Digitaler Festival-Sommer – Diese Veranstaltungen gibt es ab jetzt digital
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Digitaler Festival-Sommer – Diese Veranstaltungen gibt es ab jetzt digital

15/06/2020

Die Corona-Pandemie hat auch den Festival- und Konferenzsommer durcheinander gebracht. Doch einige Festivals haben ihre Formate digitalisiert sowie neue Eventideen entwickelt, mit denen wir uns in der Corona-Zeit nicht nur die Zeit vertreiben, sondern auch noch wichtige Updates über Innovationen und Trends aus der Branche mitnehmen können.

Im Juni sind wir mitten drin im Konferenz-Sommer. Gerade kommen wir aus dem Hamburger Millerntor Stadion, wo der „Digitale Kindergarten“ seine Tech-Spielwiese für Marketers und Kommunikationsexpert*innen für zwei Tage ausgerollt hatte. Morgen geht es nach Berlin, um ganz entspannt auf einer Dachterrasse zu sitzen und mit den Sprecher*innen vom Business-Festival „Hans & Marie“ über die Potenziale von Künstlicher Intelligenz zu debattieren. Zumindest lautete der Plan im März dieses Jahres noch so. Mit der Corona-Pandemie sieht das anders aus. Von South by South West über hub.berlin bis Online-Marketing-Rockstars – mitten in der Hochphase der Produktion und sogar kurz vor dem Eröffnungstag mussten Veranstalter*innen ihre Festivals und Konferenzen auf das nächste Jahr verschieben. Das über Monate zusammengestellte und sorgsam kuratierte Programm wurde damit größtenteils obsolet. Ein Schock für alle in der Branche, aber der richtige Schritt. Die Gesundheit der Teilnehmer*innen ging und geht vor, darin sind sich alle einig.  

Auf kopföffnende Gespräche, einen berauschenden Informations-Overflow und Tech-Spielereien müssen wir allerdings nicht verzichten. Einige Festivals konnten die Zeit des Innehaltens zum Experimentieren nutzen. Sie haben ihre Konferenzformate digitalisiert sowie neue Eventideen entwickelt, mit denen wir in der Corona-Zeit uns nicht nur die Zeit vertreiben, sondern auch noch wichtige Updates über Innovationen und Trends aus der Branche mitnehmen können. Von Lunch-Dates bis zur hybriden Digitalkonferenz – wir haben uns auf die Suche begeben und Euch Veranstaltungen zusammengestellt, die sich per Live-Stream in unser Home Office beamen. So lässt sich der Festival-Sommer genießen:

Das „New Normal“ im Sinne der Nachhaltigkeit  

Online-Konferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung am 15. Juni 2020

Auch der Rat für Nachhaltigkeit musste das jährliche „Klassentreffen“ der Nachhaltigkeitsszene in Berlin für Anfang Juni absagen und auf eine Online-Konferenz umschwenken. Einige Traditionen werden weiter gepflegt, so wird Bundeskanzlerin Angela Merkel auch in diesem Jahr sprechen. Auf andere schon liebgewonnene Traditionen müssen wir verzichten: kein Networken in der langen Schlange vor dem Einlass. Dafür gab es am Montag, dem 15. Juni, von 9:30-12:00 Uhr Online-Sesssions, in der die drängende Frage diskutiert wurde, wie sich das „New Normal“ im Sinne der Nachhaltigkeit gestalten lässt. 

Gerade in Zeiten, in denen die Corona-Pandemie auf die verheerenden Großbrände in Australien folgt und gleichzeitig Menschen weltweit für Diversität kämpfen und gegen Rassismus protestieren, wird noch einmal deutlich, dass die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen gleichermaßen dringlich sind und angegangen werden müssen. Themen wie Klimaschutz und Dekarbonisierung und der European New Deal stehen auf der Agenda der Konferenz ebenso wie Transformative Resilienz und damit die Frage: Wie lässt sich ein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell gestalten, so dass ökologische und soziale Herausforderungen gleichermaßen berücksichtigt werden? Wenn wir nicht jetzt Lösungen auf diese Frage entwickeln und umsetzen, wann dann?

