19.
Mai
2016
Bessere Mobile User Experience in fünf Schritten

Bessere Mobile User Experience in fünf Schritten

  Björn Tantau
(Online-Marketing-Experte)

Björn TantauUser Experience im Internet ist ein alter Hut, sollte man meinen. Doch seien Sie ehrlich: Wann haben Sie sich zum letzten Mal über eine Website geärgert, die sich einfach nicht intuitiv bedienen lässt? Ich behaupte, dass das nicht lange her ist. Und überhaupt: Was ist daran so schwierig, einfach zu benutzende Websites zu bauen? Glauben Sie mir, das Thema „Gebrauchstauglichkeit“ ist nicht nur bei Websites ein kritischer Punkt. Wir erleben es in fast allen Lebensbereichen, dass sich Dinge schwer oder umständlich bedienen lassen. Genau das hat sich auch in der digitalen Welt eingeschlichen – und besonders problematisch wird es, wenn es sich um mobile Websites (und vor allem Onlineshops) handelt, denn dort sind die Möglichkeiten noch eingeschränkter, als es bei stationären Websites der Fall ist. Damit Sie aus den Fehlern vieler anderer Webmaster lernen können, bei denen das Thema Usability auf der Strecke geblieben sind, zeige ich Ihnen in diesem Artikel, wie Sie die mobile User Experience für Ihren Onlineshop in fünf Schritten verbessern können. 

1. Konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten Inhalte und lassen sie alles andere weg: User sind heutzutage nicht mehr gewillt, eine stationäre oder schlecht mobil-optimierte Website zu ertragen. Wenn nicht alle gewünschten Inhalte sofort sichtbar sind (oder nach kurzem Scrollen), dann leidet die User Experience. Überlegen Sie in Ihrem Onlineshop also ganz genau, welche Elemente mobil angezeigt werden sollen und welche nicht. Und natürlich muss Ihre Website responsive sein – sie muss sich also an das entsprechende Endgerät anpassen können. Wenn das nicht der Fall ist, frustrieren Sie Ihre User und ein frustrierter User ist nicht wirklich scharf darauf, in Ihrem Onlineshop auch noch Geld auszugeben. Weniger ist mehr! Präsentieren Sie wirklich nur das, was für das Ziel – also die Konvertierung potenzieller Kunden – wirklich wichtig und notwendig ist. 

2. Setzen Sie auf flexible und anpassungsfähige Strukturen: Weil mobile Endgeräte aber alle unterschiedliche Größen haben, muss die mobile Website Ihres Onlineshops maximal flexibel sein. Verschenken Sie dabei keine Potenziale: Zu kleine Texte oder schlecht mit dem Finger antippbare Links erhöhen die Gefahr eines Kaufabbruchs. Sie sind auch noch nicht aus dem Schneider, wenn sie den kompletten Einkaufsprozesse responsive gestaltet haben – auch der Warenkorb muss sich komplett an das mobile Endgerät anpassen. Das gleiche gilt für die angebotenen Zahlungsmethoden: Ein sehr negatives Beispiel ist oft der Bezahlvorgang via Kreditkarte, denn hier müssen viele Zahlen eingegeben werden. Dabei kommt es vor, dass zum Beispiel die Felder für die Eingabe der Werte zu klein oder aus anderen Gründen umständlich oder unvorteilhaft zu bedienen sind. Auch das sind „Conversion Killer“ – Elemente also, die aus einem potenziellen Kunden einen frustrierten Abspringer machen.   

