07.
März
2017
Wichtiger denn je: Online-Sicherheit im IoT-Zeitalter

Wichtiger denn je: Online-Sicherheit im IoT-Zeitalter

  Nachgefragt bei Simon Specka
(Co-Founder & Managing Director ZenGuard GmbH)

Es gibt kaum ein wichtigeres Thema, sowohl für Unternehmen als auch Privatnutzer: Online-Sicherheit. Project A Ventures hat daher in ZenGuard investiert, ein Startup, das mit ZenMate verschlüsseltes und sicheres Surfen im Web ermöglichen will. Co-Founder und Managing Director Simon Specka erzählt im Interview, welche Gefahren heute online besonders lauern und wie er das Thema Sicherheit im Zusammenhang mit dem Internet of Things einschätzt.

Sicherheit online: Ein wichtiges Thema, über das jeder User Bescheid wissen sollte. Wie aber sieht es in der Praxis aus, achtet der durchschnittliche Nutzer ausreichend auf seine Sicherheit?

Simon SpeckaSimon Specka: Nein, leider nicht – und das ist ein riesiges Problem und eine Gefahr sowohl für Privatpersonen als auch Unternehmen. Wir weisen oft auf gravierende Sicherheitsmängel in öffentlichen WLANs hin. ZenMate ist zum Beispiel als Test mit einfachsten Mitteln schon öfters der Hack öffentlicher WLANs in mehreren Orten gelungen. Es bedurfte dazu keiner besonderen technischen Kenntnisse. Unsere Experten konnten sich schon problemlos Zugang zu sensiblen und unverschlüsselten Daten von Gästen öffentlicher WLANs verschaffen. Dazu bedarf es lediglich eines Smartphones und einer speziellen Netzwerkanalyse-App. Für den Angriff nutzten wir eine „eklatante Sicherheitslücke“, die viele öffentliche WLANs aufweisen: Im Regelfall werden Daten, die zwischen dem Notebook und dem Router übers Netz ausgetauscht werden, unverschlüsselt übertragen.

Der Gebrauch von öffentlichen WLANs ist aber nur dann halbwegs (!) sicher, wenn die aufgerufene Website eine HTTPS-Verbindung anbietet. Wer ein WLAN im Hotel oder an anderen öffentlichen Orten nutzt, sollte daher immer für die Verschlüsselung aller übertragenen Daten sorgen. Dafür gibt es diverse Mittel, zum Beispiel unsere VPN Applikationen auf allen relevanten Plattformen.

Grundsätzlich ist Sicherheit im Netz ein komplexes Thema. Um wirklich sicher zu sein, muss der Nutzer idealerweise ein Portfolio an Produkten verwenden. Dazu gehört an erster Stelle das eben erwähnte VPN-Tool, aber auch eine Anti-Virus-Lösung sowie regelmäßige Sicherheitsupdates des Betriebssystems. Insgesamt ist auch ein vorsichtiger Umgang mit Emails aus unbekannten Quellen wichtig. Die meisten Sicherheitslücken entstehen weiterhin nicht durch technische Lücken, sondern durch Anwenderfehler, die durch sogenanntes „Social Engineering“ herbeigeführt werden.


Welche Gefahren für die Online-Sicherheit bestehen heute und zukünftig besonders?

Simon Specka: Die größten Gefahren aus heutiger Sicht sind sicherlich: Fehlende Sicherheit in öffentlichen WLANs, wie oben bereits beschrieben. Außerdem fehlende Privatsphäre im Netz, wodurch IP und weitere Nutzerinformationen mitgeloggt, aufgezeichnet und ohne das Einverständnis des Nutzers von Dritten verwendet werden. Auch „Malvertising“, also Online-Werbung über die Malware ausgespielt wird, ist eine immer schlimmere und ernstzunehmende Bedrohung. Und natürlich ist hier auch ein unfreies Internet zu nennen. Das Internet muss frei und für alle zugänglich sein, Informationen, Medien und Journalismus dürfen nicht blockiert werden. ZenMate setzt auch hier an.

ZenMate Produkte

Das Internet of Things (IoT) ist zwar noch nicht flächendeckend verbreitet, wird aber schon sehr bald allgegenwärtig sein. Neben allen Vorteilen sehen Kritiker auch neue Gefahren bei der Sicherheit. Wie seht ihr das und welche Lösungen bieten sich an?

