernstzunehmende Alternative zum Lebensmittel-Einzelhandel werden wollen, dann müssen wir uns auch nach Kundenbedürfnissen richten.“


Wieso war es für Euch wichtig, ein Social-Startup zu gründen?

Neugebauer: „Ich habe das Unternehmertum in den Genen. Mein Vater ist auch Gründer, er hat mir schon ganz früh vom Klimawandel erzählt, bevor die Presse dieses Thema aufgegriffen hat. Bereits während meines BWL-Studiums habe ich mich mit Gründen befasst und mit meiner jetzigen Business-Partnerin eine Sozialunternehmer-Konferenz an der Uni gegründet.

Juliane Eichblatt: „Die konkrete Idee zu 'Frischepost' kam von mir – ich bin in einem landwirtschaftlichen Betrieb groß geworden. Kleine Bauernhöfe haben wirkliche Existenzprobleme und können nicht mehr mit den großen Playern konkurrieren. Gleichzeitig haben wir als Kunden oft nicht die Möglichkeit, diese regionalen Produkte zu kaufen, weil wir dafür raus aufs Land müssten. Diese beiden Problematiken wollten wir zusammenbringen.“


„Unternehmen lernen eher in Rollen, anstatt in Hierarchien zu denken“


Was können etablierte Unternehmen jetzt von sozialen Startups lernen?

Neugebauer: „Die Arbeitsweise, also schnelles, agiles Arbeiten und kurze Entscheidungswege. Unternehmen arbeiten gerade daran, sich dezentraler aufzustellen, viel mehr Empowerment zu betreiben, Menschen zu befähigen. Klar darf man am Ende nicht ineffizient werden und nicht jeder kann jede Entscheidung treffen. Aber Unternehmen lernen gerade eher in Rollen, anstatt in Hierarchien zu denken. Diese Power, die in so einem Startup entsteht, kommt oft daher, dass man sich sagt: ‚Hey, ich mache jetzt mein eigenes Ding, ich kann etwas bewegen! Wenn ich nicht da wäre, dann würde etwas fehlen‘. Doch natürlich gibt es auch bei Unternehmen zunehmend die Möglichkeit, eigenständiger zu arbeiten. Das haben wir auch bei der Zusammenarbeit mit Firmen bereits erlebt.“


Was könnten Startups von Unternehmen lernen?

Eichblatt: „Den Vorteil, den Unternehmen im Vergleich zu Startups natürlich haben, ist die jahrelange Expertise und Erfahrung. Etablierte Firmen haben natürlich sehr viel Wissen angesammelt und – ganz wichtig – sehr viele Daten und Informationen über ihre Kunden, die uns natürlich fehlen.“


„Nine-to-Five ist eine gute Sache“


Bei der Otto Group haben wir bereits einen Kulturwandel angestoßen, der bei Startups selbstverständlich ist. Uns ist dabei wichtig, dass agiles Arbeiten nicht gleich fehlende Work-Life-Balance bedeutet…

Neugebauer: „Natürlich gibt es Startups, in denen die Mitarbeiter viele Überstunden machen müssen. Genauso gibt es aber vielleicht auch Unternehmen, die Mitarbeitern viel abverlangen. Das kann man nicht pauschalisieren. Uns ist total wichtig, dass unsere Mitarbeiter nicht zu viel leisten müssen. Wenn viel los ist, dann kann es natürlich passieren, dass sie vielleicht etwas länger bleiben. Dann ist es aber auch selbstverständlich, dass wir später anfangen, gemeinsam frühstücken. Die meisten Konzerne sind sehr bedacht darauf, ihren Leuten eine gute Work-Life-Balance zu ermöglichen. Nine-to-Five ist eine gute Sache.“





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