Ein etwas anderer Start ins Berufsleben: Ausbildung während der Pandemie
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Ein etwas anderer Start ins Berufsleben: Ausbildung während der Pandemie

27/07/2021

Im August und September starten die nächsten Auszubildenden ihre Ausbildung in der Otto Group. Doch wie im vorherigen Jahr ist auch dieses Jahr vieles anders.

Der Beginn der Berufsausbildung ist ein besonderes und oft wegweisendes Ereignis im Leben: Die Schule endet, der Einstieg in die Arbeitswelt steht bevor. Letztere befindet sich durch die digitale Transformation seit geraumer Zeit in einem deutlichen Wandel. Dazu kommen nun die umfassenden Auswirkungen der Corona-Pandemie. Eine besondere und neue Situation für Auszubildende – und Unternehmen. Was ist anders 2021? Wie haben Corona, Homeschooling und Remote Work den Start ins Berufsleben verändert? Stimmen aus der Otto Group zum etwas anderen Ausbildungsstart.

Ausbildungen standen und stehen nicht infrage

Die Pandemie bestimmt noch immer unsere Lebens- und Arbeitswelt. Vieles ist daher anders, eines bleibt: Die Unternehmen der Otto Group sind Ausbildungsbetriebe und bleiben das auch. Das stand und steht nicht infrage. Für mehr als 200 Auszubildende und duale Student*innen im DACH-Raum beginnt im August und September die Ausbildung in der Otto Group in rund 40 verschiedenen Ausbildungsberufen und Studiengängen, darunter E-Commerce-Management, Fachinformatik Anwendungsentwicklung, Groß- & Außenhandelsmanagement, Mediengestaltung, Lagerlogistik und Textilbetriebswirtschaft.

Es ist bereits der zweite Jahrgang, der unter diesen besonderen Bedingungen ins Berufsleben startet. Wir nehmen den anstehenden Beginn der Ausbildungen zum Anlass, um uns im Konzern umzuhören, welche Erfahrungen unter diesen Herausforderungen bereits gesammelt wurden.

Onlinehandel als Zukunftsfeld

Die Bedeutung des Onlinehandels am gesamten Markt nimmt seit Jahren immer weiter zu. Corona hat dieser Entwicklung einen starken zusätzlichen Schub gegeben. Ob im E-Commerce selbst oder in anderen, vom Onlinehandel profitierenden Bereichen, wie der Logistik: Die Branche wird zunehmend attraktiver. Auch bei den Bewerbungen auf Ausbildungsplätze zeigt sich dieser Trend:

Elisabeth Liebschwager, Personalreferentin Ausbildung bei der BAUR-Gruppe

Durch Corona und den Boom des Onlinehandels hat unsere Attraktivität als Arbeitgeber in der Region noch einmal zugenommen. Das merken wir auch an der Qualität der Bewerbungen deutlich. Wir hatten immer schon tolle Bewerber*innen – aber das Niveau hat sogar noch einmal zugenommen. Onlinehandel als Zukunftsfeld ist noch mal anziehender geworden – und besonders der Ausbildungsgang der E-Commerce-Kaufleute stößt auf großes Interesse.

Elisabeth Liebschwager, Personalreferentin Ausbildung bei der Baur-Gruppe


„Der E-Commerce-Bereich wird stärker als bisher als zukunftsträchtige und attraktive Branche wahrgenommen. Insbesondere bei den E-Commerce-Manager*innen haben die Bewerbungen sehr stark zugenommen. Hier hat die Corona-Pandemie dazu beigetragen, den noch neuen Ausbildungsberuf weiter zu etablieren."

Anika Kühn, HR-Managerin Recruitment bei OTTO


„Sicherheit und Zukunftsperspektive sind immer Themen bei der Wahl des Ausbildungsplatzes. Aktuell gilt das sicherlich noch einmal deutlich mehr. Die Logistik-Branche hat sich gerade in der Corona-Zeit als systemrelevant erwiesen und ist zweifelsohne eine Branche mit Zukunft. Denn der E-Commerce wächst und benötigt reibungslose logistische Prozesse. Das Feedback bekommen wir sowohl von Bewerber*innen und Auszubildenden als auch von ihren Eltern. Und auch ein Mehr an Bewerbungen war durchaus spürbar.“

