Generation Equality – Der Internationale Frauentag 2020 und warum wir ihn feiern sollten
Generation Equality – Der Internationale Frauentag 2020 und warum wir ihn feiern sollten
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Generation Equality – Der Internationale Frauentag 2020 und warum wir ihn feiern sollten

06/03/2020

Der Internationale Frauentag 2020 ist nicht nur ein weiterer Aktionstag unter vielen, die irgendwas zelebrieren, sondern er ist wichtig. Wir nennen triftige Gründe, warum das so ist.

Am 8. März, dem Weltfrauentag, geht es längst nicht mehr nur um Frauenrechte. Es geht um Gleichstellung aller und damit auch um Diversität. Denn mit der Frage, wie Frauen in einer Gesellschaft gleichberechtigt behandelt werden, schließen sich mittlerweile auch viele Fragen an, die nicht mehr nur explizit auf Frauen bezogen sind: Wie können wir endlich Heteronormativität überwinden, traditionelle Geschlechterrollen aufbrechen und Rassismus bekämpfen. Denn es geht darum, nicht nur die Gleichberechtigung von Frauen zu verhandeln, sondern zu fragen, was Gleichberechtigung aller Menschen bedeutet und wie wir dies erreichen. Der Internationale Frauentag 2020 ist damit nicht nur ein weiterer Tag unter vielen, die irgendwas feiern, sondern er ist wichtig und das sind einige Gründe warum: 

 Minimale Erfolge auf den Vorstandsetagen

Laut einer Analysevon EY ist der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen der Dax-, M-Dax- und S-Dax-Unternehmen 2020 im Vergleich zu 2019 leicht gestiegen und liegt jetzt bei 9,2 Prozent. Entsprechend sitzen 64 Frauen in Vorstandsgremien der rund 160 Unternehmen, drei Frauen mehr als noch im Vorjahr. Demgegenüber besetzen 633 Männer eine Vorstandsposition.

100 Jahre bis zur Gleichberechtigung

Jedes Jahr legt das Weltwirtschaftsforum den „Global Gender Gap Report“ vor. Die aktuelle Studie prognostiziert, dass die Weltgemeinschaft noch mindestens ein Jahrhundert benötigen wird, um eine Gleichberechtigung der Geschlechter weltweit zu erreichen, wenn wir das aktuelle Tempo beibehalten. Der Report merkt an, dass sich nach wie vor die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern in der Wirtschaft zeigen. Um die Geschlechtergerechtigkeit zu fördern, fordert das Weltwirtschaftsforum darum die Gehalts- und Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern zu reduzieren und die Elternzeit für Väter zu verlängern.

Zudem stagniere der Anteil der Frauen am Arbeitsmarkt weltweit: Gut die Hälfte der erwachsenen Frauen hat gemäß dem Bericht einen Job, bei den Männern seien es mehr als drei Viertel (78 Prozent). Und: Es sind immer noch zu wenig Frauen in neuen Berufsbildern repräsentiert. Im Ingenieurwesen sind rund 15 Prozent Frauen tätig, in den Bereichen „Daten und KI“ sind laut Studie circa 26 Prozent.

Es ist alles eine Frage der Erzählung...

Bisher dominieren oft erfolgreiche Männer die Erzählungen über Karriere und Erfolg und damit auch die Podien der Konferenzen. Es wird Zeit, dass wir unseren Fokus hier verändern und beginnen, auch Geschichten und Diskussionsrunden divers zu gestalten. Sicher - es fällt leicht, zentrale Staatsoberhäupter zu benennen. Aber wie sieht es mit Frauen aus? Klar, Deutschland wählte 2005 mit Angela Merkel die erste Bundeskanzlerin, Irland aber ernannte bereits 1990 mit Mary Robinson seine erste Staatspräsidentin, die auch für ihr Engagement für Klimagerechtigkeit bekannt ist. In Norwegen übernahm Gro Harlem Brundtland schon 1981 den Vorsitz der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet (Ap) und wurde am 4. Februar 1981 zur ersten Ministerpräsidentin Norwegens gewählt. Auch wurde Brundtland Vorsitzende der World Commission on Environment and Development der Vereinten Nationen, die mit ihrem Abschlussbericht „Our Common Future“ den Begriff des Sustainable Development, deutsch „Nachhaltige Entwicklung“, prägte. Auch aktuell können wir von jungen, starken Frauen erzählen: Die Klimaaktivistinnen Greta Thunberg und Luisa Neubauer bewegen unsere Gesellschaft ebenso wie die US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez und Sanna Marin, die Ende 2019 die Regierungsgeschäfte in Finnland übernahm. Mit ihr sitzen nun elf Frauen und sieben Männer im finnischen Kabinett.

