Connected Living: Welche Trends 2021 so richtig an Fahrt aufnehmen werden – und was die eigenen vier Wände damit zu tun haben
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Connected Living: Welche Trends 2021 so richtig an Fahrt aufnehmen werden – und was die eigenen vier Wände damit zu tun haben

22/12/2020

Die Standards der Zukunft basieren auf den Veränderungen in der Vergangenheit. Und die waren zuletzt massiv – insbesondere in der Digitalisierung. Was ist mit Blick auf Konsument*innen für das kommende Jahr zu erwarten? OTTO-Innovationsexperte Jörg Heinemann wagt ein paar Prognosen.

Ob Booster, Brennglas oder Boom – wo Corona ist, sind Buzzwords dieser Art meistens nicht weit. Zumindest wenn es um den Einfluss der Pandemie auf digitale Entwicklungen geht. Mobiles Arbeiten? Auf dem besten Weg zum Standard. E-Commerce? Momentan zweifellos der wichtigste Konsumkanal. Entertainment? Streaming ist das neue Kino. Sicherlich waren diese und weitere Entwicklungen lange vor Corona abzusehen, doch die dahinterliegende Geschwindigkeit übersteigt die Prognosen mitunter um ein Vielfaches. Und auch wenn Corona irgendwann einmal durch entsprechende Maßnahmen und Verhaltensweisen weitgehend eingedämmt werden kann, so wird sich unsere Gesellschaft nicht plötzlich ent-digitalisieren, denn wie Studien hinlänglich belegt haben, wird Technologie umso eher adaptiert und in den Alltag integriert, je eher sie Zeit und Kosten spart. „Convenience“ ist hier das Stichwort – und was sich einmal bewährt hat, das bleibt.

Im zurückliegenden Jahr ging es zunächst darum, mithilfe von Technologie Rahmenbedingungen zu schaffen, um vor allem aus den eigenen vier Wänden heraus handlungsfähig zu bleiben. Neue Strukturen und Abläufe mussten erstmal aufgebaut werden, veränderte Gewohnheiten in Fleisch und Blut übergehen. Im kommenden Jahr wird es nun verstärkt darum gehen, den funktionalen Anstrich des Neuen mit erhellenden Farbpigmenten anzureichern, kurzum: aus der Not eine Tugend zu machen. Gut erkennbar am Beispiel Social Distancing: Längst sind Webcalls beziehungsweise -konferenzen als reine Business-Tools über sich hinausgewachsen und werden zunehmend als Ergänzung zu analogen Event-Wertschöpfungskette eingesetzt – vom digitalen Kneipenquiz bis zur Remote-Abteilungs-Weihnachtsfeier, teilweise sogar schon ohne Äquivalent in der Offline-Welt.

Jörg Heinemann, Innovationsexperte beim Einzelhändler OTTO, ist überzeugt, dass dieses Momentum auch für weitere Technologien gilt. Seine Einschätzung: „Wenn auch der Rückzug in die eigenen vier Wände eher unfreiwillig verlief, so ergreifen Konsument*innen die Chance, ihren Alltag digital aufzuwerten. Während in einer ersten Welle Produkte zur Optimierung des Zuhauses (Möbel, Dinge für Gartenprojekte, Entertainment-Produkte, Spiel- und Fitnessgeräte,..) gekauft wurden und Artikel des täglichen Bedarfs im Onlinehandel stark nachgefragt waren, gilt es nun, diese digital auszureizen, sofern sie über entsprechende Schnittstellen verfügen – moderne Sensortechnik macht’s möglich.“

Drei Trends, denen Jörg für 2021 beste Entwicklungschancen voraussagt:

