Bringt die Pandemie den finalen Durchbruch fürs E-Learning?
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Bringt die Pandemie den finalen Durchbruch fürs E-Learning?

04/06/2020

Das Coronavirus verändert unser Leben nachhaltig. Plötzlich gelten neue Regeln im gesellschaftlichen Miteinander und auch in unserer eigenen Privatheit haben wir uns auf neue Prinzipien und Gewohnheiten – und zum Teil auch auf neue Werte – geeinigt. „The new Normal“ ist das Bonmot der Stunde. Wie manifestiert sich diese neue Normalität? Wie radikal sind die Veränderungen? Vor allem aber: Bleibt das jetzt für immer so? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigen wir uns an dieser Stelle in den kommenden Wochen. Thema heute: Neue Lernwelten.

In der E-Learning-Branche herrscht Goldgräberstimmung. Verbände, Kammern und Vereinigungen entdecken die Webinar-Welt. Coaching-Plattformen, Webinar- und E-Learning-Anbieter können sich vor Nachfrage kaum retten.

Andere entdecken in der Krise das Potenzial des Online-Lernens: Sportvereine und Musikschulen sorgten dafür, dass Freizeitvertreib und Hobby auch in Corona-Zeiten ausgeübt werden können. Und nicht zuletzt waren auch die Schulen weitgehend gezwungen, digitale Plattformen zu nutzen, um Aufgaben zu übermitteln oder Unterricht per Videokonferenz abzuhalten.

Wieder andere nutzen die Chance, der breiten Öffentlichkeit zu zeigen, was sie an digital unterstützter Lernkultur so draufhaben. Mehrere Ivy-League-Universitäten aus den USA haben insgesamt 450 ihrer Kurse ins Netz gestellt. Kostenfrei. Der Digitalverband Bitkom bietet eine Übersicht ebenfalls kostenfreier Weiterbildungs-Angebote namhafter Digitalunternehmen wie Google, Vodafone oder SAP. Nur mal als Momentaufnahme: Anfang April tummelten sich auf der externen Schulungsplattform von SAP rund 950.000 Menschen aus aller Welt, um sich IT-Wissen anzueignen. Einzelne Vorlesungen verfolgten gleichzeitig bis zu 10.000 Menschen.

Ist ja auch mehr als attraktiv. Ab in die Küche, einen Kaffee machen, auf’s Sofa, Notebook oder Tablet auf den Schoß und 60 oder 90 Minuten später mehr wissen, tollen Experten zugehört haben und von neuen Ideen inspiriert sein.

Der Moment, in dem alles passte

Remote Conferencing

Ohne die Pandemie relativieren zu wollen: Für das E-Learning öffnete sich mit Corona das oft zitierte ‚Window of Opportunity‘. Alles passte. Physische Treffen waren nicht erlaubt, durch Kurzarbeit war mehr Zeit da und in vielen Branchen zogen Videomeetings ein. Es muss ja nicht gleich das mehrmonatige Online-Seminar mit Zertifikatsabschluss sein. Die große Welt des digitalen Lernens eröffnet sich schon, wenn man bei Google oder YouTube nur mal „Tipps für Homeoffice“ oder „Wie geht Videokonferenz“ eingibt.

Wer zuhause vor dem Bildschirm sitzt, steckt sich nicht an. Das ist aktuell ein Vorteil. Andere Vorteile gelten auch jenseits von Corona: große Auswahl, kein Reiseaufwand, kein Standortnachteil, weniger Zeitverlust, geringere Kosten. Wenn das Angebot nicht live ist, auch das noch: Jede*r bestimmt das eigene Lerntempo und den Zeitpunkt, wann gelernt werden soll. 

Der direkte Kontakt zum/zur Referent*in, zu anderen Seminarteilnehmer*innen, das Ausprobieren in der Gruppe – all das geht online nicht ganz so elegant. Das soll hier nicht verschwiegen werden. Aber Lernen ist definitiv digital möglich – und in bestimmten Situationen sogar besser.

Vom Gehirn und guten Gefühlen

Das Gehirn ist ein Wunderwerk. Um seine Wunder zu nutzen, müssen wir lernen. Die Wissenschaft weiß heute, dass auch Erwachsene noch ihr Gehirn trainieren und damit ihre Fähigkeiten verbessern können. Aber: Es ist wie beim Sport. Der Muskel braucht Training, sonst baut er ab. Und auch das ist anerkannt: Lernen ist vielleicht mal anstrengend, aber am Ende warten gute Gefühle – tiefe Befriedigung, Selbstvertrauen, Lust auf neue Herausforderungen.

Neue Welt und neues Lernen

Die digitale Transformation hat unsere Lebenswelt radikal verändert und verändert sie immer noch. Mit der neuen Welt kommt der Bedarf an neuen Fertigkeiten. Digitalkompetenz umfasst nicht nur Technologie, sondern auch den Umgang mit Medien, Wissens- und Informationsflut und den neuen Mitteln der Kommunikation.