Sonia Kollwitz, Junior HR-Managerin / Ausbildungsleitung Hermes Germany

Sonia Kollwitz, Junior HR-Managerin / Ausbildungsleitung Hermes Germany

Wandel ist das einzig Beständige

Die Welt ist im Wandel. Es gibt kaum einen Bereich, auf den das nicht zutrifft. Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und lebenslanges Lernen werden zunehmend wichtigere Fähigkeiten - sowohl für jede*n Einzelne*n als auch für den Erfolg von Unternehmen. Corona erhöht das Tempo zusätzlich. Im Bereich der Ausbildungen zeigt sich das auf Unternehmensseite genauso wie bei Bewerber*innen. Im „Ausbildungsstart von Zuhause“ zeigt sich die Veränderung besonders deutlich. Das bietet Chancen, will aber auch gelernt sein.

Anna-Lena Esch, Referentin Ausbildung bei EOS

„Mit Beginn der Pandemie haben wir als Ausbildungsteam den Recruiting-Prozess komplett auf Remote-Modus umgestellt und hiermit super Erfahrungen gemacht. Egal ob Erst- oder Zweitgespräch oder sogar kleine Übungen, die wir im Auswahlprozess gestellt haben – das alles ließ sich digital super abbilden. Unsere Bewerber*innen hatten großes Verständnis dafür und vermutlich hat sich der*die eine oder andere sogar etwas sicherer gefühlt, da das digitale Interview zu Hause in gewohnter Umgebung stattfand und nicht in Präsenz vor Ort in einem Besprechungsraum bei uns.“

Anna-Lena Esch, Referentin Ausbildung bei der Eos Holding


Wir haben im letzten Jahr unsere Assessmentcenter für die Auszubildenden ganz fix auf remote umgestellt. Es musste schnell gehen und wir brauchen ein gut organisiertes Auswahlverfahren. Wir haben einfach ausprobiert und gemacht. Das hat super geklappt. Die Assessments haben sogar besser funktioniert: wir hatten sehr positives Feedback aus den Fachbereichen, die Betreuung war unkomplizierter und Bewerber*innen waren in heimischer Atmosphäre entspannter und weniger aufgeregt. Und deswegen bleiben wir auch dabei. Die Vorstellungsgespräche werden aber auch in Zukunft, wenn möglich, vor Ort geführt, um die künftigen Auszubildenden persönlich kennenzulernen.”

Elisabeth Liebschwager, Personalreferentin Ausbildung bei der Baur-Gruppe

Onboarding auf Distanz

Die ersten Tage im neuen Job sind häufig entscheidend für die langfristige Entwicklung. Für Auszubildende gilt das noch einmal mehr, sind es doch meist die ersten Erfahrungen, die sie im Arbeitsleben machen. Das Kennenlernen der Kolleg*innen, der Unternehmenskultur und das fachliche Einarbeiten nehmen einen besonderen Stellenwert ein. Wie wurde das erlebt?

Lilian-Zoe Wittenburg, Auszubildende Kauffrau für Büromanagement und Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Hermes Germany

Ich habe meine Ausbildung im letzten Jahr begonnen und auch schon mein Abi während Corona geschrieben. Homeschooling am Rechner war ich also gewohnt. Im Onboarding habe ich mich von Beginn an auch remote sehr gut abgeholt gefühlt. Durch virtuelle Gruppenarbeit gab es immer wieder viel Durchmischung und ich konnte auch meine Mitazubis gut kennenlernen. Aber den ganzen Arbeitstag am Rechner zu verbringen, war auch anstrengend. Und ‚Normalerweise würden wir das jetzt so und so machen...‘, war schon der Satz, den wir im Onboarding mit am meisten gehört haben.”

Lilian-Zoe Wittenburg, Auszubildende Kauffrau für Büromanagement und Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Hermes Germany

Maren Schluppeck, Auszubildene zur Kauffrau für Büromanagement mit Zusatzqualifikation Forderungsmanagement und Mitglied der Jugend und Ausbildungsvertretung bei EOS

Ich bin froh, dass ich noch ganz normal im Büro in die Ausbildung gestartet bin. Die Arbeit von zuhause erfordert sehr viel Selbstdisziplin und Motivation. Die Umstellung war schon erst mal eine Herausforderung. Die Tatsache, dass ich vorher bereits mit den Kolleg*innen im Büro zusammengearbeitet habe, hat mir geholfen mich auch von zuhause aus gut zu strukturieren.“