3. Bevorzugen Sie minimalistisches und einfachstes Design: Stellen Sie sich die wichtige Frage, welche Elemente des Corporate Designs wirklich essentiell sind und auf welche verzichtet werden. Selbstverständlich müssen Sie Ihr Logo in Ihrem mobilen Onlineshop zeigen, schließlich handelt es sich dabei sehr oft um ein Vertrauenssymbol, oder können Sie sich die mobilen Onlineshops von Otto.de ohne das bekannte Logo vorstellen? Ich auch nicht – und es wäre auch komplett unsinnig, denn die User vertrauen Otto.de und wissen, dass es ein Onlineshop ist, der für Qualität steht. Auf einen solchen Vertrauensfaktor können Sie für Ihren Onlineshop nicht verzichten und damit sitzen Sie im selben Boot wie Otto.de. Setzen Sie sich also die Brille auf, durch die der User Ihren Onlineshop betrachtet und wägen Sie genau ab, ob bestimmte Bestandteile des Corporate Designs wirklich notwendig sind. 

Lange Gesichter beim Mobile-Shopping lassen sich vermeiden!
Lange Gesichter beim Mobile-Shopping lassen sich vermeiden!

4. Nutzen Sie einfache Farben, die nicht stören oder ablenken: Sorgen Sie dafür, dass die mobile Website Ihres Onlineshops (und bitte beachten Sie das auch für die stationäre Variante) potenzielle Kunden nicht abschreckt. Natürlich sollen Sie die Farben nutzen, die im Rahmen Ihrer Corporate Identity gesetzt sind – erliegen Sie aber nicht der Versuchung, zusätzlich besonders grelle oder auch kontrastreiche Farben zu verwenden, nur weil Sie auf bestimmte Elemente Ihres mobilen Onlineshops hinweisen wollen. Arbeiten Sie besser mit Störern oder Objekten, die die natürlichen Farben Ihrer Website aufnehmen. Damit verwirren Sie Ihre User nicht und senken das Risiko von Verwirrungen. Ich kann es nicht oft genug betonen, aber verwirrte User gehen nicht auf die Startseite eines Angebots im Internet zurück und suchen von dort nach den Inhalten auf der gleichen Website weiter – sie verlassen die Seite und suchen bei Google nach neuen Informationen!   

5. Übernehmen Sie den Charakter und die Persönlichkeit Ihres stationären Onlineshops: Denken Sie wieder an den Onlineshop, wo Sie am meisten Geld ausgeben. Würden Sie das tun, wenn Sie dem Anbieter nicht vertrauen könnten? Und würden Sie bei Ihrem bevorzugten Onlineshop kaufen, wenn Sie den mobilen Shop nicht erkennen und somit nicht zuordnen würden?  Sehr wahrscheinlich nicht. Genau aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass Sie eben „Charakter“ und „Persönlichkeit“ von der Desktop-Version Ihres Onlineshops auch bei der mobilen Variante präsentieren können. Definitiv gehört das Logo dazu und sicher auch die Farben. Doch auch das Wording und die grundsätzliche Art und Weise der Aufmachung. Werden die Produkte in einer ähnlichen Konzeption gezeigt wie am Desktop? Erkennt man die „mobile Filiale“ auf den ersten Blick als zugehörig? Hinweis: Testen Sie das, indem Sie das Logo entfernen und den Shop am Smartphone dann Leuten zeigen, die die Version vom Desktop kennen – dann können Sie messen, wie viele Personen den Onlineshop mobil ohne Logo nicht zuordnen können. Wenn die Mehrheit der Probanden den mobilen Online ohne Logo nicht zuordnen kann, müssen sie nachbessern.   

Fazit: Die User Experience ist auf jeder Website extrem wichtig. Bei einem mobilen Onlineshop ist sie noch etwas wichtiger, weil die User bei der Nutzung des Smartphones in der Regel noch ungeduldiger sind. Wenn Sie als Betreiber eines mobilen Onlineshops nicht in der Lage sind, das Leben Ihrer (potenziellen) Kunden so einfach wie möglich zu machen, dann werden diese User bei Ihnen nicht einkaufen und einen anderen Anbieter bevorzugen. So verschenken Sie wertvolles Potenzial und verpassen es, auch Stammuser an Ihren mobilen Onlineshop zu binden. Übrigens: All die von mir genannten Punkte gelten auch bei einer App, denn auch bei einer App sind User-Experience und Usability besonders wichtige Punkte, die dafür sorgen, ob ein User letztendlich auch zum zahlenden Kunden wird.


