Datenfreigabe: Keiner will sie, alle tun es
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Datenfreigabe: Keiner will sie, alle tun es

04/07/2019

Den meisten Konsumenten ist gar nicht bewusst, welche Daten sie bei der Nutzung digitaler Dienste – über die personenbezogenen Daten hinaus – tatsächlich freigeben. Faulheit? Naivität? Das Problem liegt viel tiefer.

Statistisch betrachtet passieren die meisten Unfälle in den eigenen vier Wänden. Dem Ort also, wo man selbstbestimmt agieren kann, alles unter Kontrolle hat – so die weitverbreitete Annahme. Doch Fehler passieren, sind menschlich. Das kann dann, wie gesagt, zu großem Schaden führen, manchmal kommt man (im wahrsten Sinne des Wortes) aber auch mit einem blauen Auge davon. Das gilt für den digitalen Raum genauso.

In der deutschsprachigen Bevölkerung bewegen sich etwa 63 Millionen Menschen ab 14 Jahren regelmäßig im Internet. Auch hier kommt es immer wieder zu Unfällen – besonders ärgerlich ist es, wenn diese auf den Missbrauch persönlicher Daten zurückzuführen sind. Verfolgt man die jeweiligen Spuren allerdings zurück, zeichnet sich in vielen Fällen ein deutliches Täterprofil ab. Im Fadenkreuz: der Nutzer selbst.

Studie_Otto Group_IFH_Datenfreigabe

Beispiel Onlineshopping: Von 2.000 im Zuge einer kürzlich veröffentlichte Studie¹ der Otto Group und des IFH Köln befragten Konsumenten gaben 51 Prozent an, noch nie Daten zum Kaufverhalten freigegeben zu haben. Gleichzeitig shoppen 90 Prozent regelmäßig online. Noch paradoxer das Bild bei der Nutzung des weit verbreiteten (und von Datenschützern durchaus kritisch betrachteten) Messenger-Dienstes WhatsApp: 95 Prozent verwenden ihn, zwei Drittel der Befragten behaupten allerdings, noch nie persönliche Kontakte freigegeben zu haben. Diese und weitere Erkenntnisse förderte die oben genannte Studie zutage, die aufzeigt, dass Internetuser nahezu fahrlässig mit ihren eigenen Daten umgehen. 

Nicht aus fehlender Sorgfalt, sondern vielmehr aus einer inneren Zerrissenheit heraus. Denn wer sich im Digitalen bewegt, agiert beim Thema Datenfreigabe grundsätzlich in einem Spannungsfeld, in dem Verhalten („Ich nutze gerne neue Technologien“), Meinung („Ich möchte so wenig von mir preisgeben, wie nur möglich“) und Bewusstsein („Mir ist gar nicht klar, was ich im Grunde alles von mir preisgebe“) stark auseinander gehen. Die Lösung des Problems liegt also im eigenen Verhalten. Doch wer liest schon AGB bis zur letzten Silbe durch? Oder checkt die Voreinstellungen einer just heruntergeladenen App  auf vermeidbare Datenweitergabe? Spoileralarm: Die wenigsten tun es. Dabei liegt in der Selbstbestimmtheit der Schlüssel zum Erfolg. Am Ende des Tages ein ganz analoger Prozess.


¹Die Studie „Handel mit der Zukunft“ des ECC Köln und der Otto Group nimmt die Digitalisierung der Gesellschaft, digitale Technologien und im Speziellen den Umgang mit Daten und Datenfreigaben in den Blick und analysiert, unter welchen Voraussetzungen sich digitale Angebote auf Konsumentenseite etablieren. Hierfür wurden im Januar 2019 zwei Fokusgruppen und fünf Tiefeninterviews mit Personen im Alter von 18 bis 49 Jahre an zwei Standorten in Deutschland durchgeführt sowie im März 2019 2.000 Internetnutzer im Alter von 18-69 Jahren befragt. Die Studie kann im Onlineshop des IFH Köln bestellt werden: http://www.ifhshop.de/handel-mit-der-zukunft.

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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