21.
November
2016
Digitale Transformation am POS: Bereit für den Stresstest?

Digitale Transformation am POS: Bereit für den Stresstest?

  Redaktion ottogroupunterwegs
(Admin)

Weihnachten steht vor der Tür. Und wie jedes Jahr stürmen Massen von Menschen in Geschäfte und Einkaufszentren, um das perfekte Geschenk für Familie, Freunde und Co. zu finden – der ideale Stresstest für den Einsatz digitaler Lösungen auf der Fläche. Könnte man meinen. Ganz gleich ob kontaktloses Bezahlen, personalisierte Push-Nachrichten oder Couponing-Apps: Zur umsatzstärksten Zeit des Jahres kann die Digitalisierung des Point of Sale (POS) echte Mehrwerte für Händler und Verbraucher schaffen. Doch wie digital ist der stationäre Einzelhandel im Jahr 2016? Steckt er hierzulande noch in den Kinderschuhen oder steuert er bereits Champions-League-Niveau an? Fakt ist: Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung aller Lebensbereiche erwarten die Kunden auch Veränderungen im stationären Handel, insbesondere einen deutlichen Technologieschub, heißt es in einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung PriceWaterhouse Coopers.

Kundentypologien nach PWC.
Kundentypologien nach PWC.

Kann der stationäre Einzelhandel diese Erwartungshaltung bedienen? Florian Treiß, Gründer von Location Insider, Deutschlands Fachdienst zur Digitalisierung des stationären Handels, weiß: „Der Stationärhandel in Deutschland erkennt immer mehr die Chancen der Digitalisierung: Die Zeiten, das Internet als Feind zu geißeln, sind vorbei, stattdessen wird es immer mehr zum Freund, gerade seit dem Siegeszug der Smartphones. Das (mobile) Web kann zum Frequenzbringer werden, und zwar vor allem mit Geofencing-Kampagnen rund um die Filialen, Warenbestandsanzeigen der Filialen im Netz sowie Click & Collect. Allerdings wird dieses Potenzial in Deutschland noch von den wenigsten Händlern ausgeschöpft. Gleiches gilt für digitale Dienste direkt am Point of Sale: Indoor Navigation, Beratung per Tablet oder Mobile Payment sind längst noch nicht flächendeckend verfügbar, es gibt aber die ersten spannenden Praxis-Cases“.

Dazu zählt unter anderem Sportscheck. Der Multichannel-Sportfachhändler gehört zu den First Movern, was den Einsatz von Tablets und Beacons im Store betrifft. Auch 3D-Technologien stehen bei Sportscheck für die fortschreitende Digitalisierung am POS: Etwa bei der Beratung von Kunden zu Ski- und Wanderschuhen mithilfe eines Scanners. 

„Deutsche Händler sollten Innovationen verstärkt als Möglichkeit und weniger als Risiko betrachten“ 

Doch dies ist nur ein Beispiel. Die Frage bleibt: Wird der Store 4.0 als strategisches Thema von den Anbietern am Markt wirklich umfassend vorangetrieben? Oder herrscht durch den stark wachsenden Online-Handel eher Katerstimmung? Tim Wegner, Gründer und CEO von Minodes, einem Retail-Analytics-Anbieter für Einzelhändler und Werbekunden, erkennt vor allem ein Kopfproblem und fordert: „Deutsche Händler sollten Innovationen verstärkt als Möglichkeit und weniger als Risiko betrachten und die Kunden mit Innovationen fordern und begeistern. Schließlich sind die Möglichkeiten, die Händlern heute durch Beacons, Apps und Retargeting-Tools in die Hände gelegt werden, immens.“ 

Smartphone auch beim Offline-Shopping ständiger Begleiter

„I can't overstate how mobile is changing how we interact with our consumers”, sagte Joel Anderson, CEO von Wal-Mart, bereits 2012. Vier Jahre später gewinnt diese Aussage immer mehr an Kontur: Forschern des US-Marktforschungsunternehmens Euclid Analytics zufolge ist das Smartphone bereits heute ständiger Begleiter des Konsumenten – auch beim Offline-Shopping. Bei einer kürzlich durchgeführten Studie unter 1.500 Konsumenten stellte sich heraus, dass 55 Prozent das Device im Ladengeschäft zum Preisvergleich einsetzen. Nur acht Prozent nutzen die App des jeweiligen Anbieters vor Ort. Daraus folgt: Smartphones sind beim Offline-Shopping das Verbindungsstück zum Kunden, werden aber nicht effizient genug eingesetzt. Vor allem jetzt, kurz vor dem Fest, ist dies ein echtes Manko, denn „gerade die Weihnachtszeit ist ideal, um Store-Besucher zum Beispiel im Nachgang mittels Offline-zu-Online-Retargeting als Marken-Fans zu gewinnen“, so Tim Wegner. 


