09.
März
2017
„Man kriegt immer die Netzwerkpartner, die man verdient“

„Man kriegt immer die Netzwerkpartner, die man verdient“

  Nachgefragt bei Holger Ahrens
(Trainer, Speaker & Berater für digitales Selbstmarketing)

Digitales Selbstmarketing: Vor zehn Jahren noch ein Begriff mit Exotenstatus, heute präsentieren wir uns ganz selbstverständlich mit unserem Können und unserem Wissen im Netz. Doch warum haben einige dabei mehr Erfolg als andere? Gibt es eine geheime Formel, um im Web einen positiven Eindruck bei Unternehmen (als Arbeitnehmer) und Auftraggebern (als Freelancer) zu hinterlassen? Der Weg zur optimalen Selbstmarketingstrategie im Digitalen birgt Chancen und Risiken zugleich. Wie man sich optimal aufstellt – Profiloptimierer Holger Ahrens klärt auf.


Holger, was genau macht ein Profiloptimierer?

Holger Ahrens: Als Profiloptimierer zeige ich Mittel und Wege auf, Kompetenzen im Digitalen sichtbar zu machen, gebe Tipps zu nachhaltigen Vernetzungsstrategien. Unterm Strich agiere ich wie ein Vorsorgeberater, mit dem einzigen Unterschied, dass ich keine Versicherungen oder Finanzprodukte verkaufe. Ich vermittle wertvolles Wissen, um weitere Karriereschritte günstig zu beeinflussen. Auch bei der Berufsplanung bzw. beim eigenen Business sollte schließlich gelten: „Vorsorge ist besser als Nachsorge“.


Wer sucht Deinen Rat?

Ahrens: Das ist ganz unterschiedlich. Das kann der Student sein, der seinen Einstieg ins Berufsleben plant. Das kann aber auch der langjährige Unternehmer sein, der sich vor digitalen Aktivitäten lange gedrückt hat und nun einen Zugang sucht. Überhaupt: Viele Vertreter der „alten Schule“ nutzen nun endlich auch Portale wie Xing oder LinkedIn, um ihre ersten Schritte im Web zu gehen. Kundenberater bei Banken sind hierfür beispielhaft. Freelancer konsultieren mich wiederum, um ihre Akquise- und/oder Vertriebsaktivitäten voranzutreiben. Zu meinem Kundenkreis zählen aber auch Unternehmen und Organisationen, die ich beim Employer Branding unterstütze. Gut vernetzte Mitarbeiter mit attraktiven Profilen sind schließlich wertvolle Botschafter eines Unternehmens für Kunden und neue Mitarbeiter.


Wo sollte man aus Business-Perspektive im Netz präsent sein?

Ahrens: Für den deutschen Markt ist natürlich Xing wichtig. Leider benutzen die meisten die Plattform aber falsch, nämlich ausschließlich als Ablageort für den eigenen Lebenslauf. Beim digitalen Selbstmarketing sollte es vor allem darum gehen, seine Kompetenzen zu vermarkten, Sichtbarkeit zu erlangen. Deshalb rate ich dazu, die Möglichkeiten der Interaktion zu nutzen. Das bedeutet nicht zuletzt auch in der “echten Welt” auf Branchenrelevante Events zu gehen und digital initiierte Dialoge offline weiterzuführen. Erst beim Gang in die Offline-Welt manifestiert sich digitales Selbstmarketing nachhaltig. Wer in seinem Business eher international ausgerichtet ist und/oder C-Level-Führungskraft bzw. im mittleren Management aktiv ist, sollte eher auf LinkedIn setzen. Auch dort sind sehr spannende Dialoge möglich. Wer einen neuen Job in gehobener Position sucht, der sollte ein Profil bei Experteer anlegen. Und wer vorrangig als Referent oder Speaker spezielles Wissen monetarisieren möchte, dem empfehle ich, sich auf Brainguide umzuschauen. Eine eigene Website ist natürlich das i-Tüpfelchen – auch für Arbeitnehmer. Ich kann nur empfehlen, sich frühzeitig um eine eigene, seriös klingende Domain zu kümmern, um frühzeitig ein stark verknüpftes Netz aus digitalen Kanälen zu entwickeln.

Holger Ahrens

Also geht es konkret darum, eine Art Selbstmarketing-Ökosystem aufzubauen?

Ahrens: Zum Teil. Entscheidend ist ja, was ich erreichen möchte. Möchte ich mich zum Beispiel als Experte auf einem bestimmten Gebiet positionieren, dann sollte ich alle Optionen nutzen, um mich angemessen in Szene zu setzen. Das bedeutet auch, an SEO zu denken. Manche möchten mit ihrem Business-Profil beispielsweise nicht in Suchmaschinen auffindbar sein. Das ist ein absolutes No-Go, wenn man Sichtbarkeit erlangen will. Gleiches gilt für eine Website. Am Ende kriegt man immer die Netzwerkpartner, die man verdient: Bewusste Kommunikation und Auswahl seiner Kontakte sind der Schlüssel zu einem starken Netzwerk abseits beliebiger Kontaktsammelei.


Wie ist es mit Gruppen auf Business-Portalen? Sollte man sich da auch hervortun?

Ahrens: Ja, aber das sollte nicht das Herzstück einer Selbstvermarktungs-strategie sein. Gruppen sind wie Bandschnallen an einer Uniform: Sie runden Profile ab, zeigen Dritten, wessen Geistes Kind man ist. Um es nochmal deutlich zu machen: Digitales Selbstmarketing spielt sich nicht nur im Web ab, der Switch in die Offline-Welt muss immer möglich sein. Um ein Bespiel zu nennen: Vor einer sehr großen Fachkonferenz habe ich mich über Twitter mit dem Veranstalter vernetzt. Kurz danach haben wir telefoniert, wenige Stunden später lag der Speaker-Vertrag auf dem Tisch.


Gutes Stichwort: Mit SAP-CEO Bill McDermott ist beispielsweise nur ein einziger DAX30-Vostand auf Twitter wirklich aktiv. Warum ist das so? Würden Unternehmen nicht erheblich davon profitieren, wenn Ihre Top-Manager insgesamt digital aktiver wären?

Ahrens: Twitter wird mir aus Gründen zu sehr gehyped. Was genau wollen wir von einem Konzern- oder DAX-Vorstand denn dort erfahren? Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass ein unbedachter Tweet - schauen wir nur kurz einmal in die USA - massive Kurschwankungen bei einer Aktie nach sich ziehen kann. Das kann nun wirklich nicht im Interesse eines Vorstands bzw. seines Unternehmens sein. Da gibt es sicher andere Kanäle, in denen man das Thema Digitalisierung und moderne Kommunikation besser unterstützen kann. Und am Ende sollte es beim digitalen Selbstmarketing auch darum gehen, Zeit zu sparen statt Zeit zu verlieren.


Holger Ahrens ist Dipl.-Informatiker und lebt nach eigenen Aussagen seit 2000 die Digitalisierung. Unter der Marke Die Profiloptimierer ist er Berater, Trainer und Referent für Digitales Selbstmarketing in XING, LinkedIn und Co. von Fach- und Führungskräften. Mit seiner plus3trainings GmbH berät er Unternehmen hin zu kollaborativem Arbeiten mit Cloudlösungen. Holger Ahrens ist auf Twitter als @bojenkommandant unterwegs.



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