Über Kulturwandel in Zeiten der Krise: Drei Impulse
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Über Kulturwandel in Zeiten der Krise: Drei Impulse

23/03/2020

Die Corona-Pandemie stellt eine bisher noch nie dagewesene Situation für uns alle dar. Hier zeigt sich aber, wie wir wirklich zusammenarbeiten, mit welcher Offenheit wir miteinander umgehen und wie Führung auch in einer Krisenzeit funktioniert. Gedanken von Tobi Krüger, Experte für Kulturwandel bei der Otto Group.

Zentrale Inhalte eines Kulturwandels, wie Vertrauen und Mut, Ergebnisorientierung, eine veränderte Fehlerkultur und kürzere Entscheidungswege – all das wird für Unternehmen nun zum Mehrwert in dieser außerordentlichen Zeit. Auch wenn es ruckelt, wenn nicht alle Prozesse ihren gewohnten Gang gehen, wir profitieren heute von den Veränderungen, die mit einem Kulturwandelprozess angestoßen worden sind. Konzernweit und über Hierarchie- und Bereichsgrenzen hinweg.

Impuls #1: Führung auf räumliche Distanz

In dieser dynamischen Zeit kommen uns die veränderten Arbeits- und Verhaltensweisen zugute. So zum Beispiel unser Führungsverständnis. Bei der Otto Group erleben wir gerade, dass die mittlerweile geübten Verhaltensweisen wie Loslassen, Vertrauen haben und Kolleg*innen ermutigen, eigene Ideen umzusetzen uns dazu befähigen, in der Krise weiter wirksam zu sein. Wir wären nur eingeschränkt arbeitsfähig, wenn wir das nicht schon geübt hätten.

Wir profitieren von unseren „menschlichen“ Werten, als Familienunternehmen. Neben Vertrauen setzen wir auch auf Fürsorglichkeit. Wir lernen uns auf Distanz besser kennen. Plötzlich teilen wir Einblicke in unsere häusliche Umgebung. Machen einen sogenannten „Check-in“ zum Start eines Standups per Remote. Wir rücken dichter an uns ran und erfahren eine neue Dimension des Kennenlernens. Da ein Blick ins Wohnzimmer, wo ein Kind durchs Bild rennt, oder die Pinnwand mit Bildern vom Urlaub hängt. Das Szenario kann jede*r selbst bestimmen. Damit behalten wir in einer Zeit, in der Distanz gefordert wird, einen menschlichen Touch.

Impuls #2: Selbstorganisierte Teams im Remote-Modus

Einen großen Vorteil haben wir als Otto Group mit der Nutzung von Office365. Jetzt zeigt sich konzernweit der ernorme Nutzen der neuen technischen Infrastruktur. Wir können viel transparenter arbeiten, kommunizieren in Teamcalls und nutzen uneingeschränkt die Vorteile des Arbeitens in der Cloud. Es gelingt uns transparent und ortsunabhängig auf unsere Daten zuzugreifen und so miteinander zu arbeiten. Über die hierarchiefreien Kommunikationswege von Communities, Teams und Chats können wir unseren Informationsfluss über Hierarchiegrenzen hinweg gestalten und so auch Entscheidungsprozesse beschleunigen. Empowerment und unsere Aktivitäten, selbstorganisierte Teams zu schaffen, die sich eigenständig steuern, bieten uns heute Möglichkeiten, in dem dynamischen Umfeld schneller auf Veränderungen einzugehen.

    Videocall zuhause

    Impuls #3: Crossfunktionale Zusammenarbeit & konzernweite Kommunikation

    Es zeigt sich bereits, dass Arbeitsteilung in einigen Bereichen einen anderen Stellenwert bekommen kann. Dass Expertenwissen nun schneller geteilt wird, damit die Teams in sämtlichen Konstellationen in der Krise weiter tätig sein können. Wir rücken mehr zusammen und verteilen bedarfs- bzw. kundenorientiert die Aufgaben. Es entsteht eine hohe Solidarität – auch das ist ein Ausdruck unseres Reifegrades. Ein Umdenken entgegen der Skepsis findet statt. So hätten wir bei einigen Bereichen vor der Corona-Pandemie niemals gedacht, dass sie mobil und ortsunabhängig akiv sein können. Und es geht doch!

    Ganz eigenständig und an den Bedürfnissen der Kolleg*innen orientiert entstehen binnen kürzester Zeit aus crossfunktionalen Teams heraus Intranetseiten, wo zum Beispiel Tutorials zu mobilem Arbeiten angeboten werden und Hilfestellung für mobiles Arbeiten gegeben werden. . Beeindruckend ist die Energie und das Engagement unter Kolleg*innen. So ist die vom OTTO-Fitnesscenter initiierte mobile Mittagspause im Remote-Modus der Hit. Auch zeigt sich, dass wir mit unserer Mitarbeiter-App auch die Kolleg*innen erreichen, die nicht im Home Office arbeiten können.

    Es klingt paradox, aber Unternehmen können es schaffen, aus der Distanz zu mehr Nähe zu kommen. Ein schöner Effekt, den wir hoffentlich weitertragen.


      über den Autor

      Tobias Krüger ist Division Manager „Kulturwandel 4.0“ bei der Otto Group und orchestriert mit seinem Team den Kulturwandel 4.0. Aus seiner früheren Position in der Konzernstrategie heraus empfahl er dem Vorstand einen Kulturwandelprozess zu initiieren, um die wirtschaftlichen Herausforderungen der Unternehmensgruppe zu meistern. Tobias startete seine Laufbahn bei internationalen Handels- und Dienstleistungskonzern im Jahr 2010 als Consultant im Bereich Corporate Strategy & Development.

      Tobi Krüger, Leiter des Kulturwandel-Teams der Otto Group

       

       

      Kommentare

      • Hallo Tobias, vielen Dank für den Einblick hinter die Kulissen eures Unternehmens. Ich finde es total spannend von anderen zu erfahren, wie sie mit dem #kulturwandel umgehen. Umso besser finde ich die Transparenz, die ihr hier schafft, in dem ihr über eure Herausforderungen sprecht. Bei uns im Unternehmen stehen wir noch an den Anfängen eines solchen Wandels und immer wieder Frage ich mich ob wir auf den richtigen Pfad sind. Mir ist das Thema ein sehr großes Anliegen, daher engagiere ich mich sehr intensiv mit anderen Kolleg*innen hier voran zu kommen. Ihr habt schon sehr viel Erfahrung gesammelt und mich würde interessieren, ob ihr es euch vorstellen könntet in einen Austausch zu kommen. Wir würden uns riesig freuen Mal hinter die Kulissen zu schauen und wie ihr mit ähnlichen Herausforderungen umgegangen seid. Schöne Grüße Stephan

        11/05/2020 21:29Uhr
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