04.
August
2014
10 Tipps für eine gelingende User Experience

10 Tipps für eine gelingende User Experience

  Jens-Ole Boelsen
(Leiter User-Experience-Team, Otto Group E-Commerce Competence Center)

Jens-Ole Boelsen, Leiter des User-Experience-Teams im E-Commerce Competence Center, Otto Group.Als Fachmann für User-Experience-(UX)-Fragen weiß Jens-Ole Boelsen, wo die Stolpersteine liegen, die Usern das Handling von Webseiten und Webshops unnötig erschweren. 

Für ottogroupunterwegs.com hat er 10 wesentliche UX-Fallen zusammengefasst, die ihm immer wieder begegnen. Wer also nutzerfreundliche Webseiten kreieren will, sollte sich die nachfolgenden Hinweise gut einprägen:

1. Werbeoptik

Die selektive Wahrnehmung von Nutzern ist gerade beim Online-Surfen sehr stark. Sie haben gelernt, alles zu ignorieren, was ihnen beim Navigieren zu ihrem Ziel in die Quere kommt („Banner Blindness“ ). Dies ist besonders fatal, wenn legitime Design-Elemente einer Website wie Werbung aussehen und somit oft komplett übersehen werden. Das gleiche gilt für animierte Elemente. Von Pop-up-Fenstern ganz zu schweigen.

2. Kauderwelsch 2.0

Ich stelle immer wieder fest, dass auf Webseiten komplexes „Marketing-Sprech“ zum Einsatz kommt oder mit technischen Begriffen nur so um sich geworfen wird. Dabei bleiben die Nutzer bei der Suche nach Produkten oft auf der Strecke.  

3. Textwüsten

Nutzer lesen nicht online – sie scannen. Ärgerlich, wenn dann wichtige Inhalte, wie z.B. Produktbeschreibungen, als Fließtext dargestellt werden. Besser: Listenpunkte, Absätze mit Zwischenüberschriften oder Tabellen, die leicht zu überfliegen sind. Generell gilt: Weniger ist mehr! Online-Texte sollten maximal halb so lang sein wie die entsprechende Printversion. Dabei sollten die wichtigsten Inhalte immer prominent sichtbar für die Nutzer sein; zusätzliche Inhalte können dann auch gerne hinter einem – klar benannten – Link verortet werden.

4. Zug nach Nirgendwo

Es ist immer wieder sehr frustrierend für Nutzer, wenn die Suchfunktion einer Website unpassende oder gar keine Resultate liefert. Gerade wenn Nutzer sehr gezielt nach etwas suchen oder mit der Navigation der Seite nicht klarkommen, greifen sie auf die Suchfunktion zurück. Ungünstig, wenn diese dann auch nicht weiterhilft. Hinzu kommt oft, dass gängige Tippfehler bei der Eingabe in das Suchfeld nicht korrigiert oder Suchanfragen, die aus mehreren Wörtern bestehen, nicht korrekt verarbeitet werden.

5. Unsichtbare Inhalte

Nutzern entgehen wichtige Inhalte, wenn diese unterhalb des sichtbaren Bereichs einer Webseite platziert sind. Für die meisten ist das Scrollen zwar kein Problem, aber manchmal ist es – je nach Bildschirmauflösung – nicht klar zu erkennen, dass weitere Inhalte im unteren Bereich der Seite folgen. Dies ist vor allem dann kritisch, wenn wichtige sog. Call-to-Action-Buttons (z.B. „In den Warenkorb“) initial nicht gesehen werden oder nicht klar ist, dass nach etwas Scrollen noch wichtige Inhalte zum Vorschein kommen könnten.

6. Eingabefeld-Magnetismus

Es passiert nicht selten, dass Nutzer Eingabefelder vertauschen. Der Klassiker: Der Login-Bereich im Bestellprozess eines Online-Shops. Wenn hier gleichzeitig für beide Kundengruppen, Bestandskunden und Neukunden, die entsprechenden Eingabefelder in einer Maske gezeigt werden, füllen Nutzer oft zunächst die falschen Felder aus – generell die, die ihnen als erstes in Auge springen. Die meisten Nutzer erkennen dann zwar irgendwann ihren Fehler, aber ärgerlich ist es trotzdem.

7. Verwirrende Informationsarchitektur

Nutzer stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn sie, z.B. beim Online-Shoppen die gewünschten Produkte nicht finden, weil die Navigation anhand einer internen Logik (z.B. nach Einkaufsbereichen) aufgebaut ist. Als Außenstehender ist das extrem verwirrend.

8. Formular-Frust

Das Ausfüllen von Formularen, wie z.B. bei einer Neukundenanmeldung, ist Usern oft ein Graus. Es sein denn, sie sind nicht allzu lang und weisen Pflichtfelder deutlich aus. Gerade bei der Passwortvergabe ist eine klare Kommunikation unerlässlich. Wer mehrere Anläufe braucht, bis sein Kennwort akzeptiert wird, fackelt meistens nicht lange und bricht den gesamten Vorgang frustriert ab.

9. Icon-Eintopf

Wenn Symbole und Icons auf einer Website nicht verstanden oder als Interaktionselemente erkannt werden, sind die Nutzer auf verlorenem Posten. Ein aktuelles Beispiel ist der sog. „Burger-Button“, der vor allem auf kleineren Displays – z.B. beim Smartphone – zum Einsatz kommt und das Hauptmenü ersetzt. Vielen Nutzern ist dieses Symbol noch nicht geläufig, und sie suchen dann oft vergeblich nach dem Hauptmenü. Textliche Zusätze unter den jeweiligen Icons oder die guten alten Textlinks können hier Abhilfe schaffen.

10. Das stumme System

Manchmal braucht das System etwas länger, um einen Befehl auszuführen. Nutzer erkennen das nicht sofort und klicken sich die Finger wund. Hier ist die Gefahr eines Besuchsabbruchs besonders hoch. Ein automatisierter Hinweis (z.B. ein kurzer Texthinweis oder ein Sanduhr-Symbol) wäre in einem solchen Fall empfehlenswert. Eine Variante dieses Problems kennt man aus dem Online-Shopping: Man wählt auf einer Produktdetailseite eine bestimmte Farbe aus, aber das dazugehörige Bild ändert sich nicht entsprechend. Das wiederum führt zu Verunsicherung, ob die Farbauswahl nun wirklich korrekt verarbeitet wurde.


Jens-Ole Boelsen ist Leiter des User-Experience-Teams im E-Commerce Competence Center der Otto Group. Seit rund 15 Jahren beschäftigt er sich mit Fragestellungen rund um das Thema Usability bei Webseiten und Online-Shops. Er ist Gastredner bei Fachkonferenzen und an Hochschulen.


Foto: © bagiuiani - Fotolia.com  



1

Kommentar

  • Kevin Hasenkamp

    "Viele Punkte, die hoffentlich von Lesern beachtet werden - damit es auch klappt mit der guten User-Experience.

    Zum Punkt 10. allerdings möchte ich anmerken, dass der Aspekt Ladezeit nicht unter den Tisch fallen sollte - oder mit einer Sanduhr übertüncht.

    Performance Matters! Gerne diskutiere ich den Punkt.

    Kevin Hasenkamp "

    19. April 2016 11:44

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