21.
März
2017
Cashier Free Stores: Ein Konzept auch für Fashion?

Cashier Free Stores: Ein Konzept auch für Fashion?

  Redaktion ottogroupunterwegs
(Admin)

Es war einmal ein schwedischer Möbelhersteller, der vor gut zehn Jahren seine Kundschaft in Deutschland mit einigen SB-Terminals im Kassenbereich überraschte. Wo vorher der Kassierer saß, fand der Kunde einen Scanner sowie eine Schnittstelle zum Bezahlen vor. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Der Kunde kommt schneller durch den Kassenbereich, das Unternehmen spart Personalkosten ein. Ein System mit Zukunft… hätte man meinen können. Denn auch zehn Jahre später prägen vor allem mit Personal besetzte Kassen das Bild im stationären Einzelhandel, lange Schlangen (vor allem in Supermärkten) inklusive. Doch spätestens seit der Ankündigung von Amazons Store-Konzept für Lebensmittel – „Amazon Go“ – ist die Diskussion um den Cashier Free Shop neu aufgeflammt – auch wenn es sich zunächst nur um einen Testlauf handelt. Dabei ist Amazon nicht der einzige Anbieter, der das Einkaufen quasi ohne menschliche Interaktion ermöglicht. Zu den First Movern in diesem Bereich zählt ausgerechnet eine schwedische Kleinstadt (Zufall?), welche 2016 einen kleinen Store für Dinge des alltäglichen Bedarfs weitgehend ohne Personal betreibt, einzig das Auffüllen der Regale erfolgt noch von Menschenhand. Zutritt und Bezahlung erfolgen per App, Kameras überwachen den Betrieb.

Technologisch geht „Amazon Go“ wesentlich weiter: Der Tech-Gigant setzt neben Kameras vor allem auf Sensoren, die erkennen, welche Waren der Kunde aus dem Regal genommen hat. Auch das Bezahlen erfolgt vollautomatisch – per App. Möglich macht dies eine auf komplexen Algorithmen basierende Technologie, die früher oder später natürlich auch Retailer abseits des Lebensmittelhandels adaptieren könnten. Der Clou: Je nach Shopping-Kontext ließen sich ganze Geschäftsmodelle völlig neu ausrichten, unter anderem im Fashion-Bereich. So könnten Kunden anprobierte Kleidung beispielsweise gleich anbehalten und den Laden verlassen, ohne den Kassenbereich ansteuern zu müssen.

„Fashion on Demand“ im Stationärhandel polarisiert

Die Idee des Fashion-Stores als einziger großer Kleiderschrank wäre mithilfe neuester Technologie zum Greifen nah. Aber wollen Kunden das überhaupt? Das Stimmungsbild überrascht: Von 1.000 Konsumenten, die wir über den Online-Marktforscher Appinio befragt haben, stellte knapp die Hälfte (50,6 Prozent) den Nutzen eines solchen Services zwar in Frage Aber: Unter den Befürwortern (38,2 Prozent) des stationären „On-Demand-Shoppens“ würden knapp 60 Prozent diese Form des Fashionkaufs dem Online-Shoppens nach eigener Aussage bevorzugen!

Cashier Free Stores Umfrage

Damit wird einmal mehr deutlich, dass der stationäre Einzelhandel dem Rhythmus der Digitalisierung folgen muss, um auch in Zukunft im Relevant Set der Konsumenten stattzufinden. Mit seiner Angebotsbreite, Angebotstiefe, Personalisierung, Servicedimension und Transparenz ist der Online-Handel derzeit klarer Taktgeber im Bereich Retail. Demgegenüber steht ein zuletzt schwach wachsender stationärer Einzelhandel in Deutschland, der mit mobilen Checkouts auf der Fläche oder der Verbreitung von RFID durchaus spannende Antworten auf die Digitalisierung liefert.

Dass er an die Dualität von Stationär und Online weiterhin glaube, bekräftige Dr. Rainer Hillebrand, stv. Vorstandsvorsitzender der Otto Group, übrigens kürzlich beim jährlichen E-Commerce-Mediengespräch der Otto Group in Berlin. Dafür jedoch muss der Offline-Retail seine digitalen Hausaufgaben machen. Zukunftsprojekte wie Cashier Free Stores sind dabei in jedem Fall ein Schritt in die richtige Denkrichtung.


