14.
Juli
2016
Digitalisierung im Gesundheitsbereich – es wird höchste Zeit

Digitalisierung im Gesundheitsbereich – es wird höchste Zeit

  Dr. Sophie Chung
(Gründerin & Geschäftsführerin Junomedical)

Gesund und fit sein – wer möchte das nicht? Kostenlose Apps und Wearables wie Freeletics, Fitbit oder Runtastic sind bereits seit einiger Zeit  auf Erfolgskurs und versprechen die Selbstoptimierung des Körpers und die einfache Integration von Fitness und Sport in den Alltag. Ein jährlicher Report  von mhealthcare, zur Zukunft des Gesundheitswesens prognostiziert, dass der globale Markt für Gesundheits- und Fitness Apps im Jahr 2017 eine Größe von 26 Billionen US-Dollar erreichen wird. Aber auch abseits der Fitness-Industrie wird es für die Gesundheitsbranche Zeit, digitale Wege einzuschlagen. Die Einführung einer digitalen Gesundheitskarte ist bereits ein Anfang, aber es muss sich noch einiges tun, damit das Gesundheitssystem im digitalen Alltag zwischen Online-Bank und Online-Essensbestellung mithalten kann. 

Sophie Chung

Es sind vor allem junge Unternehmen und Startups, die den Zusammenhang zwischen den neuesten technologischen Möglichkeiten in einer global vernetzten Welt und den Bedürfnissen von Patienten erkennen und daraus neue Lösungen im Bereich Digital Health schaffen: Präventions-Apps, die zum Beispiel an Vorsorgeuntersuchungen und anstehende Impfungen erinnern, die zahlreichen bereits erwähnten Fitness-Apps oder auch Diagnose-Apps zeigen innovative Wege im Umgang mit der Gesundheit im digitalen Zeitalter. Therapie-Apps wie Jourvie, My Therapy oder Talkspace erleichtern Patienten den Alltag und können einfach über Smartphone oder Tablet bedient werden. Anbieter wie lifetime.eu, Jameda oder das erfolgreiche US-Startup Zocdoc vereinfachen die Organisation rund um den Arztbesuch. Selbst älteren Menschen, die normalerweise nicht zur klassischen Zielgruppe von jungen Unternehmen gehören, werden mittlerweile durch innovative Ideen, wie den Medikamentendosierer namens Pillpack, der Wirkstoffdatenbank Diagnosia oder gar bei der Suche nach dem passenden Pflegern durch Careship, geholfen.

Junomedical mobile

Auch die Globalisierung ist ein Faktor, der im digitalen Gesundheitswesen eine große Rolle spielt. Durch eine zunehmende globale Vernetzung nutzen viele Patienten auch die Möglichkeit, Behandlungen im Ausland wahrzunehmen. Deshalb haben wir mit Junomedical eine Plattform zur weltweiten Vermittlung von Patienten gegründet. Dabei geht es nicht nur um kostengünstige Behandlungen, sondern auch um kürzere Wartezeiten. In Großbritannien wartet ein Patient beispielsweise bis zu neun Monate auf eine Hüftoperation, in Deutschland beträgt die Wartezeit häufig nur ein paar Wochen. Dazu sind Flüge zwischen Berlin und London relativ günstig bei einer Flugzeit von nur 90 Minuten. Gleichzeitig gibt es auch im Ausland viele renommierte Kliniken mit ausgezeichneten Ärzten und Top-Qualitätsstandards. Als Ärztin faszinieren mich diese neuen digitalen Wege, die Patienten geboten werden. Es braucht jedoch noch viel mehr Unterstützung und Bemühungen von Staat, Krankenkassen und der Privatwirtschaft, um das Thema “Digital Health” im deutschen Gesundheitssystem voranzutreiben. Denn letztendlich geht um die Gesundheit aller Menschen, speziell bereits Erkrankter, die keine Zeit haben, aufgrund von Regulierungen oder horrenden Preisen auf eine Behandlung zu warten oder zu verzichten. 


Junomedical ist ein Anbieter für Medizin- und Gesundheitstourismus, der es Patienten weltweit ermöglicht, qualitativ hochwertige Behandlungen im Ausland zu leistbaren Preisen zu finden. Das 2015 in Berlin gegründete Startup unterstützt Patienten rund um die Suche und Planung ihrer Behandlung. Junomedical arbeitet ausschließlich mit Kliniken und Krankenhäusern zusammen, die den höchsten Zertifizierungsstandards entsprechen und Erfahrungen im Umgang mit internationalen Patienten haben. Das noch junge Unternehmen hat kürzlich eine erste Seed-Finanzierung vom Berliner VC Project A Ventures erhalten, bei dem die Otto Group Hauptinvestor ist.



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