Digitale Experimentierphase bis zum Analog-Digitalen Event 

„Road to solutions“ - Mini-Konferenz am 18. Juni 2020

„Gefühlt kann man gar nichts mehr so machen, wie man es eigentlich machen wollte“, erzählen die Organisatoren der Hamburger Digitalkonferenz solutions.hamburg. „Das haut einen erst einmal um. Aber dann hat bei uns der Spieltrieb eingesetzt und wir hatten richtig Spaß daran, die neuen technologischen Möglichkeiten auszuprobieren.“ Das Team darf noch darauf hoffen, dass ihr Event im September stattfindet, dann aber unter anderen Rahmenbedingungen als bisher. An lauschige Sommerabende auf Kampnagel inmitten der Tech-Szene ist momentan nicht zu denken. Verschieben? Absagen? Was tun? Die Hanseaten haben sich für ein hybrides Format entschieden, eine analog-digitale Konferenz. Die Zeit bis dahin nutzen sie, um die digitalen Möglichkeiten auszutesten. Bei der Entwicklung der Formate stellte sich für das Team vor allem eine Frage: Wie lässt sich das besondere Gefühl der solutions.hamburg, das auch durch die Location erzeugt wird, in den recht „unemotionalen, digitalen Raum“ transportieren? Ihre Lösung konnte Bettina Hermes, Head of solutions.hamburg, noch nicht verraten, aber ein Versprechen konnte sie geben: „Wir haben uns ein paar ganz besondere Dinge einfallen lassen!“ Das erste Ergebnis ihres Spieltriebs ist die zweiwöchige Eventreihe „road to solutions“, ein digitales Warm-Up bis September.  Am 18. Juni um 9:15 Uhr geht die erste kleine Mini-Konferenz aus der Reihe online. An diesem Tag widmet sich die solutions.hamburg unter dem Titel „Leadership in Times of Uncertainty“ der Führung in Zeiten der Krise und des Social Distancing, ein wichtiges Thema, das viele Unternehmen wie die Otto Group beschäftigt. Bleibt den Digital-Expert*innen nur noch eins zu wünschen: Mag der Server mit Euch sein!

Weekly Edition von Festival-Schwergewicht SXSW 

Online-Feature SXSW Sessions Online

Jedes Jahr im März befindet sich Austin, Texas, in einem flirrenden Ausnahmezustand. Über 70.000 Teilnehmer*innen pilgern dann zum Netzkulturfestival South-by-Southwest (SXSW), darunter zahlreiche illustre Gäste aus Hollywood und Tech-Gurus aus Silicon Valley. Ein solches Happening wie das SXSW zu digitalisieren, erscheint kaum möglich. Viel zu sehr lebt das Event vom Live-Charakter und dem Vibe, der durch die ganze Stadt pulsiert. Dessen ist sich auch das SXSW bewusst. „We know it can’t compare to the face-to-face interactions that make SXSW so special, but we’re honored to have some excellent speakers who are excited to share their time with you“, schreibt Roland Swenson, CEO & Co-Founder des SXSW auf der Website. 

Um zumindest einen Teil seines riesigen Programms mit der Welt zu teilen, hat das SXSW-Team im April ein wöchentliches Online-Feature „SXSW Sessions Online“  gestartet. Die Sessions mit anschließender Frage-Runde lassen sich live erleben oder auf Youtube nachträglich abrufen. Noch läuft nicht alles reibungslos auf der Plattform und manche Termine werden geschoben. Aber es gibt bereits einige Talks zu sehen. Zu den ersten digitalen Sprecher*innen zählt Futuristin Amy Webb, die über die Tech-Trends 2020 berichtet. Über das noch ungenutzte Potential von Virtual Reality haben sich wiederum Angela Watercutter, Senior Editor von Wired.Com, und Gabo Arora, Gründer des VR- und Social Impact Start-Ups Lightshed und Gründer des ISET Programms an der John Hopkins University, unterhalten. Als nächste Live-Session ist ein Gespräch mit Schauspieler Matthew McConaughey und Filmemacher Jeff Nichols geplant. Der Termin steht noch nicht fest, also „Stay tuned“.  

Ab ins Wochenende mit „Hans & Marie“ 

Das Lunch-Date „Zu Tisch“ am Freitag

Die Macher von „Hans & Marie“ bezeichnen ihr Event selbst als „Business-Festival für glückliche Menschen“. Ihr Mix aus internationalen Sprecher*innen, herrlichen Berliner Locations und ungewöhnlichen Eventideen machte bisher ehrlich gesagt recht glücklich. Im vergangenen Jahr gab es etwa einen Dinner-Abend mit fokussierten Talks. Die einen dinierten und sprachen in der 21. Etage der Charité mit Daniel Strech, Medizinethiker am Berliner Institute of Health, über Künstliche Intelligenz in der Medizin, andere vertieften das Wechselspiel von Veränderungsprozessen und kulturellen Identitäten in den Studios des Fashion- und Kunstkollektivs UY.

Das Festival fällt 2020 aus. Statt zum Dinner laden die Berliner nun jeden Freitag zum virtuellen Mittagsessen mit einem ausgewählten Gast. Am 19. Juni steht bereits das nächste Gespräch an. Diesmal ist Skateboard-Profi und Entrepeneur Titus Dittmann zu Besuch und philosophiert über „Mut zum Glück“. Für das Lunchdate benötigen die Teilnehmer*innen lediglich einen Zoom-Zugang. Es ist ein kleines, charmantes Angebot für die Mittagspause – ganz im Spirit des Festivals. 

Immersives Festivalerlebnis mit Vrham Virtual

Festival Hub im virtuellen Raum

Virtual Reality (VR) erinnere sie an die Anfänge des Internets, denkt Tea Uglow, Creative Director vom Google's Creative Lab in Sydney, nach: „Als Experimente noch möglich waren. Als Experimente eine Struktur hervorbrachten, die wir heute als absolut betrachten.“ Virtual Reality ebenso wie auch die Corona-Krise erinnerten uns daran, dass wir jederzeit Strukturen neu und anders denken können. Die Strukturen seien nicht so absolut wie sie scheinen. Mit diesen Worten eröffnete Uglow das Hamburger vrham Festival, das dieses Jahr seinen Festival Hub in den virtuellen Raum verlegte und darum unter dem Titel vrham Virtual lief. 