Simon Specka: Das Geschäft mit smarten Devices und vernetzten Produktionsanlagen brummt natürlich, doch ist die Sicherheit oft nur Nebensache. Hierbei haben wir dasselbe Problem wie so oft: Was genau ist denn Sicherheit überhaupt? Die meisten Menschen verstehen nicht, was Sicherheit meint und sehen daher auch mögliche Gefahren nicht. Sicherheit ist ein enorm breiter Begriff. IoT ist ein so neues Thema, dass viele grundlegende Fragen noch ungeklärt sind. Es wird viel experimentiert, es gibt noch keine sauberen Standards.

In den Produktionssystemen der Industrie, die auf Lebenszeiten von mehr als 20 Jahren angelegt sind und heute auch internetgestützt und vernetzt funktionieren, wird beispielsweise verbesserte Software nur bei Wartungsintervallen eingespielt – falls überhaupt. Dasselbe gilt, in abgeschwächter Form, für Endkonsumenten und IoT-Devices, die für den Haushalt verkauft werden. Die Software dafür ist oft nicht darauf ausgelegt, sauber aktualisiert und gepatcht zu werden – allerdings ändert sich dies gerade. Es bleibt aber ein Grundproblem des IoT. Es gibt hier viele Probleme mit vielen unterschiedlichen Gründen, die unterschiedlicher Lösungen bedürfen. Keine Firma wird das mit einem Produkt alleine lösen können. Das ZenMate-Produkt Navia sorgt beispielsweise dafür, dass internetfähige Geräte nicht direkt ins Internet gehen und somit angreifbar sind, sondern über unsere Infrastruktur – der Traffic wird verschlüsselt.


Welchen besonderen Ansatz verfolgt ihr bei ZenMate?

Simon Specka: Unser Ziel ist es, Privatsphäre und Sicherheit im Netz so einfach wie möglich zu machen und es damit einer breiten Masse zugänglich zu machen. Wichtig ist hierfür, dass man überall dort ist, wo der User ist. Wir haben mit Abstand die größte Plattform-Vielfalt sowie Infrastruktur und investieren laufend in R&D. So bleiben wir am Puls der Zeit und den Bedürfnissen der Kunden. Von allen Firmen im VPN- und Sicherheitsbereich sind wir eine der Firmen mit führendem, komplementärem Produktportfolio.


Über ZenMate

ZenMate ist das erste Produkt der Firma ZenGuard, einem Startup mit Sitz in Berlin. Das junge Unternehmen möchte mit seinen Softwarelösungen die Sicherheit der Nutzer im Internet verbessern und der breiten Masse zugänglich machen. Das Browser-Add-on ZenMate ähnelt in seiner Funktionsweise einer VPN-Verbindung und kann mit einem Klick hinzugefügt werden. Einmal installiert, verschlüsselt ZenMate den Browser Verkehr, entsperrt Geo-Einschränkungen und versteckt die original IP, was die Privatsphäre und Identität des Nutzers schützt. Unter der Marke “ZenMate” sind darüber hinaus weitere Produkte wie die Web-Firewall ZenMate Pulse und die Mobile Security Lösung ZenMate Sense erhältlich, die zusammen ein abgerundetes Schutz-Portfolio für Endkunden darstellen. ZenGuard, 2013 von den Geschäftsführern Simon Specka und Markus Hänel in Manchester gegründet, ist Teil des Portfolios von Project A, einem internationalen Venture Capital Unternehmen mit Sitz in Berlin, bei dem die Otto Group Hauptinvestor ist.



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Kommentare

  • Simon

    "Hi Steven, ja es geht noch, danke - hoffe bei dir auch. Artikel ist aus dem Kontext gerissen – der Test war in einem öffentlichen Netzwerk zwischen Mitarbeiter und Mitarbeiter unserer Firma zu exemplarischen zwecken unter Beachtung aller Rechtsvorschriften, ohne Involvierung dritter. Mfg, Simon"

    09. März 2017 16:56
  • Steven

    "Gehts noch???

    Da schreibt der Herr Specka also mal eben, daß seine Mitarbeiter Gesetze brechen: Es werden WLAN-Daten ausgespäht, um auf die Unsicherheit von Netzwerken hinzuweisen. Was kommt als nächstes? Einbruch in Online-Bankkonten um dort auf Sicherheitslücken hinzuweisen?

    Das ist *strafbar* nach §202b StGB"

    07. März 2017 21:03

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