Remote work(s): Tricks und Tools fürs mobile Arbeiten
Remote work(s): Tricks und Tools fürs mobile Arbeiten
27
08

Remote work(s): Tricks und Tools fürs mobile Arbeiten

27/08/2020

Prokrastination, Konzentrationsschwäche und schlechtes Zeitmanagement: Die Tücken des mobilen Arbeitens sind mannigfaltig. Aber auch die digitalen Tools, die in diesen Fällen Abhilfe schaffen.

Zunächst war es ein Zwischendurch. Doch inzwischen wird es immer deutlicher: Remote-Work ist weder eine Pandemie-bedingte Zwischenlösung, noch lässt sie sich als Lifestyle digitaler Nomaden abtun. Mittlerweile plant fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland, seinen Mitarbeiter*innen auch künftig Home-Office zu ermöglichen und das Angebot weiter auszubauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Münchner Ifo-Instituts. Bestätigt wird dies durch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, das gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) rund 500 Unternehmen zu dem Thema befragt hat. Hiervon haben sich rund 42 Prozent dazu entschieden, die Arbeit von zu Hause weiterhin zu ermöglichen. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, sich im Remote-Office so einzurichten, dass sich Aufgaben von überall aus produktiv erledigen lassen.

Das stellt uns vor allem vor die Herausforderung, die Work-Life-Balance im Einklang zuhalten. Der Begriff „Home-Office“ gibt es schon vor. Das Zuhause und der Arbeitsplatz verschmelzen. Das kann dazu verleiten, mehr Zeit denn je vor dem Screen zu verbringen. In der neuen, virtuellen Arbeitswelt ist es leicht zu vergessen, Pausen, Spaß und Freizeit einzuplanen. Auch ein gutes Zeitmanagement und Selbstmotivation sind stärker gefragt, wenn das gewohnte Arbeitsumfeld mit Kolleg*innen fehlt. Darum haben wir Learnings und Tools zusammengetragen, die uns in den vergangenen Monaten rund um das mobile Arbeiten beschäftigt, uns geholfen oder unsere Neugier geweckt haben. 

pause oder prokrastination

Wer diesen Artikel liest, der*die tut es vielleicht schon: Prokrastinieren, sich mit etwas anderem beschäftigen, als man eigentlich sollte oder vorgenommen hat, wichtige Dinge aufschieben. Die einen starren hypnotisiert auf den endlosen Stream an Nachrichten in den diversen digitalen Kommunikationskanälen. Die anderen versuchen, auf alle Nachrichten möglichst zeitgleich zu antworten, parallel Twitter zu verfolgen, Mails zu checken und dem Video-Call zu lauschen. So ziemlich alles kann genutzt werden, um Zeit mit etwas anderem zu füllen statt mit der Aufgabe, die auf dem Tisch liegt. Im Home-Office seien die Wohnungen sauberer denn je, mutmaßen Gesprächspartner*innen im Feierabend-Small-Talk. Zu Hause gäbe es einfach zu viele Möglichkeiten, sich abzulenken, gerade, wenn man unangenehme Aufgaben bewältigen muss.

Im besten Fall sind solche Momente der Prokrastination nur eine Art Pause, die wir uns unbewusst nehmen, weil ein virtuelles Meeting auf das andere folgt. In der agilen, sich immer mehr beschleunigenden virtuellen Arbeitswelt mit ihrem Endlos-Strom an Nachrichten lassen sich Pausen nicht immer leicht durchsetzen. Also steigen wir gelegentlich gedanklich aus. Das ist durchaus okay, solange wir schließlich erkennen, wann wir schlicht eine Pause und Bewegung benötigen und deswegen gerade Aufgaben aufschieben und wann wir uns wirklich vor einer Aufgabe drücken. Für alle die, die schlicht keine Pause eingelegt haben, gilt wie bei so vielem anderen: Wenn prokrastinieren, dann richtig genießen. Dafür empfehlen wir die passende Animation von Johnny Kelly. Einfach in die Video-Welt abtauchen und sich vom Loop des Zeitvertreibs einlullen lassen. Danach hat man das Bedürfnis, sich einen Tee zu kochen, wieder in die Arbeit einzusteigen und das nächste Mal eine echte Pause einzulegen. Wer schwierige oder unbequeme Aufgaben öfter aufschiebt, dem empfehlen Zeitmanagement-Expert*innen unter anderem die „Eat the frog first“-Methode: Erst die unangenehmen Tasks erledigen, dann machen die Lieblingsaufgaben umso mehr Spaß, um es kurz zu fassen.

fünf Minuten Seele baumeln lassen

Arbeitszeit produktiv nutzen und sich in den Flow zu versetzen, kann eine Herausforderung sein. Digitale Tools können uns dabei helfen, ohne Ablenkung fokussiert zu arbeiten und in den Flow zu kommen. Unter anderem bietet Microsoft Office den MyAnalytics-Fokusplan an. Das KI-basierte Tool plant für den*die User*in täglich bis zu zwei Stunden Fokuszeit und trägt diese automatisch in den Kalender ein. Während der Fokuszeit herrscht digitale Stille. So sind etwa Chats in Microsoft Teams und in Skype for Business stummgeschaltet. Ohne Ablenkung lassen sich dann dringende Aufgaben konzentriert abarbeiten.