PS: Kassenlose Bezahlung ist in aller Munde. Deshalb haben sich auch unsere Kollegen von Hermes über das Thema  Gedanken gemacht und diese im Blogpost Digitaler Einzelhandel: Der Trend geht zur kassenlosen Bezahlung festgehalten.



Kommentare

Kommentar schreiben

Hinweis
Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Verwandte Artikel

  •  
    13.
    Februar
    2019
    Hermes UK: Innovationsbrutstätte für eine ganze Branche

    Hermes UK: Innovationsbrutstätte für eine ganze Branche

    Nachgefragt bei
    Icon Richard Blown
    (Head of Innovation Hermes UK)

    Die britische Digital-Industrie ist der deutschen oft um einige Monate voraus – in Teilen gilt das auch für die Paketzustellung. Warum ist das so? Und was hat der Verbraucher damit zu tun?

  •  
    31.
    Januar
    2019
    „Klassisches Handelsgeschäft reicht nicht mehr“

    „Klassisches Handelsgeschäft reicht nicht mehr“

    Nachgefragt bei
    Icon Markus Rech
    (CEO Sportscheck)

    Services, Content, Communities und ein Award: Wie sich der Multichannel-Sportfachhändler Sportscheck in Zeiten der Digitalisierung neu positioniert.

  •  
    28.
    November
    2018
    Weihnachten – kein Fest der Miete

    Weihnachten – kein Fest der Miete

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Alle Jahre wieder... steht der Weihnachts-Shopping-Stress vor der Tür. Warum nicht einfach mal ein Geschenk mieten? Wir fragten nach – mit sehr deutlichem Ergebnis.

Beliebte Artikel

  •  
    31.
    Januar
    2018
    10

    Blogparade #Zukunftsblick: Die Welt von morgen

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Autonom fahrende Autos, Shopping über Spracheingabe, Bitcoin statt Bargeld, eine neue Kultur in der Arbeitswelt: Wie sieht die Welt von morgen aus? Das Thema unserer Blogparade #Zukunftsblick.

  •  
    16.
    August
    2018

    „Menschen über 50 leben nicht in der digitalen Steinzeit“

    Nachgefragt bei
    Icon Melanie Atencio u. Sebastian Keck
    (Mobile-Projektmanager Witt-Gruppe)

    Immer mehr Best Ager gehen ins Netz – auch übers Smartphone. Was bedeutet das für die Entwicklung von Shopping-Apps speziell für diese Zielgruppe? Zwei Experten geben Tipps.

  •  
    24.
    August
    2018
    1

    Eine ordentliche Portion Mut für die Gewohnheitstiere

    Nachgefragt bei
    Icon Petra Scharner-Wolff
    (Konzernvorständin Finanzen, Controlling und Personal)

    Die Digitalisierung stellt die Welt auf den Kopf. In Zeiten des Wandels braucht es also: Mut. Petra Scharner-Wolff erklärt, wie ein Konzern lernen kann, mutig zu sein.

Neueste Kommentare

Hilka zu #ausfehlernlernen – Erste FuckUp-Night der Otto Group

"Hallo zusammen, ich bin zufällig auf diesen Artikel gestoßen und würde mich gerne mit einem der..."
11.01.2019

Viola Flambe zu Wie bonprix nach weiblichen IT-Talenten sucht

"Danke für die Coding Challenge. Bitte weiter so. "
17.12.2018

Katharina zu Podcast #13: (Fast) Alles über Conversational Commerce

"DEVICE = Gerät Wir haben auch im Deutschen viele ausreichende, gut beschreibende Worte. Warum werden..."
18.11.2018

Neueste Tweets

  • Ein Ausblick in die Zukunft der #Mobilität von @sascha_p: Mehr #carsharing und ...

  • „Der wahre Charakter eines Menschen kommt heraus, wenn die Smartphone-Batterie bei unter 5% ...

  • Bei dem Besuch ist die Bude natürlich voll: @sascha_p bei den #InnoDays19, dem internen ...