1. Wearables boomen… endlich

1. WEARABLES BOOMEN… ENDLICH

Schon beim Launch der ersten Smartwatch im Jahr 2014 waren sich viele Experten einig: Hier haben wir es mit einem echten Game-Changer zu tun. Dem persönlichsten Endgerät, das man sich vorstellen kann. Doch die Regeln des Spiels wurden nicht - wie erwartet - über Nacht neu geschrieben. Inzwischen sind die Geräte aber erschwinglicher, vielfältiger und ihre Anbindung an die Dienste Dritter einfacher geworden. Und gerade in der Pandemie, in der das Bewusstsein für Gesundheit und als Folge das Tracking von Vitaldaten zugenommen hat, steigt im Umkehrschluss auch der Absatz von Smartwatches und Fitnesstrackern. So kann die neue Apple Watch 6 die Sauerstoffsättigung des Blutes messen – zweifellos eine Reaktion auf Corona und das wachsende Bedürfnis der Nutzer*innen nach Kontrolle. Positiver Nebeneffekt: Die Lebensführung wird angepasst, gesundheitsfördernde Maßnahmen wie etwa Bewegung zunehmend in den Alltag integriert – auch das in Phasen mit viel Heimarbeit sehr sinnvoll. Mittlerweise wächst bei den so genannten Smart Devices auch die Produktpalette – spezielle Ringe, Armbänder und Brillen ergänzen das Portfolio.

Das sagt der Experte: „Das Interesse an Wearables, die einem bei einem gesünderen Leben helfen, wurde durch die Pandemie rapide beschleunigt. Home-Office und geschlossene Fitnessstudios haben den Wunsch nach Impulsen zu mehr Bewegung und Individualsportarten gefördert. Smart Watches und verwandte Geräte helfen den Nutzern immer besser - mittlerweile gibt es sogar digitale Fitnesskurse optimiert für diese Geräte. Die aktuellen Hygieneempfehlungen und Kontaktvermeidungsstrategien sorgen für einen Boom beim Mobile Payment – mit Smart Watches geht das am besten und maximal kontaktlos, denn im Gegensatz zu Karten entfällt das Limit und ich spare mir PIN oder Unterschrift komplett. Apple-Pay-Nutzer kennen zudem den Vorteil iPhone versus Watch: Face ID ist bei Maskenpflicht nicht die beste Sicherung für mobiles Zahlen – mit der Watch drücke ich nur eine Taste zweimal, halte den Arm ans Gerät und fertig – geht sogar durch Jacken.“

2. Das Zuhause wird smart(er)

2. DAS ZUHAUSE WIRD SMART(ER)

Der Weg zum smarten Zuhause ist längst geebnet und durch den Siegeszug der künstlichen Intelligenz (KI) auch besser, zuverlässiger, adaptierbarer geworden. Beispiel Bilderkennung: Je nachdem, welches Objekt erkannt wird, regeln vorab festgelegte Parameter Beleuchtung, Mitschnitt und/oder Benachrichtigungen – schaltet zum Beispiel ein erkanntes Auto nur das Carport-Licht an, während bei einer Person der Hausbesitzer umgehend informiert wird und ein Video vom Ereignis bekommt. Bilderkennung in Kombination mit Sensoren erleichtert/optimiert übrigens auch das Kochen: So ist beispielsweise das perfekte Backergebnis längst nicht mehr von individuellen Fertigkeiten abhängig, sondern vielmehr vom intelligenten Zusammenspiel der Sensoren: Ist der Braten goldbraun und stimmen Temperatur sowie Feuchtigkeitswerte im Ofen, werde ich per Smartphone darüber informiert und kann sogar aus der Ferne den Bratvorgang stoppen und die Ofentür öffnen lassen. Dafür steht die neue Generation der KI-basierten Daten- und Bildverarbeitung. 

Die Gedankenspiele lassen sich endlos fortführen: Vom smarten Hausnotruf (über Sensoren oder Smart Speaker) bis zur automatisieren Nachbestellung von Zubehör und Verbrauchsmitteln – moderne Technologien stellen echte Alternativen zu bisherigen Lösungen dar. Es wundert daher kaum, dass derBegriff ‚Internet of Things‘ zunehmend von der so genannten ‚Intelligence of Things‘ abgelöstwird.

