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Die Geschichte hinter dem Bild (III)

21/08/2017

Schon kurz nach dem Mauerfall hatte Hermes den Betrieb jenseits der innerdeutschen Grenze aufgenommen. Eine funktionierende Infrastruktur? Fehlanzeige! Die Geschichte eines logistischen Kraftakts.

Ein frostiger, aber sonnig-klarer Wintertag war es, als der Fotograf unseres heutigen Fotos im Winter 1989/90 in der Nähe von Dresden auf den Auslöser drückte – und einen Hermes-Transporter von Mercedes-Benz Seite an Seite mit einem hellblauen Trabant (noch mit DDR-Kennzeichen) ablichtete. Schon kurz nach dem Mauerfall hatte Hermes begonnen, jenseits der innerdeutschen Grenze Sendungen zuzustellen. Ein Kraftakt, der damals ohne Improvisation kaum möglich gewesen wäre. Lagerhallen beispielsweise waren in der DDR kaum zu bekommen, da diese meist nicht im Privatbesitz waren, sondern dem Staat gehörten. In Leipzig etwa war Hermes deshalb gezwungen, den Paketumschlag anfangs in einem gigantischen Zelt auf einem stillgelegten Autobahnabschnitt durchzuführen. Auch die Kommunikation in der Wendezeit war kompliziert. Hartmut Ilek, ehemaliger Geschäftsführer der damaligen Hermes Logistik Gruppe Deutschland, erinnerte sich 2011 im Interview: „In der DDR funktionierte, wenn überhaupt, das analoge C-Netz. Die Handys dazu glichen Feldtelefonen, wogen fast ein Kilo, die Gesprächsdauer betrug maximal eine Stunde und in den Tälern gab es keinen Empfang.“ Im Grenzgebiet kam hinzu, dass von den Behörden teilweise bewusst irreführend aufgestellte Verkehrsschilder die Orientierung der Boten erschwerten. Die falschen Wegweiser hätten im Falle eines Einmarschs westlicher Truppen für Desorientierung sorgen sollen – stattdessen aber verkomplizierten sie nun die Orientierung der Transportunternehmen. All das ist bald 30 Jahre her. Und aus den rund 4.000 Menschen, die damals in den 1990er-Jahren für Hermes arbeiteten, sind heute über 12.000 Mitarbeiter geworden, die Hermes weltweit repräsentieren – in Hamburg und Wien ebenso wie in London und Hongkong. Ob das jemand geahnt hat, damals, an diesem frostigen Wintertag in der Nähe von Dresden? 

Weitere Informationen über die Unternehmensentwicklung von Hermes in den 1990er-Jahren, darunter in der ehemaligen DDR, gibt es hier.

Redaktion ottogroupunterwegs
 

Kommentare

  • Michael Röder

    Als ich zum ersten Mal auf Tour in den "neuen Ländern" ging, hatte ich, neben den Paketen, einen Bleistift und einen Zeichenblock dabei. Stadtpläne für die vielen Gemeinden (40) meiner Tour gab es ja nicht. Also musste ich jede Straße in den Dörfern und Kleinstädten mir selber aufmalen, damit ich eine Orientierungshilfe in der Anfangszeit hatte. Heutzutage regt man sich schon auf, wenn mal eine Straße im Naiv fehlt.😀

    24/08/2017 20:24Uhr
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  • Henning Kahl

    Zum Thema Handy: Das analoge C-Netz war ein zellulares Mobilfunknetz der deutschen DeTeMobil (früher Deutsche Bundespost). Es war die dritte und gleichzeitig letzte analoge Generation des Mobilfunks in Deutschland mit ca. 850.000 Teilnehmern und vom 1. Mai 1986 bis zum 31. Dezember 2000 in Betrieb. Das erste digitale D-Netz in Deutschland wurde im Juli 1992 von der Telekom-Tochter DeTeMobil eingeführt.[14]

    28/08/2017 12:37Uhr
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