03.
Mai
2016
Digitale Transformation am POS: Warten auf den Startschuss

Digitale Transformation am POS: Warten auf den Startschuss

  Sascha Martini
(Chief Executive Officer, Razorfish Deutschland)

Sascha Martini

Die digitale Transformation ist in aller Munde und in vielen Branchen bereits voll im Gang. Im Einzelhandel hingegen bietet sich ein Bild, das mehr den Vorbereitungen auf ein wichtiges Rennen ähnelt. Aus dem Augenwinkel wird die Taktik der Konkurrenz gemustert, während man selbst am eigenen Trainingsprogramm feilt und gleichzeitig alle darauf warten, dass es endlich richtig losgeht. Wie das berühmte gallische Dorf scheint die Retail-Branche aktuell der letzte Ort zu sein, an dem die digitale Transformation ihren Durchbruch erlebt. Es werden zwar hier und da einzelne Technologien ausprobiert und ein paar Tests gefahren, von einem konkreten Roll-Out in die Shops ist dies meist jedoch noch meilenweit entfernt. Trotzdem ist man sich einig: Die digitale Transformation wird das nächste große Ding. Doch wann fängt es endlich an? 

Das Beispiel bahnbrechender Entwicklungen wie Social Media oder Big Data zeigt, dass über große Themen zunächst ein bis zwei Jahre geredet wird, bis sie schlussendlich richtig landen. Hinzu kommt, dass sich Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern meist etwas langsamer bewegt – sowohl aus kulturellen, als auch aus gesetzlichen Gründen (hier sei nur das Stichwort Datenschutz genannt). Nach dieser Rechnung wird der Startschuss für das digitale Retail-Rennen voraussichtlich erst in drei Jahren fallen.

Digitale Transformation erfordert ganzheitlichen Ansatz

Im Hinblick auf die rasante Geschwindigkeit technologischer Innovationen erscheint das wie eine halbe Ewigkeit. Doch bis dahin gibt es auch noch einiges zu tun. Aktuell besteht die primäre Aufgabe vielerorts noch in der Entwicklung von Lösungen, die für eine Vielzahl von Stores anwendbar und zugleich finanzierbar sind. Daher lautet ein besonders wichtiges Stichwort: Flexibilität. Zum einen bezüglich der Gestaltung des Shopping-Szenarios. Hier geht es darum, mit einer beliebigen Menge und diversen Formaten von Hardware individuelle Innenarchitektur-Konzepte umsetzen zu können. 

Zum anderen bezüglich der bestehenden IT-Infrastruktur des Unternehmens. Das heißt, die Lösung kann mit bestehenden CMS-Systemen kombiniert werden. Auf diese Weise ist es möglich, den Shop über die gleiche Plattform zu pflegen wie z.B. die Website. Der Vorteil: Für das Unternehmen entfallen dadurch die Kosten, die mit der Anschaffung eines zusätzlichen Content Management Systems sowie der Pflege einer weiteren Plattform entstehen. Gleichzeitig wird der Store ein Teil des Gesamt-Ökosystems der Marke und trägt damit zu einer kontinuierlichen Brand Experience über alle Kanäle hinweg bei.

Nur mit einem solch ganzheitlichen Ansatz macht die digitale Transformation für Retailunternehmen langfristig wirklich Sinn: Eine digitale Umgebung, die innovative Technologien mit dem physischen Store verbindet. In den kommenden Monaten und Jahren ist mit Entwicklungen in diese Richtung zu rechnen. 

Unabhängig davon ist zumindest jetzt schon eines sicher: Es wird sich viel ändern. Nicht nur bei den Unternehmen, sondern auch in den Köpfen der Verbraucher. Sie werden es schließlich sein, die die Vorzüge der digitalen Transformation als Standard-Leistung von den Unternehmen fordern. Denn ehrlich: Wer würde heute noch auf den Einsatz von Plastikkarten bei der Bezahlung verzichten wollen?


Als CEO ist Sascha Martini der führende Kopf von Razorfish Deutschland, einer global agierenden Agentur für digitale Transformation. Sein Credo: Veränderungen als Chance zum Fortschritt nutzen. Für seine Arbeit wurde Sascha Martini u. a. mit dem Red Dot Award sowie dem IF Design Award ausgezeichnet. Über seine Tätigkeit bei Razorfish hinaus engagiert er sich seit vielen Jahren im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW).  



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