16.
November
2017
Was lernen junge PR- und Startup-Talente voneinander?

Was lernen junge PR- und Startup-Talente voneinander?

  Nico Kunkel
(Freier Journalist)

Gründer sind keine besonders beliebten Kunden in PR-Agenturen. Oft müssen die Dienstleister ihnen erst mühsam Verständnis und das Vertrauen für ihre Arbeit abringen, treffen aber auf der anderen Seite auf steile Erwartungen – und kleine Budgets. Gründer haben anfangs andere Prioritäten als PR – ihr Produkt zum Beispiel. Nachvollziehbar.

Nico KunkelAber wer die Öffentlichkeit für sich nutzen will und es also über kurz oder lang mit den Medien zu tun bekommt, der muss vorher deren Motivationen und Mechanismen verstehen. Dabei geht es nicht um Pressemitteilungen. Es geht um belastbare Kontakte und um relevante Botschaften, die erst entwickelt werden müssen. Wer nicht mit simplen Worten vermitteln kann, was er warum tut, sollte noch keine öffentliche Bühne betreten. Und merke: Nicht das eigene Ego entscheidet darüber, ob Journalisten eine Idee innovativ oder auch nur beachtenswert finden werden.

Schwachpunkt in der Startup-Kommunikation ist zudem häufig die interne Kommunikation: Wenn junge Unternehmen mehr wuchern als wachsen, bleibt der organisierte Dialog mit dem Team meist auf der Strecke. Als Ideenträger und Fürsprecher mit eigenen Kanälen gehen sie verloren. Zum Trost: Für viele etablierte Mittelständler ist das bis heute ebenso ein unterschätztes Thema.

Kommunikation ist Chefsache

Kommunikation braucht Zeit und verlangt nach Strategie. Gute Berater können an dieser Stelle wirksam unterstützen, allerdings brauchen sie dafür das Vertrauen des Unternehmers, der ihnen die Karten auf den Tisch legt. Ansonsten ist PR-Beratung eine Verschwendung von Zeit und Geld. Kommunikation ist damit von Anfang an Chefsache, zumal Gründer ihre Geschichte und Vision meist so authentisch und emotional transportieren wie kein Zweiter.

Das ist ein Pfund – bei Journalisten und bei ihrem eigenen Team. Und oft auch bei Geldgebern: Denn diese Leidenschaft junger Gründer suchen Unternehmen, die seit Jahren viel Geld und Hoffnung in die Startup-Branche pumpen, die in ihren Augen Innovation und Transformation verkörpert. Allerdings ist längst nicht ausgemacht, welche Ansätze aus der Startup-Szene Konzernen tatsächlich zu Innovation verhelfen – oder gar ganze Branchen auf den Kopf stellen können. In Unternehmen haben sich nicht ohne Sinn über die Jahre Strukturen gefunden, die sich gerne gegen den frischen Wind stellen.

Konzerne müssen Freiräume schaffen

Da ist der Knackpunkt des Kulturwandels, den Unternehmen auch kommunikativ angehen müssen – und wo sie von jungen Unternehmen lernen können: Wie schaffen Konzerne mehr Freiraum für unternehmerische Ideen im eigenen Haus und wie entstehen Anreize für so genannte Intrapreneure – also Unternehmer im Unternehmen – die auch gehört werden? Und wie wird aus der klassischen Karriereleiter allmählich eine Kletterwand, die Umwege oder Sprünge erlaubt – und vor allem auch Abstürze.

Mit unserer PR-Nachwuchs- und Netzwerkinitiative #30u30, die in diesem Jahr unter der Obhut der Otto Group läuft (www.30u30.de/camp2017), suchen wir den Austausch – auch über unsere Haus-und-Hof-Disziplin PR hinweg. In den vergangenen Wochen haben sich unsere Teilnehmer in einem Wettbewerb den Kommunikationsaufgaben junger Unternehmen gestellt. Die Gewinner erhalten die Auszeichnung zum Young Professional des Jahres, die beim Branchenpreis PR Report Awards vergeben wird.

Im diesjährigen Wettbewerb wollten wir vermitteln, was strategische Kommunikation in jungen Unternehmen bewirken kann. Es war und ist unser Ziel, zu verstehen, was ihnen Innovation bedeutet und woher sie Leidenschaft und inneren Antrieb schöpfen. Denn beides steht auch jungen PR-Talenten gut.


Nico Kunkel ist seit mehr als zehn Jahren professioneller Beobachter von Themen und Trends in Kommunikation, PR- und Medienindustrie. Er arbeitet als freier Journalist und Impulsgeber für Events und Netzwerke in der Branche. 2012 begründete Kunkel die PR-Nachwuchsinitiative #30u30 (www.30u30.de). Nico Kunkel lebt in Berlin. Er twittert als @prreporter.

Titelfoto: Patrick Lux



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