Am Anfang wird gelernt, es folgt die Ausbildung und danach gewinnt man nur noch an Erfahrung – das gilt längst nicht mehr. Erwerbsbiografien sind heute weniger linear, Aufgaben ändern sich, Berufsbilder ebenso. Der stete Wandel erfordert lebenslanges Lernen.

Mit dem Begriff des lebenslangen Lernens ist eine neue Kultur eingezogen. Sich selbst als Lernende*n zu begreifen, ist zumindest in der westlichen Welt lange nicht angesagt gewesen. Im Gegenteil: Der Chef hat Bescheid zu wissen. Einen Lernbedarf zuzugeben, wäre als Schwäche gedeutet worden. Dass daraus eine Kultur entsteht, in der auch Fehler nicht akzeptiert werden, verwundert nicht.

Von Seneca über Goethe bisRousseau gab es zwar viele kluge Köpfe, die sich sehr wohl bewusst waren, dass das Lernen in den Kinder- und Jugendjahren kaum für ein ganzes Leben reicht. Trotzdem begann ein Umdenken erst in den 1970er Jahren – zunächst übrigens begriffen als Aufgabe der Institutionen. Erst in den 1990er Jahren reifte der Gedanke, dass die Menschen auch selbst aktiv für ihr Lernen sorgen sollen.

Das Ideal liegt irgendwo dazwischen: Institutionen und Unternehmen machen Angebote, während die Menschen auswählen und zugreifen, wo sie ihre Interessen und Bedarfe sehen. 

DAS UNTERNEHMEN PROFITIERT – DIE MITARBEITER*INNEN ERST RECHT

Die Digitalisierung bietet dafür optimale Voraussetzungen. Nie war Weiterbildung so einfach zu haben wie online. Nie war sie so wichtig wie heute. Und nie so umfassend. Denn nehmen wir Corporate-E-Learning-Angebote: Diese dienen zwar dem Unternehmen, genauso aber der persönlichen Weiterentwicklung. Ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter*innen durch Weiterbildung fördert, macht sie gleichzeitig attraktiv für den Arbeitsmarkt. Aber: Ein Unternehmen, das in großem Umfang weiterbildet, erhöht natürlich genauso die eigene Attraktivität. Das gilt auch für die Otto Group. Interne Weiterbildungsangebote, Seminare und Coachings ermöglichen eine fachliche und persönliche Weiterentwicklung.

E-Learning

 Wer jedoch als digitaler Konzern agieren will, muss dafür sorgen, dass alle dabei sind. Ein paar Nerds und Techies reichen nicht aus. Als Ziel wurde deshalb ausgegeben, möglichst viele Mitarbeiter*innen zu digitalen Generalisten zu machen. TechUcation heißt das Stichwort. Über die Lernplattform Masterplan vermittelt TechUcation ein grundsätzliches Verständnis für digitale Themen und stößt eine neue Lernkultur an. Lernen ist dabei Teil der Arbeit, frei zugänglich und wird selbst organisiert. TechUcation ist außerdem mit seinem modularen Aufbau und den ständig neuen Inhalten ein gutes Beispiel für die Vielfalt digitaler Lernangebote.

So. Learning und E-Learning sind also eine super Sache. Nur machen wir es deswegen auch? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Eine Software oder eine App wie im Schlaf zu beherrschen, ist doch schön. Warum muss es denn schon wieder eine neue Version sein? Immer wieder Anfänger*in sein – fühlt sich das wirklich so gut an? Dann die Sache mit den vermeintlich dummen Fragen. Klar, der Spruch ist bekannt: Es gibt keine dummen Fragen. Aber: Es gibt sie eben doch, die Fragen, die man ungern stellt. Und schließlich der Faktor Zeit. Als von heute auf morgen der Beinahe-Lockdown kam, haben viele Zeit gewonnen. Aber jetzt, wo es wieder losgeht? Auch wieder losgehen muss?

Ein Dauertrend oder zeitlich begrenzt?

E-Learning bleibt. Der große Run der ersten Corona-Tage wird wieder etwas abflachen. Mit dem neuen Spielzeug verbringt man eben besonders gern viel Zeit. Aber E-Learning ist so viel mehr als ein Zeitvertreib. Lernen wird zum festen Bestandteil unseres Arbeitsalltags, Lernkompetenz zum Erfolgskriterium, Veränderungsbereitschaft zum Wettbewerbsvorteil. Vor allem digitales Lernen ist der Schlüssel, um lebenslangen Know-how-Gewinn effektiv in den Alltag zu integrieren. Ganz von allein geht das aber nicht. Ist wie mit dem Sport. Fest einplanen und dann auch machen.


wie wirkt sich corona langfristig auf unsere Freundschaften aus?

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MACHT UNS DIE PANDEMIE ZU GEDULDIGEREN KONSUMENT*INNEN?

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WIE VERÄNDERT DIE PANDEMIE UNSEREN MEDIENKONSUM UND INFORMATIONSFLUSS?

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Redaktion ottogroupunterwegs
 
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