Björn Tantau blickt auf über 15 Jahre Erfahrung im Online Marketing zurück und ist unter anderem als Blogger, Keynote-Speaker, Unternehmensberater, Coach und Podcaster bekannt. In sozialen Netwerken folgen ihm mehr als 50.000 User und er hat mehrere Bücher geschrieben, u.a. zum Thema Website-Traffic. Als Autor schreibt er regelmäßig für große deutschen Websites, Blogs und Magazine und spricht auf nationalen und internationalen Konferenzen, Messen und Events. http://bjoerntantau.com



Kommentare

Kommentar schreiben

Hinweis
Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Verwandte Artikel

  •  
    22.
    Juni
    2017
    Was macht eigentlich… der 3D-Druck im E-Commerce?

    Was macht eigentlich… der 3D-Druck im E-Commerce?

    Nachgefragt bei
    Icon Florian Hermsdorf
    (Heaf of Innovation Management Otto Group)

    Ist der Hype um das einst vieldiskutierte Thema bereits abgeklungen oder erleben wir derzeit nur die Ruhe vor dem Sturm? Wir fragten nach.

  •  
    13.
    Juni
    2017
    „Stores werden zu Orten der Begegnung“

    „Stores werden zu Orten der Begegnung“

    Nachgefragt bei
    Icon Thomas Schenk
    (Direktor Retail Excellence Otto Group)

    Otto Group Retail-Experte Thomas Schenk spricht über Herausforderungen des stationären Einzelhandels im digitalen Zeitalter (im Original erschienen auf locationinsider.de).

  •  
    24.
    Mai
    2017
    Bessere Kaufentscheidungen dank künstlicher Intelligenz

    Bessere Kaufentscheidungen dank künstlicher Intelligenz

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Mithilfe einer Machine-Learning-Lösung hat otto.de Kundenbewertungen noch smarter gemacht. Wir werfen einen Blick in den Maschinenraum – aus der Reihe „Quick & Data… powered by Otto Group“.

Beliebte Artikel

  •  
    30.
    Januar
    2017
    14

    Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Die Blogparade "Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?" startet... Jetzt mitmachen!

  •  
    09.
    Mai
    2016

    Startups und die Altersfrage

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Welche Rolle spielt eigentlich das Alter beim Gründen? Wir haben bei Startup-Unternehmern aus unterschiedlichen Branchen nachgefragt.

  •  
    17.
    August
    2016

    Erfolg im Multichannel mit flexibler stationärer Präsenz

    Icon Dr. Marlon Braumann
    (Gründer und Geschäftsführer store2be GmbH)

    Welchen Hindernissen Online-Händler auf dem Weg in den stationären Handel gegenüberstehen – und welche Lösungen es gibt.

Neueste Kommentare

esotbemeb zu Vier Perspektiven auf die Sharing Economy

"uxumud-a.anchor.com [URL=http://uxumud-u.com/]uxumud-u.anchor.com[/URL] http://uxumud-t.com/..."
00:59

iiidanin zu Vier Perspektiven auf die Sharing Economy

"pcugtaaq-a.anchor.com [URL=http://pcugtaaq-u.com/]pcugtaaq-u.anchor.com[/URL] http://pcugtaaq-t.com/..."
00:58

eusukotac zu Vier Perspektiven auf die Sharing Economy

"uluqqi-a.anchor.com [URL=http://uluqqi-u.com/]uluqqi-u.anchor.com[/URL] http://uluqqi-t.com/..."
00:58

Neueste Tweets

  • RT @BMZ_Bund: Min Müller & Unternehmen d @Stiftung2Grad bekräftigen Zusammenarbeit f ...

  • RT @TalentryDE: Jetzt zeigt uns Susanne Kröber von der @Witt_Gruppe_Job wie sie die ...

  • RT @Stiftung2Grad: Aufsichtsratsvorsitzender der @OttoGroup_Com, Dr. Otto, zum Termin im ...