14.
August
2017
Warum die Otto Group das Textilbündnis weiterhin unterstützt

Warum die Otto Group das Textilbündnis weiterhin unterstützt

  Nachgefragt bei Dr. Johannes Merck
(Direktor Corporate Responsibility Otto Group)

Das von der Bundesregierung initiierte Bündnis für nachhaltige Textilien soll soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der Textillieferkette erreichen und dem Verbraucher eine leichte Orientierung beim Kauf von nachhaltigen Textilien ermöglichen. Es hat seit seinem Bestehen viel Kritik einstecken müssen: die einen bezeichnen des Bündnis als Farce, die anderen sehen mit der Veröffentlichung einzelner Maßnahmenpläne von Mitgliedern seit Ende Juli nun erste Fortschritte in die richtige Richtung. Dies ist, wie wir meinen, der richtige Zeitpunkt, um zu fragen, warum die Otto Group das Textilbündnis weiterhin unterstützt. Dazu haben wir bei Dr. Johannes Merck, Direktor Corporate Responsibility Otto Group, nachgefragt.


Hat das Textilbündnis aus Ihrer Sicht überhaupt eine Zukunft, insbesondere nach dem Austritt mehrerer Mitglieder und der Kritik an fehlenden Fortschritten?

Dr. Johannes Merck: „Das Bündnis hat eine Zukunft, wenn alle Mitglieder ihre Kräfte mobilisieren und dort einsetzen, wo die Hebelwirkung am größten ist. Dazu gehört es auch, Kompromisse zu schließen. Denn so ein Bündnis besteht aus Kompromissen – aber es dürfen keine faulen sein. Eine ausschließlich an Unternehmen gerichtete Erwartungshaltung kann hierbei nicht erfolgreich sein. Neben den Nichtregierungsorganisationen ist insbesondere die Politik gefordert, die bei den Regierungen der Partnerländer darauf drängen muss, dass bestehendes Arbeitsrecht umgesetzt und gewerkschaftliche Strukturen gestärkt werden. Den Kritikern möchte ich sagen, dass es extrem anspruchsvoll ist, die Meinungen und Erwartungshaltungen der vielen Teilnehmer zusammenzuführen und gepaart mit einem extrem ehrgeizigen Zeitplan, dann noch Ergebnisse zu erreichen. Meiner Meinung nach macht das Textilbündnis gute Fortschritte, wie die nun veröffentlichten Roadmaps zeigen, anhand derer die Mitglieder ihre individuellen Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation der Textilarbeiter aufzeigen."


Gehört auch die Otto Group dazu?

Dr. Johannes MerckMerck: "Auch die Otto Group hat, wie angekündigt, ihre Roadmap veröffentlicht. Die dort aufgeführten Ziele sind eine Fortsetzung unseres jahrzehntelangen Engagements im Sozial- und Umweltbereich. Gleichwohl wir zu den führenden Unternehmen in diesem Bereich gehören, gibt es im Zuge der Bündnisziele große Aufgaben zu bewältigen. Für die nächsten Jahre nehmen wir uns insbesondere die tiefere Lieferkette vor. Zu den Maßnahmen gehört u.a. das Auslisten bestimmter Chemikalien in der Vorstufe. Außerdem wollen wir den Anteil an nachhaltiger Baumwolle aus dem Cotton made in Africa-Programm weiter ausbauen und mithilfe weiterer Qualifizierungsmaßnahmen in den Betrieben die Arbeitsbedingungen weiter verbessern."


Warum sind so viele Mitglieder aus dem Bündnis ausgetreten?

Merck: "Das Textilbündnis hat einen umfangreichen und komplexen Monitoring- und Evaluierungsprozess konzipiert, der einige Mitglieder vor erhebliche Herausforderungen gestellt hat. Diese waren in erster Linie struktureller und nicht qualitativer Art. Um eine Zukunftsfähigkeit des Bündnisses zu gewährleisten, müssen die Bemühungen nun darauf konzentriert werden, möglichst viele neue Unternehmen als Mitglieder zu gewinnen. Denn nur so bekommt das Bündnis mehr Einfluss und kann auch tatsächlich seine Wirksamkeit entfalten. Mit Blick auf die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit möchte ich anmerken, dass ein Vergleich der einzelnen Maßnahmenpläne irreführend wäre. Zum einen aufgrund der unterschiedlichen Ausgangslage jedes einzelnen Unternehmens, zum anderen wegen der eigens definierten individuellen Maßnahmen. Im Textilbündnis geht es nicht um eine Einteilung in Gut und Schlecht, sondern um die Anerkennung des Engagements jedes Mitglieds, konkret etwas zu bewirken und Veränderung herbeiführen zu wollen."


Was bedeutet das Textilbündnis für Ihr eigenes Nachhaltigkeitsprogramm?

Merck: "Unsere Mitgliedschaft im Bündnis ist eine logische Konsequenz unseres bisherigen jahrzehntelangen Engagements im Sozial- und Umweltbereich. Wir sind dem Textilbündnis im Jahr 2015 beigetreten, weil wir davon überzeugt sind, dass nur durch den Schulterschluss von Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften so wichtige Themen wie beispielsweise eine faire Entlohnung in den Produktionsländern vorangetrieben werden können. Wir wissen aber auch, dass das Textilbündnis nicht alle Fragen beantwortet. Daher verfolgt die Otto Group auch außerhalb des Bündnisses weiterhin eine Reihe von Maßnahmen und Initiativen, um u. a. dem Kunden die Möglichkeit zu geben, mit dem Kauf eines nachhaltigen Produktes einen Beitrag zur Lösung weltweiter Probleme zu leisten. Mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie 2020 konzentrieren wir uns z. B. auf die Reduzierung der negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Außerdem hat die Otto Group 2004 die Business Social Compliance Initiative (BSCI) mitbegründet, unterstützt seit 2005 die von Dr. Michael Otto gegründete die Stiftung Aid by Trade mit der Initiative Cotton made in Africa (CmiA) und initiierte 2012 die Carbon Performance Improvement Initiative (CPI2), die Lieferanten dabei hilft, die negativen ökologischen Auswirkungen in den Produktionsstätten zu minimieren."




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