... und das gilt auch fürs coden!

Spricht man über prägende Persönlichkeiten im Tech-Business, fallen sofort die Namen von Microsoft-Gründer Bill Gates und Apple-Chef Steve Jobs. Klar, das Tech-Business ist ein von Männern dominierter Wirtschaftszweig. Das lässt sich nicht bestreiten. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Branche nicht von Frauen geprägt wurde:

Augusta Ada Byron King, bekannt als Ada Lovelance, gilt als eine der Vordenkerinnen der Informatik. Sie schrieb 1843 den allerersten Algorithmus, der sich als rudimentäres Computerprogramm bezeichnen lassen kann. Die Yale-Absolventin Grace Hopper wiederum startete 1944 ihre Karriere als Programmiererin bei der US-Navi. Sie arbeitete an Projekten wie Mark I, dem ersten vollelektronischen Großrechner der Welt, und an der Entwicklung der Programmiersprache COBOL. Und nicht zu vergessen: Die drei afroamerikanischen Mathematikerinnen Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson haben dazu beigetragen, dass die NASA ihr Mercury- und Apollo-Programm umsetzen konnte. Ihre Geschichte hält der Film „Hidden Figures“ fest. Es ist wichtig, sich an diese Persönlichkeiten zu erinnern und anderen von Ihnen zu erzählen, um Vorurteilen wie „Mädchen können kein Mathe“ zu begegnen und der kommenden Generation an Frauen zu zeigen, dass sie nicht nach diesen Klischees leben muss.

Future is Female
Future is Female

noch ein paar schnelle Fakten zum Internationalen Frauentag

  • Das Motto des United Nations Internationalen Frauentages 2020 lautet: „I am Generation Equality: Realizing Womens Rights.

  • Der Weltfrauentag wird Feiertag: Berlin hat als erstes Bundesland 2019 den Weltfrauentag zum offiziellen arbeitsfreien Feiertag erklärt.

  • Den ersten offiziellen Frauentag rief die Frauenorganisation der Sozialistischen Partei Amerikas (Socialist Party of America, SPA) 1909 ins Leben, um für das Frauenwahlrecht zu demonstrieren. Die Wahl des Tages fiel damals auf jeden letzten Sonntag im Februar, um damit auch an den Streik von Hemden-Näherinnen in New York zu erinnern, die 1908 gegen ihre Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken protestiert hatten.

  • Die Vereinten Nationen und die Frauenrechte: Nach kriegsbedingten Pausen und verschiedenen Daten verabschiedet die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 16. März 1977 eine Resolution, in der sie alle Staaten auffordert, einen Tag des Jahres zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ zu feiern. In 26 Staaten wird seither der 8. März als gesetzlicher Feiertag gefeiert – darunter einige ehemals sozialistische Staaten wie Russland, Belarus, Ukraine, Georgien und die Republik Moldau, aber auch Nepal, Burkina Faso oder Sambia.

  • Das Ziel Nummer 5 der 17 Sustainable Developement Goals (SDGs) erklärt „Geschlechtergleichstellung“ und die „Befähigung aller Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung“ als zentrales Ziel für die Weltgemeinschaft. Die SDGs wurden 2015 von der UN Generalversammlung verabschiedet und benennen 17 Ziele, die bis 2030 von der Weltgemeinschaft erreicht werden und auf die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft einzahlen sollen – um sowohl die planetaren Grenzen nicht zu überschreiten, aber auch die soziale Gemeinschaft zu stärken. Das Ziel teilt sich in weitere Unterziele auf. Neben der Bekämpfung von häuslicher Gewalt wird auch das Empowerment von Frauen in Wirtschaft und Politik gennant.


podcast-Tipp 

Nantjen Küsel

 

 
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