Moore – die unterschätzten Klimaschützer
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Moore – die unterschätzten Klimaschützer

09/08/2021

Der Schutz des weltweiten Klimas kann nur gelingen, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen und vielfältige Maßnahmen umsetzen – und zwar jetzt und nicht in einer fernen Zukunft. Es geht dabei nicht nur um die Vermeidung und Reduktion von CO2-Emissionen, sondern auch um den Schutz und die Renaturierung von Ökosystemen, also das Wiederherstellen von naturnahen Lebensräumen, die natürliche Funktionen im Klimaschutz erfüllen. Viele denken dabei vor allem an Bäume und Wälder. Doch die wahren Klima-Champions sind andere: die Moore. Warum ist Moorschutz aktiver Arten- und Klimaschutz?

Welche Rolle spielen Moore für den Klimaschutz?

Moore sind Feuchtgebiete, die zu 95 Prozent aus Wasser und zu 5 Prozent aus nicht vollständig zersetzten Pflanzenresten (Torf) bestehen. Noch vor 300 Jahren bedeckten sie große Teile der norddeutschen Tiefebene und des Alpenvorlands. Insgesamt waren 4,2 Prozent der Fläche von Deutschland Moore. Das entspricht etwa der sechsfachen Größe des Saarlands. Von diesen rund 1,5 Millionen Hektar gelten heute nur noch etwa fünf Prozent als naturnah – rund 75.000 Hektar, weniger als ein Drittel des Saarlandes. Der Rest wurde trockengelegt, um die Flächen land- und forstwirtschaftlich nutzbar zu machen und Torf abzubauen, der vor allem im Gartenbau benötigt wird.

Warum das problematisch ist, wird deutlich, wenn wir uns die Bedeutung von Mooren für den Klimaschutz ansehen: Global betrachtet machen Moore nur drei Prozent der Erdoberfläche aus, doch sie speichern rund 30 Prozent des erdgebundenen Kohlenstoffs und doppelt so viel Kohlenstoff wie die gesamte Biomasse aller Wälder der Erde.

Eine tolle Zusammenfassung der Thematik bietet auch diese Kika-Sendung – nicht nur für Kinder:

 Vorschaubild Kika-Sendung über Moore

Was passiert bei der Trockenlegung von Mooren?

Entzieht man dem Moorboden Wasser, stirbt der Torfkörper und Nährstoffe werden freigesetzt – genauso wie das gespeicherte CO2. Trockengelegte Moore sind Schätzungen zufolge für zwei bis drei Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich – mehr als wir mit allen Windrädern hierzulande einsparen. Inzwischen werden auch andernorts Moore trockengelegt, beispielsweise in Südostasien, wo sie Ölpalm-Plantagen weichen müssen, aber auch in West-Amazonien und Afrika. Die deutsche Torfindustrie weicht immer mehr ins Baltikum aus. All diese Denaturierungsprozesse verursachen circa fünf Prozent der insgesamt von Menschen weltweit verursachten Treibhausgasemissionen.

Ein Forschungsteam von Agroscope, dem schweizerischen Kompetenzzentrum des Bundes für Landwirtschaftliche Forschung, hat in einer Studie untersucht, wie sehr die Trockenlegung von Mooren in Zukunft zur globalen Erwärmung beitragen wird: „Ohne konsequente und großflächige Renaturierung von Mooren werden die Emissionen dort derart steigen, dass allein aus diesen Gebieten bis zu 40 Prozent des für das Erreichen der Pariser Klimaschutzziele noch zur Verfügung stehenden Treibhausgas-Budgets kommen könnten“, fasst die Berliner Zeitung die Ergebnisse zusammen.

Hinzukommt: Intakte Moore können sehr viel Wasser speichern und sind somit ein effektiver natürlicher Schutz vor Überflutungen. Eine wichtige Funktion in Anbetracht der Wetterextreme, die derzeit weltweit zu beobachten sind. Zudem sind Moore die Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten. Einige, wie etwa die fleischfressende Pflanze Sonnentau, gedeihen nur dort. Mit der Denaturierung der Moore schädigen wir also nicht nur das Klima durch CO2-Emissionen, wir tragen auch zum Artensterben bei.

Sonnentau - eine fleischfressende Pflanze
Sonnentau - eine fleischfressende Pflanze

Die vielfältigen Eigenschaften von Mooren für den Umwelt- und Naturschutz zu erhalten und zu nutzen, ist das Ziel einer neuen Initiative mit dem zukunftsweisenden Namen „toMOORow“. Das Vorhaben toMOORow zur Wiedervernässung von Mooren wurde von der Umweltstiftung Michael Otto und der Succow Stiftung, Partner im Greifswald Moor Centrum, ins Leben gerufen.


Paludi-Kultur und die Renaturierung von Mooren

Das Bewusstsein für die Bedeutung von Mooren für unsere Ökosysteme und den Klimaschutz wächst glücklicherweise und die Renaturierung gilt laut Expert*innen und der Bundesregierung als kostengünstige Klimaschutzmaßnahme. Der Ausstoß von Treibhausgasen endet unmittelbar mit der Wiedervernässung des Moors. Bis das Ökosystem jedoch wieder als naturnah gilt, Moorpflanzen wachsen und eine neue Torfschicht wächst, vergehen Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte.

An der Universität Greifswald beschäftigen sich Forscher*innen mit der Paludi-Kultur, also der Frage, wie Moore nachhaltig landwirtschaftlich genutzt werden können – ohne sie zu zerstören. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Verwendung von Schilf für Dachreet, eine der ältesten Arten der Dachabdeckung. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Projekte für nachhaltig aus dem Moor gewonnene Rohstoffe, die an der Uni erforscht und pilotiert werden. Darunter ein komplettes, mobiles Haus aus klimafreundlichen Moorrohstoffen, das auf Roadshow gehen wird, um auf den wichtigen Schutz der Moore aufmerksam zu machen.

Moor-Mythen – Von Irrlichtern und Versunkenen

Moore Mythen Gespenster

Zu guter Letzt möchten wir noch mit einigen Mythen aufräumen, denn Moore haben zu Unrecht einen schlechten Ruf. Seit Jahrhunderten ranken sich Mythen um die schlammigen Moraste. So glaubte man früher etwa, dass die Seelen versunkener Menschen als Irrlichter durch die Moore waberten, um andere in die Untiefen zu locken. Heute wissen wir, dass sich dahinter wenig Mystisches verbirgt: Es handelt sich bei den Irrlichtern schlicht um Gase, die bei der Zersetzung von Pflanzen entstehen, und sich unter bestimmten Voraussetzungen selbst entzünden können. Auch am Versinken ist wenig dran, denn die physikalische Dichte von Mooren ist höher als die des menschlichen Körpers. Wir sinken zwar ein Stück ein, das Moor „drückt“ uns dann aber wieder nach oben. Nur wenn man bis zur Brust im Moor stecken würde, wäre es schwierig, sich selbst daraus zu befreien. Für Flächen, die sich noch im Prozess der Renaturierung befinden, gilt jedoch ohnehin: Nicht Betreten, damit sich das Ökosystem bestmöglich erholen kann.

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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