24.
August
2018
Eine ordentliche Portion Mut für die Gewohnheitstiere

Eine ordentliche Portion Mut für die Gewohnheitstiere

  Nachgefragt bei Petra Scharner-Wolff
(Konzernvorständin Finanzen, Controlling und Personal)

Menschen sind eigentlich Gewohnheitstiere. In vertrauter Umgebung fühlen sie sich oft besonders wohl. Ein Grund: Gewohnheiten helfen bei der Reduzierung von Komplexität im Alltag. Was immer so gemacht wurde, muss nicht neu geprüft und bewertet werden.

Heute funktioniert die Welt anders. Der digitale Wandel führt zu rasanten Veränderungen in allen Lebensbereichen und dazu, dass auch die Gewohnheiten sich verändern. Dies gilt beruflich wie privat. Dazu braucht es vor allem eines: MUT. Petra Scharner-Wolff, Konzernvorständin Finanzen, Controlling und Personal der Otto Group, spricht im Interview über eine menschliche Eigenschaft, die wir alle stärken sollten.                                                


Liebe Petra, es gibt eigentlich keinen Bereich des Lebens, der nicht durch die Digitalisierung auf den Kopf gestellt wird, so auch die Arbeitswelt. Neben Technologie und neuen Tools, was hat sich sonst noch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter grundlegend geändert?

Petra Scharner-WolffPetra Scharner-Wolff: „In der Tat: Die Digitalisierung verändert unser Leben vollständig, beruflich wie privat, und das in einem rasanten Tempo. Vor allem im Job müssen wir alle uns nicht nur an eine höhere Geschwindigkeit in Entscheidungsprozessen gewöhnen. Wir sind auch gefordert, mehr Verantwortung zu übernehmen, Innovationen anzustoßen und hierarchiefreier zu agieren. Vernetzung und interdisziplinäre Zusammenarbeit werden immer wichtiger, übergreifende Projektstrukturen und der veränderte Umgang mit Führung wollen gelernt werden. All das bringt zunächst sicherlich eine gewisse Unsicherheit mit sich. Auf lange Sicht ist es aber auch eine große Chance für jeden Einzelnen. Denn Menschen werden in der Digitalisierung auch sichtbarer, ihre individuellen Stärken und Ideen werden gebraucht." 


Und was ist nötig, um in dieser neuen Welt nicht nur zu bestehen, sondern diese bestenfalls sogar aktiv zu gestalten?

Petra Scharner-Wolff: „Wer in einer sich ständig verändernden Welt weiterhin gestalten will, muss Unsicherheit aushalten können. Und dafür braucht es: MUT! Mut zur Veränderung, Mut, alte Zöpfe abzuschneiden, Prozesse zu verändern, Ideen einzubringen und die Chancen, die die Digitalisierung bringt, zu ergreifen. Das bedeutet vor allem, eine neue Kultur des Experimentierens aufzubauen. „Trial and Error“ kann genauso gut auch „Trial and Success“ bedeuten. Dabei dürfen wir uns nicht nur an die eigenen Konzepte und Ideen klammern, sondern müssen flexibel sein. Das bedeutet beispielsweise, sich zunehmend mehr zu öffnen und sich gegebenenfalls auch in komplett neuen Teamstrukturen zu bewegen. Denn um Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit zu finden, ist es unabdingbar, sich neu zu vernetzen."


Welche Besonderheiten siehst du hier im Konzernumfeld? Kann ein Konzern lernen, mutig zu sein? Wenn ja, wie?

Petra Scharner-Wolff: „Da bin ich ganz sicher, ja. Und es ist absolut notwendig. Um zu einer wirklichen „Mut-Kultur“ zu kommen, sind mehrere Schritte nötig. Die Grundlage ist zunächst eine offene und transparente, von Vertrauen und Wertschätzung geprägte Kultur, in der Fehler nicht verteufelt werden. Diese muss vom Vorstand vorgelebt werden. Ich will nicht sagen, dass Fehler an sich gefeiert werden sollten. Ein offener Umgang damit bedeutet aber, dass auch andere die Chance haben, dadurch zu lernen und besser zu werden. Hier sind wir in der Otto Group, angestoßen durch unseren Kulturwandel 4.0, schon ein gutes Stück weitergekommen. Uns geht es um Vorbilder, Kommunikation und Vernetzung. Wir glauben daran, dass schon viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihre eigene persönliche Weise Mut zeigen. Indem wir diese Geschichten erzählen und kommunizieren, fühlen sich andere inspiriert und buchstäblich „ermutigt“. Im ersten Otto Group #Mut-Festival, das jetzt im August stattfindet, kommen viele Kolleginnen und Kollegen aus der Otto Group zusammen, tauschen sich aus und gehen anschließend mit den neuen Erkenntnissen zurück in ihre Konzerngesellschaften. So entstehen Netzwerkeffekte, die sich verstärken. Um es bildlich auszudrücken: Wir schaffen ein „Spielfeld“, auf dem wir spielen können und gewinnen nach und nach immer mehr „Spieler“ dazu. Wir werden zu einer Bewegung. Und so lernt auch der Konzern insgesamt, mutig zu sein!"




1

Kommentar

  • Otto Mut-los

    "Mutig WÄRE die OTTO Group gewesen, wenn sie nicht alle 400+ Freelancer wegen *eines* ANÜ Falles von einem externen Telefonisten rausgeworfen hätte. Sondern mit Ruhe und Augenmaß wie ALLE anderen DAX Konzerne weiter gesegelt wäre... Naja, hätte hätte Fahrradkette.

    Aber MUT wurde ersetzt durch Ängstlichkeit. Daher wirkt dieser Artikel ganz schön Alibi-feigenblattmäßig. Aber lassen wir die Marketing-Abt. ruhig so tun, als wäre OTTO *total* mutig und aufgeschlossen...

    "

    28. August 2018 08:26

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