Bear Focus Timer
Bear Focus Timer

Illustration: Apple Store

Für Konzentration kann auch der BFTBear Focus Timer auf eine schlichte und charmante Weise sorgen. Die App macht sich die Pomodoro-Technik zunutze – eine klassische Methode des Zeitmanagements. Sie unterteilt unsere Arbeitszeit in vier konzentrierte Sessions à 25 Minuten. Nach jeder Session gibt es fünf Minuten Pause und nach vier Runden dürfen wir eine Pause von 20 Minuten einlegen. Die Timings lassen sich bei Bedarf individualisieren.

Gleichzeitig reduziert die App die maximale Ablenkung für viele: die Verlockungen des Smartphones. Sobald das Smartphone mit dem Screen nach unten auf den Tisch gelegt wird, startet der Timer. Wer nicht durchhält und das Smartphone wieder in die Hand nimmt, erhält einen grimmigen Blick von Tom, dem Bär - animierte Grafik und Key-Visual des Bear Focus Timers. 

kopf und körper

Das Gehirn an den Computer koppeln, allein mit der Kraft der Gedanken steuern und Informationen direkt auf einen Chip in das menschliche Nervenzentrum laden – solche Visionen, die Tesla-Gründer Elon Musk in der Präsentation zu seinem Unternehmen Neuralink zeichnet, klingen an den Tagen interessant, die vornehmlich in der virtuellen Arbeitswelt stattfinden und an denen die Geschwindigkeit der Mensch-Maschine-Mensch-Kommunikation von der Beweglichkeit der Finger abhängt. Es wird noch etwas Zeit vergehen, bis Musk mit Neuralink die Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer für die breite Masse anbieten wird – wenn es denn jemals Realität wird. Auch Utopien, rein virtuell zu existieren, scheinen derzeit noch zu spekulativ. Der Körper muss sich also noch bewegen. Sitzen und Liegen reicht nicht aus. Expert*innen empfehlen Spaziergänge oder ein leichtes Workout zwischendurch – vom Workout-Trend in der Corona-Pandemie haben wir bereits berichtet, aber auch Meditation kann dazu beitragen, Kopf und Körper in Einklang zu bringen.

KOPF ÖFFNEN, KÖRPER ANDOCKEN
KOPF ÖFFNEN, KÖRPER ANDOCKEN

Den Einstieg in die Meditationspraxis ermöglichen Meditations-Apps wie etwa Headspace. „Headspace basiert auf Mediationskursen des Gründers und buddhistischen Mönchs Andy Puddicombe. Wer seine erstaunliche Gründer-Geschichte noch nicht kennt, der*die kann diese unter anderem auf OMR.com nachlesen und sehen. Liebevoll gestaltet ermöglicht „Headspace“ überall und zu jeder Zeit Übungen, die dabei helfen, zu sich selbst und in das reale Jetzt zurückzukehren. Kurze Entspannungsphasen lassen sich mit der App leicht einlegen, wenn der analoge Meditations-Kurs erst am Abend startet oder der Bear Focus Timer nur eine Fünf-Minuten-Pause anzeigt.

der sound zum job

Die Suche nach dem richtigen Sound, um eine Arbeitsphase zu untermalen oder die Stille des Home-Office mit Musik auszufüllen, ist recht komplex. Wissenschaftler diskutieren intensiv darüber, welche Musik zu welcher Form der Arbeit passt. Während bei Routine-Aufgaben Musik eher belebend wirken kann, kann sie bei Aufgaben, die Konzentration erfordern, eher hinderlich sein. Besteht eine Playlist etwa aus zahlreichen Hits, die Emotionen in uns auslösen, dann reagiert das Gehirn auf jeden Song und wird damit zusätzlich beansprucht. Wir werden schneller müde. Neuropsychologe Lutz Jäncke rät im Interview mit der Zeit deshalb eher zu keiner musikalischen Untermalung der Arbeitsphase, wenn komplexe Aufgaben anstehen. Denjenigen, die in jedem Fall auf Sound wertlegen, denen empfiehlt er „leise, harmonische und vorhersehbare Musik“.

