17.
September
2018
„Es geht auch um ein Umdenken in Sachen Nachhaltigkeit“

„Es geht auch um ein Umdenken in Sachen Nachhaltigkeit“

  Nachgefragt bei Peter Jegutzki
(CO-Founder & CEO AZOWO)

Mobility Sharing wird für Unternehmen und Organisationen nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen immer interessanter. Mit AZOWO bietet ein 2015 gegründetes Startups aus Süddeutschland eine attraktive Lösung in diesem Bereich – und sorgt ganz nebenbei auch noch für einen Paradigmenwechsel unter Topmanagern.

Mit Eurem Geschäftsmodell hält das Carsharing seinen Einzug in den Business-Bereich. Was macht gerade diesen Markt so attraktiv?

Peter Jegutzki: „Im B2C-Bereich ist Carsharing ja schon relativ weit verbreitet und gerade im urbanen Raum geht der Trend ganz klar zum Teilen, ob PKW, Motorroller, Fahrräder oder sogar Transporter. Die Entwicklung im B2B-Bereich ist gerade deshalb spannend, weil viele Unternehmen sehr ineffiziente Fuhrparks haben. Mit jedem Fahrzeug, das ungenutzt auf dem Firmenparkplatz steht, verliert das Unternehmen bares Geld. Hier setzen wir mit unserer Software an, mit der Fuhrparks bis zu 40 Prozent effizienter ausgelastet werden können, und versuchen, Unternehmen zum Umdenken zu bewegen. Ad hoc an die Situation und Auslastung des Fuhrparks angepasst, werden Fahrzeuge flexibel da eingesetzt, wo und wann sie gebraucht werden. Aber wir möchten nicht nur Unternehmen ansprechen, sondern auch öffentliche Einrichtungen und Institutionen mit eigener Fahrzeugflotte. Ein weiterer Aspekt, der den Markt attraktiv macht, ist die häufig sehr heterogene Zusammensetzung von Fuhrparks: Unternehmen wechseln in der Regel im Laufe der Jahre häufiger mal den Hersteller, was zur transparenten Verwaltung eine flexible, herstellerunabhängige Lösung erfordert, die an wechselnde Anforderungen angepasst werden kann. Dieser Herausforderung stellen wir uns mit AZOWO.“


Top-Manager, die sich einen Dienstwagen teilen: Wie realistisch ist dieses Szenario?

Jegutzki: „Es geht auch um ein generelles Umdenken in Sachen Nachhaltigkeit. Natürlich gibt es Anlässe wie bestimmte Kundentermine, zu denen der Dienstwagen etwas hermachen soll. Aber auch dabei ist nicht zu unterschätzen, dass ein Elektro-Smart im Zweifel einen ebenso, im wahrsten Sinne des Wortes, nachhaltigen Eindruck hinterlassen kann. Wir beobachten immer wieder, dass auch – oder gerade Topmanager – die Möglichkeiten des Mobility Sharings gut annehmen. Die Freiheit zu haben, auch mal für kürzere Strecken auf den Roller zu wechseln, für Kundentermine in kleinen Städten auf den parkplatz- und stadtfreundlichen Kleinwagen umzusteigen oder für den Familienurlaub auf einen geräumigen, spritsparenden Kombi zu wechseln, ist doch toll und lässt Wahlmöglichkeiten bei der Frage, wie wir von A nach B kommen wollen. Zudem ist zum Beispiel die Parkplatzsuche für Mitarbeiter, die im urbanen Raum leben, häufig eher lästig.“

Peter Jegutzki

Ist das klassische Fuhrparkmanagement mit AZOWO angezählt? Was wird dann aus Manni und seinem Klemmbrett?

Jegutzki: „Wir wollen das Fuhrparkmanagement und Manni ja nicht abschaffen, sondern einfacher, effizienter, transparenter und anwenderfreundlicher gestalten. Mannis Klemmbrett wird quasi digital und er muss künftig nicht mehr selbst den Fuhrpark ablaufen und sich mit Stift und Zettel Notizen machen, sondern sieht bestimmte Fahrzeugdaten wie Kilomenterstand, Füllstände, etc. direkt und in Echtzeit in unserer Software transparent aufgelistet. Dadurch wird er zur zentralen Steuereinheit im Unternehmen, was seine Position noch wichtiger macht. Idealerweise hat Manni also mehr Spaß und Freude an seinem Job, da der Alltag deutlich einfacher für ihn wird und er dabei mehr Verantwortung trägt.“


Ist Teilen das neue Rauchen?

Jegutzki: „Auch beim Rauchen ist der Wechsel zu E-Zigaretten ja stark auf dem Vormarsch. Aber Spaß beiseite: Dass vor allem im Bereich Mobilität klassische Statussymbole an Bedeutung verlieren, sieht man ja sehr deutlich im B2C-Markt. Die Innenstädte sind voll mit gemeinschaftlich geteilten Fahrrädern, E-Rollern, Autos und sogar Transportern. Nicht nur im urbanen Raum merken die Menschen, dass diese Angebote sehr praktisch sind, und werden diese Erfahrung nach und nach auch in ihre berufliche Umgebung hineintragen. Unternehmen werden umgekehrt früher oder später feststellen, dass sie durch die Nutzung von B2B-Sharing-Konzepten nicht nur flexibler und nachhaltiger werden, sondern auch deutlich an Kosten einsparen. Besonders positive Erfahrungen haben wir bisher mit öffentlichen Institutionen, Städten und Gemeinden gemacht, die teilweise sehr offen für neue Mobilitätskonzepte sind und damit einen großen Teil zur ‚Smart City′ beitragen. In Kooperation mit Wohnungsbauunternehmen und öffentlichen Trägern arbeiten wir hier an spannenden Ansätzen, die das Thema Sharing Economy noch sichtbarer machen und weiter vorantreiben werden. Am Ende ist es hier ähnlich wie beispielsweise beim Rauchverbot: Die Umgewöhnung braucht seine Zeit, aber neue Generationen wachsen mit dem Sharing-Gedanken auf und kennen es gar nicht mehr anders. Und fragen sich mit Blick auf die Vergangenheit, wie man damals so ‚ungesund‘ Leben konnte.“


Azowo Visual

AZOWO bietet eine B2B-Mobilitätsplattform für die digitale Verwaltung und Optimierung von Fuhrparks. Mit der flexiblen, cloud-basierten Software für Flottenmanagement und Shared Mobility, können Flotten und Fahrzeugpools effizienter verwaltet und effektiver optimiert werden. AZOWO ermöglicht eine effiziente Verwaltung, höchstmögliche Datentransparenz und eine effektive Optimierung durch automatisierte Prozesse und umfangreiche Statistiken und Reportings. Das Unternehmen wurde 2015 von Peter Jegutzki, Andreas Kopf und Patric Schneider mit Sitz in Biberach gegründet. Zu den Investoren zählen unter anderem der Berliner Operational VC Project A Ventures.



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