Maren Schluppeck, Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement mit Zusatzqualifikation Forderungsmanagement und Mitglied der Jugend und Ausbildungsvertretung bei Eos in Deutschland

„Die meisten Azubis wechseln von einer virtuellen Schulzeit in die virtuelle Ausbildung. Als Azubi wechselt man aktuell auch die Abteilungen mit einem Mausklick. Der Drang, sich untereinander besser kennenzulernen, ist entsprechend groß. Deswegen versuchen auch wir in der Jugend- und Auszubildendenvertretung alles, um den “Erstis” den bestmöglichen Start zu bieten und setzen uns sehr für digitale Vernetzungsformate und After Works ein. Zum Beispiel treffen wir uns alle 14 Tage zum virtuellen Lunch. ‘Ein S(ch)nack zwischendurch’ heißt das Format. Alle Azubis sind eingeladen – wer Zeit und Lust hat, ist dabei. Das ist Austauschformat und Safe Space in einem.”

Janus Brodersen, Auszubildender Groß- und Außenhandelsmanagement und Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei OTTO


Janus Brodersen, Auszubildender Groß- und Außenhandelsmanagement und Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei OTTO

Ausbildung in der Pandemie: Unsicherheit Trifft Aufbruch

Zu einem Ausbildungsbeginn in Zeiten von Corona gehört auch mehr als bisher Unsicherheiten auszuhalten und neue Wege zu gehen.

„Vielen Bewerber*innen fehlte durch Corona der Praxisbezug, Praktika konnten nicht stattfinden, fielen schlicht weg. Auch andere Möglichkeiten vergangener Jahre, wie beispielsweise Work & Travel, mussten entfallen. Orientierungslosigkeit war bei manchen schon ein spürbares Thema. In vielen Bewerbungen fehlte Entschlossenheit hinsichtlich der Entscheidung für eine bestimmte Ausbildung. Gleichzeitig hat sich das Einzugsgebiet der Bewerber*innen vergrößert evtl. auch ein Corona-Effekt. Auch verfügten die Bewerber*innen über deutlich besseres Selbstmanagement und Eigensteuerung. Das lernen Schulabgänger sonst oft erst im Studium. Hier sind die Azubis und Bewerber*innen durch das Homeschooling anderen Jahrgängen deutlich voraus.”


Anika Kühn, HR-Managerin Recruitment bei OTTO

Anika Kühn, HR-Managerin Recruitment bei OTTO

„Wir haben schon gemerkt, dass sich Menschen in der aktuellen Situation beruflich umorientieren und den beruflichen Neustart wagen, weil sie in ihrem bisherigen Job oder ihrer Branche Corona-bedingt keine Zukunftsperspektive mehr sehen. Wir hatten vermehrt und auch sehr gute Bewerbungen von Umschüler*innen auf Ausbildungsplätze. So starten in diesem Jahr auch einige Azubis außerhalb der klassischen Azubi-Altersklassen bei uns.“

Elisabeth Liebschwager, Personalreferentin Ausbildung bei der Baur-Gruppe

Remote funktioniert, aber Kultur braucht Nähe

Personalverantwortliche haben alles darangesetzt, den Bewerbungs- und Onboarding-Prozess so zu gestalten, dass die Neustarter*innen sich gut zurechtfinden, fachlich und menschlich, die Unternehmen und ihre Kultur kennenlernen. Denn die bedeutendste Herausforderung während der Corona-Pandemie ist, dass fast ausschließlich remote gearbeitet wird. Das gilt natürlich auch für den Ausbildungsstart. Fachliches kann remote vermittelt werden, aber wie sieht es mit der Unternehmenskultur aus? Gerade, wenn man erstmals ins Berufsleben eintritt?

„Gerade der Einstieg ist sonst von Gemeinschaft und Campusleben geprägt. Mit vielfältigen digitalen Formaten wollen wir, neben der fachlichen Einführung, besonders die Vernetzung der Auszubildenden fördern und ihnen den Start erleichtern. Das letzte Jahr hat gezeigt, dass das funktionieren kann. Es haben sich bereits echte Freundschaften entwickelt. Wichtig ist, auch im virtuellen Raum Platz für informelle Fragen zu schaffen. Aber unsere OTTO-Kultur müssen sie dann ehrlicherweise selbst erleben. Und dass sie das neu und anders tun, ist ganz klar. Sie dabei zu begleiten und zu sehen, wie dieser Jahrgang das dann zukünftig mal bewerten wird, wird auch für uns spannend.”

