02.
November
2018
Kommt das Paket bald auf dem E-Longboard?

Kommt das Paket bald auf dem E-Longboard?

  Nachgefragt bei Michael Peuker
(Sustainability Manager bei Hermes Germany)

Mit der geplanten Legalisierung von so genannten Elektrokleinstfahrzeugen Anfang 2019 erreicht E-Mobilität ein neues Level: So sollen unter anderem E-Roller und E-Longboards bald völlig legal auf den Straßen zum Einsatz kommen – natürlich unter strengen Auflagen, darunter eine Motorenleistung von maximal 500 Watt. Gleichzeitig kämpfen Logistiker seit Jahren mit steigenden Sendungsmengen, die  insbesondere in Großstädten zu einer echten Herausforderung geworden sind. Lassen sich diese beiden Entwicklungen miteinander kombinieren? Wir sprachen mit Michael Peuker, der sich als Sustainability Manager bei Hermes Germany unter anderem mit nachhaltigen Mobilitätsstrategien in der Paketzustellung beschäftigt.

E-Roller, E-Longboards und mehr – Deutschland legalisiert Elektrokleinstfahrzeuge ab 2019. Spielen solche Fahrzeuge eine Rolle in den Gedankenspielen von Hermes?

Michael PeukerMichael Peuker: „Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte spielt bei Hermes eine zentrale Rolle, wenn es um die Zukunft der letzten Meile geht. Nicht zuletzt die angespannte Verkehrslage in den Innenstädten schreit förmlich nach alternativen Konzepten, Fahrzeugen und Antrieben. Elektrokleinstfahrzeuge sind für die Fortbewegung in der Stadt natürlich mit Blick auf Stau- und Platzprobleme eine interessante Variante – allerdings wohl eher für den Privatgebrauch oder ausgewählte Use Cases. Als Paketdienstleister müssen wir uns ganz klar auf massentaugliche Lösungen fokussieren. Das können zwar durchaus auch Fahrzeuge sein, die kleiner sind als der klassische Transporter, wie zum Beispiel Lastenräder. Aber eben nur, wenn sie auch das Potenzial haben, einen solchen 1:1 zu ersetzen. Unser Pilottest mit elektrounterstützten Lastenrädern in Berlin zeigt schon mal, dass dies mit den entsprechenden Rahmenbedingungen theoretisch möglich ist: Ein Mikrodepot macht die Zustellwege kürzer, wodurch der Cargobike-Zusteller Pakete gegebenenfalls mehrmals nachladen kann, er hat die Möglichkeit, auf dem Radweg am Stau vorbeizufahren und direkt vor der Haustür zu parken. Obendrein sind Lastenräder nicht führerscheinpflichtig, wodurch ganz neue Zusteller-Zielgruppen angesprochen werden können – ein nicht zu unterschätzender Aspekt beim existierenden Fachkräftemangel. Die Kombination dieser Vorteile macht Lastenräder zu einer echten Option für die Innenstadt. Bei Elektrokleinstfahrzeugen stellt sich hingegen die Frage, wie viele Pakete in einem Schwung tatsächlich transportiert werden können.“


Rein theoretisch: Paketzustellung per E-Longboard – grundsätzlich denkbar oder totale Utopie? Eine neue Ära an Schüler- und Studentenjobs könnte anbrechen…

Peuker: „Also, hip aussehen würde es sicherlich und der Spaßfaktor wäre auch gegeben! Aber mal realistisch betrachtet: In der Paketlogistik sehen wir uns aktuell parallel zu den verkehrs- und infrastrukturellen Herausforderungen in Ballungsgebieten rasant steigenden Paketmengen gegenüber, die es zu bewältigen gilt. Alternative Zustellformen können natürlich rein theoretisch ganz verschiedene Formen annehmen – von Kofferraum- über Drohnen- oder Roboterzustellung gibt es ja ganz verschiedene Zukunftsvisionen. Und, dass Privatpersonen durchaus bereit sind sich als Kurier- oder Taxifahrer zu verdingen und sich mit der Beförderung von Waren oder Personen etwas dazuverdienen, hat sich im Mobilitätsbereich ja bereits gezeigt. Was ist also schon reine Utopie? Jede Disruption war einmal Utopie. Momentan liegt unser Fokus jedoch klar nicht darauf, Schüler oder Studenten mit dem E-Longboard und Paketen im Rucksack loszuschicken. Die Rechnung ist letztlich ganz einfach: Die realistische Menge an Paketen, die ich mit einem E-Longboard, aufgrund nicht vorhandenen Stauraums in einer Stunde ausliefern könnte, liegt vielleicht bei drei bis vier – das würde diese Pakete unbezahlbar machen und macht allein aus Produktivitätsgesichtspunkten keinen Sinn.“

Lastenradzusteller von Hermes(Lastenradzusteller von Hermes im Einsatz)

Wie werden E-Mobilität und Paketzustellung in Zukunft interagieren?

Peuker: „Hermes hat es sich zum Ziel gesetzt bis 2025 in 80 deutschen Großstädten emissionsfrei zuzustellen. Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte ist hier ein zentraler Bestandteil. Mit Mercedes Benz Vans hat Hermes eine strategische Partnerschaft unterzeichnet, im Rahmen derer Hermes sukzessive 1.500 E-Fahrzeuge einsetzen wird. Diesen Herbst gehen die ersten Transporter in den Regelbetrieb. Zudem testen wir eCrafter in Hannover und Frankfurt, Lastenräder in Berlin und Rostock und ein leichtes Elektrofahrzeug in München-Garching. Noch 2018 planen wir zudem weitere spannende Cargobike-Projekte. E-Mobilität und Paketzustellung interagieren demnach bereits rege. Damit verbunden entstehen natürlich auch neue Herausforderungen – allen voran in Bezug auf die Ladeinfrastruktur.“


Artikelbild: Freepik.com



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