Wie lässt sich die Festivalstimmung virtuell abbilden, wie können zwischenmenschlichen Begegnungen und Interaktionen unter den Besucher*innen ermöglicht werden, die das Erlebnis so prägen? Virtual Reality könnte eine Antwort auf diese Fragen vieler Veranstalter sein, aber auch eine generelle Option, um Nähe in Phasen des Social Distancing herzustellen. Den Besucher*innen von vrham virtual wurden drei Möglichkeiten angeboten, um die Festivalwelt zu erkunden: simple per Computerscreen, etwas fortgeschrittener via mobiler VR-Brille oder immersiv in einer 360 Grad-Welt dank einer High-End-VR Brille. Wenn alle zuhause verweilen, dann ist VR eine zukunftsweisende Form, um Distanzen zu überbrücken und ein Gemeinschaftsgefühl zu stiften. Filmfestivals in Cannes und Tribeca erproben laut Ulrich Schrauth, dem künstlerischen Leiter von vrham, ebenfalls diese Möglichkeiten eines VR-Festivals. 

Die vrham-Konferenz lief zwar bereits vom 4. bis 7. Juni 2020. Die Sessions rundum die Potentiale von VR sind aber noch über verschiedene Kanäle online abrufbar. Wer die Möglichkeiten der Virtual Reality erproben, in die Räume der Innovation und des Grenzen-Austestens abtauchen möchte, der hat noch bis Anfang August Zeit, die Kunstausstellung im virtuell nachgebauten Oberhafen Quartier zu besuchen. Hier eröffnen Künstler ihre Experimentierfelder virtueller, erweiterter sowie gemischter Realität. 

Angedacht. Geplant. Verschoben – Events, die im Herbst und Winter stattfinden 

Für den Herbst und Winter stehen einige Events an, die noch auf analoge Begegnungen und Erlebnise hoffen lassen. So plant die Hamburger Digitalkonferenz Next am 17. und 18. September ihre Türen für Expert*innen aus Marketing, Kreation, E-Commerce und Digital Business zu öffnen. Für gewöhnlich im Buzz des Reeperbahn Festivals mitten auf dem bunten Kiez verortet, wird dieses Jahr das Next-Erlebnis ein anderes sein. Das räumen die Veranstalter ein.  Aber wie alle der Herbst- und Winter-Festivals plant auch die Next uns in einer möglichen Form begrüßen zu dürfen - ob analog, digital oder hybrid bleibt abzuwarten. Bis dahin üben sich die Hamburger ebenfalls in wöchentlichen Online-Formaten unter dem Titel „What’s NEXT“. Im Juni und Juli sprechen unter anderem Product Designer und Experte für User Interface Ben Sauer, Digital-Anthropologin Payal Arora und Efosa Ojomo, Leiter der Global Prosperity Research Group am Clayton Christensen Institute for Disruptive Innovation. 

Zuversichtlich gibt sich auch die Dmexco für ihren Termin am 23. und 24. September 2020. Als Veranstaltungsprofis fühlen sie sich in der Lage, „die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen“, schreiben die Kölner auf ihrer Website. Die Fachmesse und -konferenz für digitales Business, Marketing und Innovation steht dieses Jahr unter dem Motto „Attitude matters“. Und auch der Handelskongress hält an der Veranstaltung am 18. und 19. November 2020 fest. Im besten Fall werden dann unter dem Motto „Power of Purpose“ Themen wie die Digitalisierung des Handels und „Corona und die Auswirkungen auf Handel und Konsum“ in Berlin vor Ort und in Online-Formaten diskutiert. Mehrere Sprecher*innen haben ihre Teilnahme am Event bereits bestätigt, darunter auch Prof. Dr. Michael Otto, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Otto Group.  

Per Video in die Zukunft - Home Delivery der Ars Electronica 

Wer vom hier und jetzt in die Zukunft denken möchte, für den hält das Ars Electronica Center sein Home Delivery-Programm bereit. Das Museum in Linz ist nach wie vor geschlossen. Dafür bietet das Ars Electronica Center täglich digital geführte Touren durch die Ausstellung, die Labs und durch das Machine Learning Studio an. Dazu gibt es allerhand Online-Workshops mit Wissenschaftler*innen und Künstler*innen aus dem Kosmos der Ars Electronica. 

Das Programm der Home-Delivery-Serie vertieft jede Woche ein anderes Thema, immer an der Schnittstelle Kunst und Wissenschaft. Diese Woche drehte sich alles um „Neue Materialien“ und „Produktion von morgen“ mit Insights in Innovation auf dem Gebiet der Bio-Technologie und aus dem Bereich der BioArt. Alle Sessions sind nur live auf der Website oder dem Youtube-Kanal des Museums zu genießen. Das ist eine ganz reizvolle Beschränkung, wenn man die Fülle von immer verfügbaren Konferenz-Videos bedenkt. 


Titelbild: (c) Silpion Events GmbH

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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