13.
September
2016
„Esst niemals alleine Mittag!“

„Esst niemals alleine Mittag!“

  Nachgefragt bei Tijen Onaran
(Gründerin Women in Digital e.V.)

Diversity und Digitalisierung sind zwei Themen, die bei vielen Unternehmen auf der Agenda weit oben stehen. Vielerorts wächst das Bewusstsein dafür, das Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen in der Wirtschaft zu stärken – nicht zuletzt, weil die Unternehmen selbst von einer besseren Chancengleichheit profitieren. Tijen Onaran, Gründerin von Women in Digital e.V., erklärt uns im Interview, warum gerade die Digitalwirtschaft Möglichkeiten bietet und welche Tipps sie für Frauen hat.

Wie siehst du die Situation der Frauen in der Wirtschaft, besonders in der Digitalwirtschaft, heute?

Tijen Onaran, Women in Digital e.V.Tijen Onaran: Frauen sind auf dem Vormarsch. Natürlich gibt es immer noch Bereiche und Denkweisen, die durchbrochen werden müssen, aber es tut sich viel. Die Digitalwirtschaft sehe ich hier als absolute Karrierechance an: Zum einen werden durch die Digitalisierung Hierarchien aufgebrochen, zum anderen helfen „digital skills“ Frauen bei ihrer Karriere, wie die Studie von Accenture zeigt. Unternehmen reagieren auf die Digitalisierung mit neuen Berufsbildern, deren Gestalter immer häufiger Frauen sind, und in der Startup Szene nutzen Frauen ihre digitalen Fähigkeiten um spannende Geschäftsmodelle zu etablieren. Davon brauchen wir noch mehr – deshalb geben wir mit Women in Digital e.V. unser Bestes, diese Frauen sichtbar zu machen und Inspiration zu bieten!


Welche Konsequenzen hat eine fehlende Gleichberechtigung für die andere Seite, die Unternehmen und die Wirtschaft?

Tijen Onaran: Disharmonien, ob in der Besetzung von Führungsstellen oder in der Zusammensetzung eines Teams, sind immer schlecht. Die Wirtschafts-, und Innovationskraft eines Unternehmens leidet, wenn nur auf eine Denkweise gesetzt wird. Grundsätzlich müssen wir das Thema „Diversity“ auch tatsächlich divers sehen: Internationale Fach-, und Führungskräfte, generationsübergreifende Teams und auch verschiedene Charaktere sind die Motoren eines erfolgreichen Unternehmens.

Tijen Onaran referierte erst kürzlich bei OTTO über Frauennetzwerke.
Tijen Onaran referierte erst kürzlich bei OTTO über Frauennetzwerke.

Was muss auf Seiten der Arbeitgeber und der Politik unternommen werden?

Tijen Onaran: In den letzten Jahren hat sich bereits etwas bewegt. Mentorenprogramme und interne Netzwerke, die die Sichtbarkeit erhöhen, sind sicherlich dabei die stärksten Instrumente. Die Politik hat sich auch an verschiedenen Maßnahmen und Gesetzen versucht – aber: Ein Unternehmen muss es leben und wollen. Da hilft auch kein Gesetz. Was ich mir aber noch stärker von allen Seiten wünsche, ist ein weniger Aufschrei-getriebenes Handeln, wenn wir über Frauen in Führungspositionen und Gleichberechtigung sprechen. Je lauter desto besser, ist hier meiner Ansicht nach die falsche Devise. Stattdessen braucht es noch mehr Role Models, die bereits mit Kindern und Jugendlichen Stereotypen aufbrechen. Die Unternehmen müssen sich stärker Expertenmeinung von außen einholen, beispielsweise bei der Etablierung von internen Netzwerken oder Förderprogrammen. Aber das Wichtigste: Ein klischee-, ideologie- und vorurteilsfreies Handeln ermöglicht allen Seiten, das Beste für das Unternehmen zu geben. Mann-Frau-/Sinn-Unsinn-Debatten blockieren nur und schaffen Frust.


Und welche Tipps hast du für Frauen selber?

Tijen Onaran: Mut zum Risiko, weniger Perfektionsdrang und stärkere Vernetzung – esst niemals alleine Mittag!




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Kommentar

  • Dr. Gunter Woelky, Managementberater

    "Wer einfach mal den Mund hält, wer zuhört, erfährt oft mehr, als er sich ausdenken kann.
    Die Araber haben ein gutes Sprichwort: Der Mensch hat zwei Ohren und einen Mund, damit er doppelt so viel hört als er redet. Und übrigens, wer allein ist (isst) lernt schnell mal neue Leute kennen. "

    13. September 2016 18:55

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