12.
Juni
2015
Synergien nutzen - Beitritt zum Textilbündnis

Synergien nutzen - Beitritt zum Textilbündnis

  Nachgefragt bei Andreas Streubig
(Bereichsleiter Corporate Responsibility, Otto Group)

Die Otto Group hat beschlossen, dem „Bündnis für nachhaltige Textilien“, dessen Ziel die Verbesserung sozialer und ökologischer Standards entlang der globalen textilen Lieferkette ist, beizutreten. Andreas Streubig hat die Entwicklung dieser Multi-Stakeholder-Initiative als Repräsentant der Otto Group von Beginn an begleitet und aktiv mitgestaltet. Im Folgenden erläutert er uns unter anderem die Gründe und den Zeitpunkt für den Bündnisbeitritt, sowie die damit verbundenen Herausforderungen.


Herr Streubig, die Otto Group setzt sich bereits seit vielen Jahren erfolgreich für eine Verbesserung der Umwelt- und Sozialbedingungen in den Produktionsländern ein. Welchen zusätzlichen Nutzen versprechen Sie sich von einem Bündnisbeitritt?

Andreas Streubig, Bereichsleiter Corporate ResponsibilityBei uns bestand von Anfang an ein hohes Interesse am Textilbündnis. Dieses Bündeln der Kräfte schafft zahlreiche Synergien, zum Beispiel beim Austausch nötiger Expertise und Erfahrungen, beim Einbringen von Mitteln und Ressourcen für die Bearbeitung bestimmter Themenfelder oder etwa bei der Nutzung bestehender Netzwerke und Kontakte, um einzelnen Fragestellungen das nötige Gehör zu verschaffen. Das gemeinsame Bündnis von Industrie und Handel, Zivilgesellschaft und Politik erhöht also die Chance, substanzielle Verbesserungen in der textilen Lieferkette zu erreichen.  

Das „Bündnis für nachhaltige Textilien“ wurde bereits im Oktober 2014 gegründet. Weshalb hat sich die Otto Group jetzt zu einem Beitritt entschlossen?

Ich möchte zunächst klarstellen, dass die Chancen des Bündnisses von uns zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt wurden. Im Gegenteil, wir haben sehr bedauert, dass das Bündnis im ersten Schritt von uns und vielen anderen in der Branche nicht unterzeichnet werden konnte; einige Ziele und die entsprechenden Zeitpläne waren zu ambitioniert oder in der alleinigen Verantwortung der Wirtschaft nicht umsetzbar. Dennoch haben wir als Otto Group weiterhin sehr viel Energie und Zeit investiert, um zunächst in einem gemeinsamen Prozess mit Industrie und Handel einen neuen Aktionsplan zu entwickeln und anschließend mit Vertretern des Textilbündnisses zu vereinbaren.    

Wie verbindlich werden die Zielsetzungen des Bündnisses für die Unternehmen sein, gibt es Sanktionsmaßnahmen bei Nicht-Erfüllung und wann sind erste konkrete Ergebnisse in der Lieferkette zu erwarten?

Es wird für jeden Bündnispartner (das sind die jeweiligen Unternehmen, aber auch die Politik und Zivilgesellschaft) darum gehen, gemeinsame konkrete Ziele zu verfolgen. Dies erfolgt nach dem Prinzip „Comply or Explain“, d. h. Abweichungen von Zielvorgaben müssen von den Bündnispartnern begründet werden. Eine Zielverfehlung ist jedoch nicht automatisch eine Pflichtverletzung. Die Zielverfolgung wird im Rahmen eines regelmäßigen Review-Prozesses durch einen externen Dritten überprüft und kommentiert. Das Ergebnis dieses Reviews wird Gegenstand eines Steuerungsprozesses innerhalb des Bündnisses sein, um ein echtes Vorankommen abzusichern und Trittbrettfahren weitgehend auszuschließen. Über die Fortschritte und die aufgetretenen Hindernisse wird das Textilbündnis entsprechend extern berichten.    

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen und ist es in Anbetracht der Komplexität überhaupt möglich, die gesamte textile Wertschöpfungskette eines Produkts – z.B. bei einem T-Shirt bis hin zum Baumwollproduzenten – zu kontrollieren?

Generell gilt, dass in den textilen Lieferketten heute sehr stark fragmentiert und arbeitsteilig agiert wird, und das rund um den Globus. Die Herstellung eines einzelnen Hemdes zum Beispiel erfordert neben dem Input der nötigen Rohmaterialien eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsschritte, vom Baumwollfeld bis zum fertigen Produkt. Das Textilbündnis hat den Anspruch, diese gesamte Lieferkette nachhaltiger zu gestalten. Das wiederum setzt Aktivitäten auf jeder einzelnen Wertschöpfungsstufe voraus; Aktivitäten, die entwickelt, umgesetzt und nachgehalten werden müssen. Und genau in dieser Vielfalt liegt die Herausforderung.    

Gibt es konkrete Bestrebungen, die Initiative auf europäische oder gar internationale Ebene auszuweiten?

Natürlich. Die deutsche Initiative kann nur ein Anfang sein. Wir leben in einer globalisierten Welt. Textile Wertschöpfungsketten umspannen heute den ganzen Erdball, und isolierte Initiativen kommen hier sehr schnell an ihre Grenzen. Folgerichtig muss es das Ziel sein, dieses Bündnis möglichst schnell auf eine internationale Ebene zu bringen.    

In den einzelnen Ländern bestehen Gesetze, die bei korrekter Umsetzung und Kontrolle faire und sichere Arbeitsbedingungen gewährleisten könnten. Wird da mit einem deutschen Textilbündnis nicht an der falschen Stellschraube gedreht?

Unbestritten ist, dass es in vielen Ländern dieser Welt entsprechende Gesetze und Regelungen gibt. An manchen Stellen gehen diese jedoch nicht weit genug, an anderen fehlt die konsequente Umsetzung. Daraus folgt meiner Meinung nach allerdings nicht automatisch, dass die Wirtschaft nun die Aufgaben von Politik und Tarifpartnern übernehmen sollte. Zusätzliche Initiativen, sei es auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene, können aber dazu beitragen, die Rahmenbedingungen der globalen Textilproduktion substantiell zu verbessern.


Das „Textilbündnis ist ein Meilenstein“ - warum? Lesen Sie den Blog-Beitrag von Dr. Johannes Merck, Direktor Corporate Responsibility Otto Group.



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