Kommen Küchen bald aus der virtuellen Realität?
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Kommen Küchen bald aus der virtuellen Realität?

31/05/2018

Noch selten bringt man Virtual Reality mit dem Kauf einer Küche in Verbindung. Doch bereits heute gibt es vielversprechende Ansätze, unter anderem getestet bei Küche&Co. Wir fragten nach.

Denken wir an Virtual Reality (VR), kommen uns im ersten Moment vor allem Bilder von Gamern in den Sinn. Dass diese Technologie vielversprechende Ansätze unter anderem auch für den Handel bereithält, wissen die wenigsten. Noch weniger bringt man aber VR mit dem Kauf einer Küche in Verbindung, nicht wahr? Doch genau hier sehen Branchenkenner ein großes Potenzial. Einer, der sich schon länger damit beschäftigt, ist Mario Löwe, der als Senior Online Marketing Manager bei Küche&Co ein vielversprechendes Pilotprojekt in der Richtung betreut. Wir wollten von ihm wissen: Wie kann die Küchenbranche am besten von VR profitieren? Vor allem: Liefern VR-Services dem Kunden spürbare Mehrwerte?

Mario, warum beschäftigt sich ausgerechnet Küche&Co als Franchisesystem für Küchenstudios mit VR?

Mario Löwe

Mario Löwe: „VR ist in meinen Augen für alle Bereiche interessant, in der das reale Erleben eines Produkts oder Services bislang nur bedingt oder gar nicht möglich war. Das ist beim Küchenkauf nicht anders. Auch wenn ich eine komplett aufgebaute Küche im Laden sehe oder mich eine online abgebildete Küche inspiriert, heißt es noch lange nicht, dass diese bei mir zuhause genauso erscheint. Küchenplanung ist ein hochkomplexer Prozess, bei dem schon winzige Details den Unterschied ausmachen können. Am Ende bleibt immer ein kleines Restrisiko, dass die Küche dann doch nicht den Erwartungen entspricht. Mit VR kommen wir der Realität einen großen Schritt näher. Und genau hier wird es interessant für uns als Händler.“


Wie habt Ihr VR bei Küche&Co eingesetzt?

Mario: „Ende 2017 haben wir damit begonnen, lokalen Küche&Co Küchenstudios Google-Cardboards mit unserem Branding bereitzustellen, um diese dann in der Kundenberatung einzusetzen. In der Praxis sieht das dann so aus: Gemeinsam mit dem Berater wird die Küche am PC geplant, über eine spezielle Software dann in eine 3D-Umgebung übertragen. Das Ergebnis wird also 'virtuell vorgeführt'. Der Clou: Der Kunde kann die Brille im Nachgang behalten und mittels einer speziellen App mobil auf seine Küchenplanung zugreifen, um so auch zuhause noch einmal einen Blick auf die geplante Küche zu werfen. Ziel der Aktion ist es, Kunden ein sehr 'echtes' Erlebnis bei Ihrem Küchenkauf zu bieten und die Beratungsqualität zu steigern. Da solche Cardboards bislang noch nicht zur Standardausrüstung eines gutgeführten Haushalts gehören, ist der Überraschungseffekt seitens der Kunden durchaus spürbar.“


Hatte der Einsatz von VR in der Beratung auch einen wirtschaftlichen Effekt?

Mario: „Im Sinne von mehr Küchenverkäufen? Nein, das nicht. Wie eben aber schon beschrieben, tritt bei den Kunden ein gewisser Wow-Effekt ein – und genau das ist unser Ziel. Verbraucher müssen sukzessive an neue Technologien herangeführt werden. Und mit solchen Aktionen klappt das sehr gut. Die Kunden verlassen das Küchenstudio mit einem ganz anderen Gefühl – und der Faktor Emotion darf beim gesamten Küchenplanungsprozess nicht außer Acht gelassen werden. Wir gehen davon aus, dass unsere Kunden ihre positive Erfahrung mit den Cardboards weitergeben, positive Mundpropaganda ist also ein weiterer willkommener Nebeneffekt.“

Google-Cardboard mit Küche&Co Branding
Google-Cardboard mit Küche&Co Branding

Nun experimentieren aber auch direkte Wettbewerber von Küche&Co mit VR, wenn es um den Kauf von Küchenkomponenten geht, darunter IKEA und Kiveda. Die gehen sogar noch einen Schritt weiter: Interaktion sowie das Bewegen durch den Raum sind möglich, mitunter kann man sogar virtuell "probekochen". Bieten solche Ansätze nicht wesentlich mehr Wert für den Kunden?

Mario: „Jein, solche Features sind natürlich sehr spannend für den Kunden und bieten ein herausragendes Erlebnis. Man darf aber nicht vergessen, dass dahinter hochkomplexe Systeme stecken, die heute noch sehr teuer sind: VR-Brillen, Sensoren zur Erfassung von Bewegungen, Controller und einen leistungsstarken Rechner, der alle Information in 3D und Echtzeit verarbeiten kann, dann noch die Personalschulung; früher oder später werden die anfallenden Kosten immer an den Verbraucher weitergegeben. Deshalb werden solche Installationen nur vor Ort in den Läden angeboten, während Kunden von Küche&Co auch in aller Ruhe von zuhause aus nochmal in ihre Planung eintauchen können. Küchenkauf hat ja auch viel mit Vorfreude zu tun.“


Heißt das, bei Küche&Co bleibt es vorerst nur beim Einsatz von Cardboards?

Mario: „Wir sind immer noch beim Sammeln von Erfahrungen, stellen aber bereits jetzt schon fest, dass der Einsatz von Cardboards durchaus positiv auf die Entscheidungsfindung beim Kunden einwirkt, indem zum Beispiel Unsicherheiten über das Aussehen der Küche abgebaut werden. Im nächsten Schritt planen wir eine Umfrage in unseren Küchenstudios, wo wir vor allem qualitative Aspekte näher beleuchten wollen: Wie gut kommt der Service an? Was wünschen sich die Kunden noch darüber hinaus? Zusätzlich diskutieren wir aktuell mögliche Kooperationen mit Dritten, um im Bereich des 3D-Contents unabhängiger zu werden und künftig möglichst auch selbständig anspruchsvollere Lösungen im Bereich Virtual- oder auch Augmented Reality zu realisieren.“


Das klingt nach einer klaren Haltung pro VR…

Mario: „Wir sehen durchaus einen klaren Mehrwert im Einsatz von VR bei der Küchenplanung. Zugleich steht die Branche aber noch am Anfang. Jetzt heißt es erstmal: Offen sein und ausprobieren.“


Vektorgrafik (Brille): Freepik

Mario Löwe(Senior Online Marketing Manager bei Küche&Co)

 

 
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