Anika Kühn, HR-Managerin Recruitment bei OTTO

„Unternehmenskultur im virtuellen Onboarding zu vermitteln ist auf jeden Fall die größte Herausforderung, schließlich ist sie nur schwer greifbar. Gemeinsam mit unserem Culture Change Team versuchen wir das Thema intensiv zu besprechen und zu transportieren, z. B. wenn wir über das Miteinander sowie die Zusammenarbeit und gegenseitigen Erwartungen sprechen. Unsere Auszubildenden sollen verstehen, dass sie als vollwertige Mitarbeiter*innen Teil dieser Kultur sind. Deswegen nimmt sich auch unsere Geschäftsführung ebenfalls Zeit, um unsere Nachwuchskräfte willkommen zu heißen. Auch unser Buddy-Programm – jede*r neue Azubi bekommt einen Azubi der anderen Jahrgänge als Paten*Patin – hilft nicht nur beim Onboarding sehr. Der Austausch mit Kolleg*innen macht Unternehmenskultur erlebbar. Beides gab es auch vor Corona, ist remote aber noch wichtiger geworden.”

Sonia Kollwitz, Junior HR-Managerin / Ausbildungsleitung Hermes Germany

„Ich habe das Gefühl, dass es für den Ausbildungsjahrgang nach mir schwieriger ist, anzukommen. Es ist leichter, wenn man sich ”live” kennenlernt. Da bricht das Eis schneller und man hat weniger Hemmungen, sich in Meetings oder größeren Runden einzubringen. Wenn man sich nur virtuell kennenlernt, ist man gerade als Berufseinsteiger*in bzw. Auszubildende*r sicherlich zurückhaltender.”

Maren Schluppeck, Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement mit Zusatzqualifikation Forderungsmanagement bei Eos in Deutschland

Ausbildung 2021

Und in Zukunft?

Bedingt durch die noch immer volatile Pandemielage und den permanenten Wandel bleibt der Blick in Zukunft vage. In der Otto Group setzen wir nach vorne heraus auf hybride Arbeitsmodelle. Wie diese individuell ausgestaltet werden, beschäftigt aktuell Konzernunternehmen und Kolleg*innen überall in der Unternehmensgruppe. Sicher ist: Die Arbeitswelt der Zukunft wird auch für Auszubildende eine andere sein. Dabei werden sie aber nicht nur Getriebene sein, sondern mit ihren Wünschen, Werten und den ganz besonderen Erfahrungen, die sie in ihrer Ausbildung sammeln, die Zukunft und Kultur der Otto Group mitprägen.


„Wenn man bereits eingearbeitet ist, ist eine Kombination aus Remote Work und Arbeit im Büro toll. Man kann so die eigene Work-Life-Balance toll gestalten. Ich würde mir wünschen, dass ich diese Möglichkeit auch in Zukunft in meinem Berufsleben habe.“

Maren Schluppeck, Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement mit Zusatzqualifikation Forderungsmanagement bei Eos in Deutschland


„Viele der Auszubildenden, die ab 2019 gestartet sind, können sich gar nicht vorstellen, in Zukunft langfristig oft auf dem Campus zu arbeiten, weil ihre Ausbildung eben mehrheitlich remote stattgefunden hat. Das Ergebnis ist ein komplett anderes Mindset. Es wird spannend zu sehen, wie wir gemeinsam mit diesen jungen Kolleg*innen die hybride Zusammenarbeit gestalten und wie diese Erfahrungen die Unternehmenskultur nachhaltig prägen.”

Anika Kühn, HR-Managerin Recruitment bei OTTO

Anika Kühn, HR-Managerin Recruitment bei OTTO

„Das remote Arbeiten hat schon auch positive Seiten. Zum Beispiel ist so der Draht zu unseren Kolleg*innen in den Areas tatsächlich viel enger geworden. Das ist echt klasse. Aber ich vermisse das Büro und die gemeinsamen Mittagspausen mit den Kolleg*innen. Wir setzen uns bei Hermes bereits damit auseinander, wie ein künftiges hybrides Arbeiten bei uns im Unternehmen aussehen könnte. Ich bin sehr gespannt und finde persönlich einen Mix aus mobilem Arbeiten und dem Arbeiten vor Ort gut!”

Lilian-Zoe Wittenburg, Auszubildende Kauffrau für Büromanagement und Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Hermes Germany

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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