26.
September
2017
Startup CiDO: Next Generation Paketzustellung?

Startup CiDO: Next Generation Paketzustellung?

  Nachgefragt beim CiDO Gründerteam
(Founder)

Jeder, der gerne online shoppt, macht früher oder später Bekanntschaft mit der Benachrichtigungskarte des Paketboten – der eine mehr, der andere weniger. Klar, wer ist schon immer zuhause, wenn die bestellte Ware zugestellt werden soll? In diesem Moment wird das einst bequeme Einkaufserlebnis zum Stressfaktor, denn oft muss der Kunde selbst die Reise zu seinem Paket antreten, nicht umgekehrt. Selbst genervt von dieser Erfahrung, entwickelten die beiden Wirtschaftsinformatiker Felix Ueckermann und Julian Wulf aus Hamburg einen elektronischen Türöffner für Paketzusteller: CiDO (kurz für: „Come in and Drop Off“). Wir sprachen mit den Erfindern des kleinen Alltagshelfers mit großem Potenzial

Was ist CiDO und wie funktioniert es?

Felix Ueckermann: „Ganz einfach: Mit CiDO wird die Klingelanlage bei Mehrfamilienhäusern kurzerhand zum Paketscanner. Trifft der Paketbote den Empfänger bei der Zustellung nicht an, verschafft er sich durch das Einlesen des Paketlabels Zugang zum Treppenhaus. Anschließend kann er die Ware beispielsweise in einer Pakettasche oder einem zuvor ausgemachten Abstellort hinterlegen. CiDO gleicht mittels verschlüsselter Verbindung die Daten auf dem Label mithilfe der auf den auf dem Webserver des Zustelldienstes hinterlegten Empfängerinformationen mit denen der eigenen Nutzer ab. Stimmt beides überein, öffnet sich die Tür und das Paket kann in Abwesenheit zugestellt werden.“


Das klingt fast schon zu schön, um wahr zu sein. Wo ist der Haken?

Julian Wulf: „Einen Haken gibt es in dem Sinne nicht, eher ein paar naturgegebene Einschränkungen. Bislang funktioniert CiDO nur mit den großen Paketdiensten. Zudem eignet sich die Lösung erstmal nur für Mehrfamilienhäuser, die wiederum einen elektronischen Türöffner haben müssen.“

Wie viel Entwicklungszeit steckt in CiDO?

Ueckermann: „Mit der Konzeption haben wir vor etwa zwei Jahren begonnen, darauf basierend einen sehr rudimentären Prototypen gebastelt, der mit dem heutigen Erscheinungsbild ehrlich gesagt noch sehr wenig gemein hatte. Das Teil erinnerte stark an einen Fledermausnistkasten. Derzeit bereiten wir die Serienfertigung für den baldigen Markteintritt vor.“


Wie lief die Zusammenarbeit mit den Paketdiensten? Haben die Euch unterstützt?

Wulf: „Hier beginnt der lustige Teil der Geschichte: Als wir die Chance bekommen haben, CiDO bei den Marktführern vorzustellen, darunter Hermes, DHL und DPD, waren die Reaktion grundsätzlich positiv. Die Technologie von CiDO basiert auf dem Track-and-Trace-Prinzip, nutzt also Daten, die auch der Online-Sendungsverfolgung zugrunde liegen.“


Welcher Mehrwert ergibt sich mit eurem Produkt für Paketdienstleister?

Ueckermann: „Jeden Tag können viele tausend Pakete nicht im ersten Anlauf zugestellt werden. Das verursacht massive Kosten, die zu Lasten der Paketdienste gehen. Diese können mithilfe von CiDO spürbar gesenkt werden. Zudem entlastet die flexible Paketzustellung auch die Innenstädte, da die Fahrer Touren einsparen. Auch Nachtlieferungen sind unter diesen Voraussetzungen grundsätzlich möglich. Unser Anspruch war stets: ‚Wie können wir Logistikern das Leben möglichst einfach machen?‘, zugleich möchten wir aber auch unabhängig bleiben. Deshalb werden wird vorerst auch keine exklusiven Kooperationen mit den großen Playern eingehen.“

Umfrage Kontaktlose Paketzustellung

Warum wollt Ihr nicht mit den größeren Playern zusammenarbeiten?

Ueckermann: „Im Grunde tun wir das bereits – die Systeme sind ja kompatibel. Aber am Ende des Tages steckt ja noch viel mehr Potenzial in CiDO, die Paketzustellung ist momentan nur ein Anwendungsszenario. Auch andere Personengruppen können von der Technologie profitieren: alle, die temporären Zugang zu Gebäuden benötigen. Deshalb sprechen wir auch mit Unternehmen der Wohnungswirtschaft, nicht nur mit Paketdienstleistern.“


Wie geht es nun konkret weiter für CiDO?

Wulf: „Aktuell werden wir durch das Existenzgründerprogramm EXIST des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Dadurch konnten wir CiDO in einer Kleinserie herausbringen beziehungsweise im Rahmen eines Pilotprojekts ausgiebig testen. In naher Zukunft bemühen wir uns um eine Anschlussfinanzierung, unter anderem zum Aufbau eines größeren Teams. Aktuell sind wir noch zu zweit, arbeiten vor allem mit Freelancern zusammen.“


CiDO-GründerteamDas Team hinter CiDO: Felix Ueckermann und Julian Wulf sind die Köpfe hinter CiDO. Beide lernten sich an der Universität Hamburg kennen und werden derzeit über das Existenzgründerprogramm EXIST des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert. Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt Studierende, Absolventinnen und Absolventen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die ihre Gründungsidee realisieren und in einen Businessplan umsetzen möchten.



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