Studium trifft Praxis – zwei Betrachtungsweisen
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Studium trifft Praxis – zwei Betrachtungsweisen

23/05/2017

Welche Vorteile bringt ein praxisorientiertes oder duales Studium? Um der Frage auf den Grund zu gehen, sprachen wir mit einem Professor und einer Alumni-Studentin.

Über viele Jahrzehnte war der Praxisbezug in der akademischen Ausbildung selten vorhanden. Frontalvorträge waren die Regel, das hat sich inzwischen stark verändert: Duale und praxisorientierte Studiengänge werden immer beliebter – bei Studenten, Lehrenden und Unternehmen. Kein Wunder, denn kaum ein Format schlägt die Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft so nachhaltig. Mit mehreren Stiftungsprofessuren engagiert sich auch die Otto Group bei der Ausbildung von angehenden Fachkräften, vor allem in den Bereichen E-Commerce (FH Wedel) und strategischer Einkauf (HAW Hamburg). Letztere feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Zeit für ein Fazit – aus zwei Perspektiven.

Hierfür sprachen wir mit Prof. Dr. Oliver Klante, Leiter des Masterstudiengangs Multichannel Trade Management in Textile Business, und Kristina Bowry, Alumni-Studentin und Produktmanagerin bei Bonprix.

1. Welche konkreten Mehrwerte bietet ein praxisorientiertes Studium?

Prof. Dr. Klante: „Ein praxisorientiertes Studium wie zum Beispiel Multichannel Trade Management in Textile Business bietet die einmalige Chance, aktuelle wirtschaftliche Themen und Fragestellungen in die Wissenschaft zu tragen und andersherum. Bereits während des Studiums haben Studenten die Möglichkeit, über Praktika und Werkstudententätigkeiten in Unternehmen zu schnuppern, ebenso schreiben circa neunzig Prozent der Studenten praxisorientierte Master-Arbeiten – im besten Fall schließt sich dann direkt der Job im dortigen Unternehmen an. Wissen ist heute an vielen Stellen per Knopfdruck verfügbar – der Studiengang vermittelt, wie man dieses zielgerichtet in der Wirtschaft anwenden kann.“

Kristina Bowry: „Der große Praxisbezug ist ein echtes Plus. Im Laufe des Studiums werden viele Gastvorträge von externen Experten organisiert, so dass man viele Einblicke in verschiedene relevante Bereiche erhält. Hinzu kommen Praktika und/oder eine Werkstudententätigkeit in Unternehmen, die der Hochschule sehr nahe stehen. Auch für Masterarbeiten gibt es oft Themen aus der Praxis mit aktuellem Bezug, die bearbeitet werden können und dann tatsächlich auch für die Wirtschaft eine Relevanz besitzen. Ich habe meine Masterarbeit damals zum Beispiel bei Bonprix geschrieben und wurde im Anschluss direkt übernommen.“

Kristina Bowry (li.) und Prof. Dr. Klante

Kristina Bowry (li.) und Prof. Dr. Klante im Gespräch.
Foto: Moritz Heitmann/HAW Hamburg

2. Wie umgeht man den „Kulturschock“, wenn es von der Theorie in die Praxis geht (und umgekehrt)?

Prof. Dr. Klante: „Indem man als Lehrender den Fokus auf 'Angewandte Wissenschaften' legt. Heißt: Es werden schon per Definition viele konkrete Fragestellungen aus der Wirtschaft behandelt, um den Praxiseinstieg zu erleichtern. Bereits im Studium sollte man den Studierenden vermitteln, dass Unternehmen vielschichtig sind und es auch dort unterschiedliche Kulturen gibt, die man kennenlernen und miteinander vernetzen muss.“

Kristina Bowry: „Praktika und Werkstudententätigkeiten während des Studiums helfen dabei, Einblicke in verschiedene Aufgabenfelder, Prozesse sowie einzelne Unternehmenskulturen zu gewinnen und sich somit bestmöglich auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Dabei lernt man auch seine eigenen Stärken und Ziele besser kennen. Allerdings ist es auch im laufenden Job wichtig, sich fortlaufend weiterzubilden und sich neue Methoden anzueignen, um in Zeiten des steten Wandels mitzukommen.“

Zitat Oliver Klante

3. Welche Implikationen hat die zunehmende Digitalisierung auf die Entwicklung neuer Berufsbilder? Wie kann ein Studium dem heute Rechnung tragen?

Prof. Dr. Klante: „Der Begriff 'Multichannel' impliziert schon die Berücksichtigung der Digitalisierung. Gleichzeitig warne ich davor, sich zu sehr auf das Thema zu fokussieren – den größten Anteil am Handel macht schließlich immer noch das Stationärgeschäft aus. Und der Kunde wird auch in Zukunft ein haptisches Kauferlebnis sowie Inspiration, unter anderem über Kataloge, erfahren wollen.“

Kristina Bowry: „Berufsbilder werden sich stetig ändern, neue werden hinzukommen, bestehende sich dem Wandel anpassen. Ein Studium sollte deshalb die Sensibilität für Trends schaffen, insbesondere technologischer Natur, und das Verständnis für das sich wandelnde Mediennutzungsverhalten schärfen. Zudem sollte es die derzeitig existierenden Berufsbilder in all‘ ihrer Vielfalt aufzeigen, da viele den Studierenden gar nicht bekannt sind. Dies kann zum Beispiel in Form von Gastrednern, Fallstudien etc. erfolgen.“

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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