07.
Februar
2017
Kann bald jedes Unternehmen als Bank auftreten?

Kann bald jedes Unternehmen als Bank auftreten?

  Constance Stein
(Innovation Manager Otto Group)

Banking as a Service (BaaS) beschreibt einen Service, mit dem auch Unternehmen abseits der Finanzwelt Bankleistungen für ihre Kunden anbieten können. Ein bekanntes Beispiel stellt die Zusammenarbeit zwischen dem Mobilfunkanbieter O2 und dem FinTech Fidor dar: Von jetzt an können O2-Kunden nicht nur einen Handytarif beim Mobilfunkanbieter abschließen, sondern auch ein mobiles Girokonto eröffnen. Und den richtigen Bonus liefert O2 seiner Zielgruppe auch: Mehr Datenvolumen für die Eröffnung eines O2 Banking-Kontos.

O2-Kooperation mit Fidor

Bei der Entwicklung dieses Geschäftsmodelles spielen folgende Faktoren eine wesentliche Rolle:

  • FinTechs digitalisieren Bankendienstleistungen

FinTechs rütteln schon seit längerem am alteingesessenen Banking-System. Hierfür decken sie u.a. neue Geschäftsmodelle auf, die Banking zugänglicher für den Markt machen und somit die Alleinherrschaft der Banken aufbrechen. Um dies zu ermöglichen, treten sie entweder als Vermittler zwischen Banken und Unternehmen auf oder erlangen selbst eine Banklizenz, um BaaS anzubieten.

  • Austausch von Kundendaten durch PSD2 Regelung

Wegen der neuen PSD2-Regelung sind Banken verpflichtet, Kundendaten an z.B. FinTechs weiterzugeben, sofern vorher die Zustimmung des Kunden erfolgte. Mit der Öffnung von Schnittstellen können FinTechs somit direkt Kundendaten bei Banken abfragen.

  • „Unbundling“ - Bankleistungen im Baukastenprinzip

Unternehmen können zusammenstellen, welche Bankleistungen sie anbieten möchten, individuell auf ihr Geschäftsmodell und ihre Zielgruppe angepasst. Je nach BaaS-Anbieter gehören das Eröffnen eines neuen Kontos, die Regelung des Zahlungsverkehrs sowie Kreditgeschäfte dazu.

  • Integration der Bankleistungen verläuft über APIs

Durch die Nutzung von APIs können die Bankleistungen schnell, einfach und kostengünstig in andere Anwendungen integriert werden. Es unterstützt das Vorhaben, Bankleistungen im Plug-and-Play-Modus anzubieten.

Bietet bald jeder Händler seinen Kunden ein eigenes Girokonto an?

Bietet bald jeder Händler seinen Kunden ein eigenes Girokonto an?
BaaS macht Online-Händler nicht zu einer Bank, sondern ermöglicht Unternehmen, die keine entsprechende Lizenz besitzen, Bankleistungen anzubieten. Dies ist möglich, da der BaaS-Anbieter, der die APIs zur Verfügung stellt, selbst über eine Lizenz verfügt. Die meisten Endkunden werden diesen Unterschied aber eventuell nicht wahrnehmen. An dieser Stelle können UX Design und Marketing ansetzen. Wenn der Händler es schafft, seine Kundenexpertise zu nutzen und, wie im O2-Bespiel, einen USP für seine Kunden herauszuarbeiten, kann das Kerngeschäft und somit auch das Kundenprofil sinnvoll ergänzt werden.


Constance SteinConstance Stein ist Teil des Otto Group Innovation Management. Das Team scannt laufend den Markt in Hinblick auf Neuerungen mit Technologiebezug, die hohes Marktpotenzial oder starken Einfluss auf das Kerngeschäft des Unternehmens vermuten lassen und initiiert mit Partnern aus dem Konzern gemeinsame Pilotprojekte. Das Expertenteam ist Teil des gut 30-köpfigen E-Commerce Competence Centers der Otto Group.



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