Die Hüterin der Daten
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Die Hüterin der Daten

26/04/2018

Dr. Sabrina Zeplin referiert auf der re:publica über KI in Unternehmen, Marketing und Datenschutz. Wir sprachen zuvor mit ihr über den weiblichen Tech-Nachwuchs und veränderte Rollenvorstellungen.

Daten, das sind die Goldnuggets des 21. Jahrhunderts. Daten helfen, mehr Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden zu bekommen. Als Direktorin der Otto Group Business Intelligence leitet Dr. Sabrina Zeplin ein vielfältiges Team aus Data Scientists, Data Architects oder Produktmanagern, das täglich an Algorithmen und datengetriebenen Lösungen für die über 100 Webshops der Gruppe tüftelt. Im Vorfeld der re:publica sprachen wir mit ihr über den weiblichen IT-Nachwuchs und veränderte Rollenvorstellungen. Die Otto Group unterstützt bei der re:publica das Topic "Fe:male Digital Footprint".

Sabrina, In Deutschland arbeiten viel weniger Frauen als Männer im MINT-Bereich. Worauf führst du das zurück und was könnte dagegen getan werden?

Dr. Sabrina Zeplin: „Das liegt meiner Meinung nach zu großen Teilen an der Sozialisation. Wir versäumen es, bei Mädchen eine Begeisterung für Technik und IT zu wecken und zu erhalten, bevor sich traditionelle Rollenmodelle verfestigt haben. In der Grundschule meines Sohnes bauen Mädchen noch mit großer Begeisterung Roboter, die sie dann programmieren und damit das Roboter-Fußballturnier gegen die Jungs gewinnen. Leider sind Grundschulen, die so etwas anbieten und fördern, in Deutschland die absolute Ausnahme.“


Wie wichtig waren weibliche Vorbilder für Deinen beruflichen Werdegang? Gab es überhaupt ein weibliches Vorbild für Dich? Wenn ja, aus welchem Bereich?

Zeplin: „Ich hatte im Leben viele gute Vorbilder, von denen ich gelernt habe – Männer wie Frauen. Am wichtigsten für mich war immer die Aussage meiner Mutter: ‚Du kannst alles, wenn Du es unbedingt genug willst.‘“


Eine Studie der Brigitte-Academy besagt, dass für Frauen in Deutschland finanzielle Unabhängigkeit und Absicherung mittlerweile wichtiger seien als der Wunsch nach Kindern. Wie können Unternehmen diesem Wandel der Rollenbilder vernünftig begegnen?

Zeplin: „Berufliche Selbstverwirklichung und finanzielle Unabhängigkeit sollten kein Widerspruch zu Familie sein. Aber: Beruflich erfolgreiche Frauen haben häufig Männer, die mindestens zu gleichen Teilen Verantwortung für die Kindererziehung übernehmen. Ich sehe einen deutlichen Trend, dass Männer diese Verantwortung auch gerne übernehmen wollen. Firmen können hier einen signifikanten Beitrag leisten, indem sie Elternzeit und insbesondere Teilzeitstellen ermöglichen. In meinem Bereich führt dieses Investment in Flexibilität zudem zu einer deutlich höheren Zufriedenheit der Mitarbeiter sowie zu mehr Loyalität untereinander, was sich natürlich wiederum positiv auf die Ergebnisse auswirkt.“


Welche Fähigkeiten sollten Menschen, die sich bei Dir bewerben, mitbringen? Man hört immer wieder, wie wichtig vermeintlich weibliche Fähigkeiten wie emotionale Intelligenz in der zukünftigen Arbeitswelt seien. Braucht es diese Fähigkeit überhaupt in Deinem Beruf als Direktorin der Otto Group BI? Wie relevant ist Fachwissen?

Zeplin: „Ich rekrutiere grundsätzlich eher nach Potential als nach Erfahrung. Gerade in Leading-Edge-IT Bereichen ist Fachwissen extrem schnell veraltet. Hier ist die Fähigkeit, schnell zu lernen, und eine Begeisterung für Neues zu haben, viel wichtiger. Auch kommunikative Fähigkeiten werden in Zeiten von agilem, vernetzten Arbeiten immer wichtiger. Es gibt daher keinen Grund für Frauen, sich das nicht zuzutrauen.“


Was würdest Du jungen Frauen heute in puncto Berufswahl raten?

Zeplin: „Allen jungen Menschen rate ich, sich mit IT auseinanderzusetzen. Durch künstliche Intelligenz werden in naher Zukunft ganze Berufsgruppen durch Algorithmen ersetzt werden. Erfolgreich werden diejenigen sein, die diese Algorithmen entwickeln können. Ansonsten kann ich besonders an junge Frauen nur appellieren, mutig zu sein! Wenn Ihr etwas wirklich wollt und hart genug daran arbeitet, seid Ihr nicht aufzuhalten. Eine Glasdecke gibt es nur in Euren Köpfen, sonst nirgends.“

Dr. Sabrina Zeplin

Dr. Sabrina Zeplin ist als Direktorin Business Intelligence dafür verantwortlich, die Otto Group zu einem Vorreiter digitaler Kundeninspiration zu entwickeln. Ihr Bereich agiert als Innovationslabor und Inkubator für datengetriebene Anwendungen und Geschäftsmodelle für die Gruppe und die über 100 Tochterfirmen der Otto Group.

Sabrina Zeplin spricht auf der re:publica über "Werbung auf den Leib geschneidert - KI in Unternehmen, personalisiertes Marketing und Datenschutz". Die Otto Group unterstützt zudem das re:publica Topic "Fe:male Digital Footprint". Das vollständige Programm der Otto Group auf der re:publica gibt es hier.  

 

 
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