Artikelbild: Pexels.com



Kommentare

Kommentar schreiben

Hinweis
Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Verwandte Artikel

  •  
    08.
    November
    2018
    Vorsicht Minengebiet: Usability beim Online-Shoppen

    Vorsicht Minengebiet: Usability beim Online-Shoppen

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Heute ist World Usability Day – ein guter Anlass, um für einen kurzen Moment die Aufmerksamkeit auf einen Hidden Champion der digitalen Produktentwicklung zu lenken.

  •  
    02.
    November
    2018
    Kommt das Paket bald auf dem E-Longboard?

    Kommt das Paket bald auf dem E-Longboard?

    Nachgefragt bei
    Icon Michael Peuker
    (Sustainability Manager bei Hermes Germany)

    Lässt sich der Einsatz von Elektrokleinstfahrzeugen (u.a. E-Longboards) mit den Herausforderungen der Paketzustellung kombinieren? Wir baten einen Experten von Hermes Germany um eine Einschätzung.

  •  
    16.
    August
    2018
    „Menschen über 50 leben nicht in der digitalen Steinzeit“

    „Menschen über 50 leben nicht in der digitalen Steinzeit“

    Nachgefragt bei
    Icon Melanie Atencio u. Sebastian Keck
    (Mobile-Projektmanager Witt-Gruppe)

    Immer mehr Best Ager gehen ins Netz – auch übers Smartphone. Was bedeutet das für die Entwicklung von Shopping-Apps speziell für diese Zielgruppe? Zwei Experten geben Tipps.

Beliebte Artikel

  •  
    31.
    Januar
    2018
    10

    Blogparade #Zukunftsblick: Die Welt von morgen

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Autonom fahrende Autos, Shopping über Spracheingabe, Bitcoin statt Bargeld, eine neue Kultur in der Arbeitswelt: Wie sieht die Welt von morgen aus? Das Thema unserer Blogparade #Zukunftsblick.

  •  
    16.
    August
    2018

    „Menschen über 50 leben nicht in der digitalen Steinzeit“

    Nachgefragt bei
    Icon Melanie Atencio u. Sebastian Keck
    (Mobile-Projektmanager Witt-Gruppe)

    Immer mehr Best Ager gehen ins Netz – auch übers Smartphone. Was bedeutet das für die Entwicklung von Shopping-Apps speziell für diese Zielgruppe? Zwei Experten geben Tipps.

  •  
    24.
    August
    2018
    1

    Eine ordentliche Portion Mut für die Gewohnheitstiere

    Nachgefragt bei
    Icon Petra Scharner-Wolff
    (Konzernvorständin Finanzen, Controlling und Personal)

    Die Digitalisierung stellt die Welt auf den Kopf. In Zeiten des Wandels braucht es also: Mut. Petra Scharner-Wolff erklärt, wie ein Konzern lernen kann, mutig zu sein.

Neueste Kommentare

Katharina zu Podcast #13: (Fast) Alles über Conversational Commerce

"DEVICE = Gerät Wir haben auch im Deutschen viele ausreichende, gut beschreibende Worte. Warum werden..."
18.11.2018

Stefan Richter zu Podcast #13: (Fast) Alles über Conversational Commerce

"Interessant, wo sich das Business hinentwickelt"
01.11.2018

Stefan Richter zu Podcast #12: Hinter den Kulissen des Weihnachtsgeschäfts

"Schöner Überblick über Herausforderungen im Weihnachtsgeschäft."
01.11.2018

Neueste Tweets

  • Sebastian Klauke in den Vorstand der Otto Group berufen: https://t.co/WdcvdcEWdX ...

  • RT @hoellenpaul: „‚Mitarbeiter im Zentrum‘ ist oft nur eine Floskel.“ sagt Ramona Todte von ...

  • 18 #ecommerce-Trends für 2019 bei @etailment: Dr. Sabrina Zeplin @eszet, sieht ein "Jahr der ...