06.
Oktober
2016
Paketroboter in Hamburg: Mit 6D9 durch Ottensen

Paketroboter in Hamburg: Mit 6D9 durch Ottensen

  Ingo Bertram
(Corporate Communications, Hermes Europe)

Ingo BertramSonnig und kalt ist es im Hamburger Westen an diesem Oktobermorgen, der für den Logistiker Hermes ein so besonderer ist. Hier, im quirligen Stadtteil Ottensen, muss der Zustellroboter des Tech-Startups Starship beweisen, was in ihm steckt  – unter den kritischen Augen der Presse. „6D9“, so der inoffizielle Name des Roboters, nimmt all das gelassen. Seine LED-Scheinwerfer strahlen, die Hermes-Fahne leuchtet, ein letzter Technik-Check im PaketShop verläuft reibungslos. „Alright, let’s go“, flüstert Jan von Starship in sein Headset. Und “6D9” gehorcht, steht Augenblicke später auf dem Bürgersteig. 

Jan ist so genannter „Handler“, der den Roboter auf seinen Touren begleitet. Alle drei von Hermes eingesetzten Starship-Roboter sind bei ihren Einsätzen mit jeweils einer solchen Begleitperson unterwegs. „Siehtaus wie Gassi gehen“, sagt der NDR. Wir sagen: Stimmt schon. Ist aber nicht nur aus Sicherheitsgründen wichtig (es handelt sich eben um einen frühen Pilottest mit Prototypen), es ist auch Auflage der Stadt. Zwar verfügt der Roboter über eine ausgefeilte Hinderniserkennung und ist permanent mit der Starship-Leitzentrale in Tallinn verbunden. Ein menschlicher Begleiter aber ist – noch – das berühmte doppelte Netz. 

Und nicht nur das: „Bei jeder Fahrt fragen mich Passanten, was das ist und was wir machen und ob das überhaupt sicher ist. Der Informationsbedarf ist riesig“, sagt Jan. Er und seine Handler-Kollegen klären also auch auf. Nicht nur in Ottensen, sondern bald auch in Volksdorf und im Grindel, wo weitere Tests starten. 

„6D9“ und das Team des NDR haben sich unterdessen auf den Weg gemacht. Im Bahrenpark, nördlich der S-Bahn-Linie 1, muss heute früh eine Sendung an eine Testkundin zugestellt werden. Zeitgleich rollt in der Gegenrichtung ein zweiter Roboter („6D20“) einem anderen Ziel entgegen, begleitet unter anderem von BILD und Abendblatt. Sein Inhalt: Kopfhörer von OTTO, sicher verstaut im Inneren des Roboters. Öffnen wird sich das Fach erst, wenn der Empfänger später den Link in seiner Zustell-SMS anklickt. 

Ist all das wirklich sicher? „Ob man den Roboter klauen, kann ist die häufigste Frage, die mir gestellt wird“, schmunzelt Jan. Meist verweist er dann auf GPS und Sensoren. Oder entgegnet auch mal keck, dass das vermutlich der bestbewachteste Diebstahl im Viertel wäre.  

Diebstahlversuche gibt es an diesem sonnigen Herbsttag erwartungsgemäß nicht, erstaunte Blicke von Passanten dafür reichlich. Noch sind „6D9“ und Co. eine kleine Sensation, die belächelt und auch mal kritisch beäugt wird – und doch viel mehr ist als nur ein PR-Gag. Klar, über die Aufmerksamkeit freuen wir uns. Aber: Nicht nur zu Showzwecken rollen jetzt Starship-Roboter mit Hermes-Paketen durch Ottensen. Vielmehr sollen die Tests zentrale Fragen klären: Ist eine teilautonome Zustellung technisch möglich? Wie müssen wir unsere Prozesse dafür anpassen? Und, am wichtigsten: Was sagen eigentlich die Kunden?

Fest steht: Angesichts verkehrsbelasteter Städte und weiter steigenden Paketmengen braucht es auch in der Logistik neuer Technologien, um auch zukünftig gleichwohl wirtschaftlich und umweltverträglich zustellen zu können. „Next Generation Logistics“ sozusagen. Und da können „6D9“ und seine Starship-Kollegen ein möglicher Lösungsansatz sein. Ob sie es sind, wird sich zeigen. Wir bleiben dran.



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