Das sagt der Experte: „Die Pandemie hat aus unserem Zuhause oft auch noch ein Büro oder eine Schule gemacht – die Räumlichkeiten aber blieben begrenzt. Bei der Umwandlung von Räumen helfen den Bewohner*innen smarte Produkte. So sorgt smartes Licht am Esstisch tagsüber für Konzentration beim Arbeiten, während man abends mit einen Sprachbefehl die richtige Lichtszenerie fürs entspannte Dinner hat. Gerade mit diesem Anwendungsfall steigen aktuell viele Menschen ins Smart Home ein und erfahrungsgemäß wird dieses dann sukzessive ausgebaut. Erfreulich ist, dass sich immer mehr Hersteller öffnen und ihre Systeme zu Plattformen machen, über die auch die Geräte unterschiedlicher Hersteller miteinander interagieren beziehungsweise gemeinsam gesteuert werden können. Dadurch wir das Smart Home erst richtig smart. Denn smart ist es nicht, sein Haus übers Handy zu steuern. Smart ist es erst, wenn man gar nichts mehr machen muss und alles automatisch so läuft, wie man es sich wünscht.“

3. Digitalisierung unterstützt bei nachhaltiger Lebensführung

3. DIGITALISIERUNG UNTERSTÜTZT BEI NACHHALTIGER LEBENSFÜHRUNG

Das Bewusstsein für verantwortungsvolles und bewusstes Leben hat nicht erst seit Corona zugenommen. Und doch hat die Pandemie – zumindest peripher – ihre Finger im Spiel, wenn die CO2-Bilanz in einigen Bereichen des täglichen Lebens besser geworden ist. Angefangen bei Reisen, die durch Videocalls ersetzt werden, bis hin zum einem effizienteren Energiemanagement unter anderem durch den Einsatz smarter Thermostate und Heizungen. Wer daheim bleibt, setzt sich mit den Gegebenheiten vor Ort intensiver auseinander. Befeuert werden Entwicklungen dieser Art durch immer mehr erhobene, nutzbare respektive vernetzbare Daten. So helfen Wetterprognosen und Messdaten aus dem Garten nicht nur bei einer effizienten Klimatisierung der Räume durch Steuerung der Heizung, Klimaanlage oder Beschattung, sondern sorgen auch für Bewässerung und Steuerung des Mähroboters, der den alten Benzinmäher ersetzt hat. Smarte Zugangssysteme erhöhen Zustellquoten von Paketen und vermeiden unnötige Strecken. Große Potenziale haben auch Photovoltaik und Solaranlagen, wenn sie durch Vernetzung die Waschmaschine oder gar das Connected E-Auto laden.

Das sagt der Experte: „Smart Home ist ein Wachstumsmarkt, der 2021 sicherlich noch nicht seinen Zenit erreicht, aber in diesem Jahr sicherlich einen Schub erfahren wird – auch weil, Nutzer*inne sich intensiv(er) mit ihnen beschäftigen. Vernetzte Geräte werden zudem bei immer mehr Herstellern Standard – so sind beispielsweise die Geschirrspüler der Hausgeräte-Marke BSH ab 2021 Home-Connect-fähig und können nicht nur automatisch Nachschub bestellen und dezent übers Programmende informieren. Sie können sogar per App kurz mal leiser gemacht werden, wenn man kurz in Ruhe essen oder telefonieren will. Bei Letzterem unterstützen Smart Speaker und Displays ideal, sodass man auch im privaten Bereich sehr einfach Videotelefonie ins Familienleben integrieren kann und so besser in Verbindung bleibt. So vernetzen die Geräte eben nicht nur sich selber untereinander, sondern auch deren Benutzer für mehr menschlichen Kontakt.“

In Summe halten wir also fest, dass die neuen vernetzten Geräte nicht nur fancy sind, sondern neben Kommunikation, Gesundheit und Komfor, auch Sicherheit und Nachhaltigkeit unterstützen.


Jörg Heinemann

Jörg Heinemann ist Principal Innovation & Digitalisation beim Onlinehändler OTTO. Seine ausgewiesene Expertise zu den Themenkomplexen Internet of Things und Connected Home bringt er auch auf Verbandsebene beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. ein. Bevor er 2012 zu OTTO gestoßen ist, war er unter anderem im Online-Marketing von TUI Cruises und CineStar tätig. Jörg ist gern gesehener Speaker auf Fachkonferenzen und Panel-Talks. Sein Interview mit dem OTTO-Podcast O-Ton kann hier nachgehört werden.

Redaktion ottogroupunterwegs
 

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