DER SOUND ZUM JOB
DER SOUND ZUM JOB

In Bibliotheken von Musik-Apps wie etwa Spotify finden sich dafür kuratierte Listen wie „Maximale Konzentration“ mit Klavier-Stücken oder „Beats to think to“ mit Techno-Sound. Das Spotify für Klassik-Liebhaber ist die App Idagio. Sie bietet ebenfalls auf den*die Nutzer*in zugeschnittene Playlists an. Wer seine Stimmung untermalen möchte, der kann seine Klassik-Auswahl leicht über ein Stimmungsrad in der App anpassen. Die App Brain FM setzt wiederum auf funktionale, eher sphärische Musik, die die Produktivität fördern soll. Dass diese Sounds die Produktivität im Home-Office erhöhen, ist allerdings eher Glücksache und lässt sich nur mit Ausprobieren feststellen.

Wenn Musik im Arbeitsalltag, dann ist sie besonders gut in den Pausen platziert - laut neuropsychologischer Studien. Mit den richtigen Titeln könne Musik wie Doping wirken, formuliert es Jäncke. Lieblingstitel lösen positive Gefühle und Erinnerungen aus. Solche Musik sorgt dafür, dass bestimmte Hormone und Botenstoffe wie Adrenalin, Dopamin und Cortisol ausgeschüttet werden. Unser Langzeitgedächtnis kann dadurch Informationen besser verarbeiten. Auch kann diese Musik Menschen in einen euphorischen Zustand versetzen, der dazu beiträgt, besser in die nächste Arbeitsphase zu starten.

für abwechslung sorgen

Wenn wir schon beständig in der virtuellen Welt unterwegs sind, warum dann nur in 2D? Einige Technologieanbieter arbeiten gerade an virtuellen Räumen, die sich in Mixed- oder Virtual-Reality erleben lassen. Ein solcher Ort ist Mozilla Hubs. Jeder Mozilla Hub ist ein virtueller Raum, der individuell gestaltet wird und den die User in Form eines Avatars betreten. Hier können sich Teams treffen und mit internen wie externen Gesprächspartner*innen kollaborativ zusammenarbeiten. Hier kann man Workshops ebenso wie Feierabend-Session veranstalten. Und wer Sehnsucht nach dem alten Office hat, kann es sich hier mit einigen Tricks nachbauen.

Der Mozilla Hub ist in 3D konfiguriert und ahmt echtes Raum- und Klanggefühl nach. Stehen zwei Avatare direkt nebeneinander, können sie sich akustisch gut verstehen. Entfernen sie sich voneinander, passt sich die Akustik der Distanz an. Diese räumliche Akustik ermöglicht es, dass sich Teams in Gruppen aufteilen, sich an unterschiedliche Plätze im Mozilla Hub zurückziehen und an Aufgaben zusammenarbeiten, ohne einander zu stören. Wer ein besonders direktes Erlebnis im Mozilla Hub sucht, greift zur Virtual-Reality-Brille, um den Raum zu betreten. Diese Welt lässt sich aber auch vom PC und Smartphone aus besuchen.

In der Tech-Branche wird Mozilla Hubs als Vorstufe künftiger Metaverse diskutiert, Zwischenwelten, in denen virtuelle und analoge Welt immer stärker miteinander verschmelzen. Damit ist Mozilla Hubs nicht nur eine charmante Abwechslung zu den klassischen Video-Meetings, sondern bietet auch einen Blick in ein konkretes Tech-Experiment. Dank Open-Source-Ansatz ist es für alle zugänglich.

tanzen macht laune

TANZEN MACHT LAUNE
TANZEN MACHT LAUNE

Mit der Welt Tanzen klingt verrückt und macht irre Spaß. Laut den Machern von Daybreaker gibt es nichts Besseres, als sich früh morgens in den Tag zu tanzen. Dann werden Botenstoffe wie Dopamine, Oxytocin, Serotonin, Endorphine ausgeschüttet und wir starten beschwingt in unsere Arbeit. Ursprünglich war das Event ein analoges Get-together, das in Städten weltweit immer mal wieder von Mitgliedern der Daybreaker-Community ausgerichtet wurde. Seit März gibt es die Tanzrunde auch online. Alle, die Tanzen lieben, es in der Corona-Pandemie vermissen und bereits jetzt bei dem Gedanken gute Laune bekommen: Alle Termine sind hier einsehbar.

Nantjen Küsel


 
Kommentar schreiben
Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

Hinweis

Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen