Trendwatching: Clean Tech – mit Technologie gegen den Klimawandel?
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Trendwatching: Clean Tech – mit Technologie gegen den Klimawandel?

07/04/2022

Färben ohne Wasser, plastikfressende Enzyme, abbaubare Kunststoffalternativen: Technologische Innovationen bieten das Potenzial, Produkte, Prozesse und Dienstleistungen nachhaltiger zu machen – zumindest, wenn der Schutz des Planeten in ihrer Entwicklung von Anfang an eine zentrale Rolle spielt. Als Clean Tech oder auch Green Tech bezeichnet man solche neuen Lösungen. Was zeichnet „saubere Technologien“ aus und wo kommen sie in der Praxis zum Einsatz?

Das gesellschaftliche Bewusstsein für die Auswirkungen des eigenen Konsums auf die Umwelt und den Klimawandel ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Auch die Pandemie hat daran nichts geändert: Einer Befragung des Umweltbundesamtes zufolge sahen 2020 zwei Drittel der Deutschen den Klima- und Umweltschutz als eine sehr wichtige Herausforderung für unser Land. Laut einer Bitkom-Umfrage betrachtet jede*r Zweite den Klimawandel sogar als das größte und drängendste Problem. 86 Prozent der Deutschen wünschten sich darüber hinaus ein Förderprogramm zur nachhaltigen Digitalisierung der Wirtschaft – sie sehen die Digitalisierung als einen wichtigen Hebel für den Klimaschutz. Genau an diesem Punkt setzt Clean Tech an. Der Begriff steht für neue Technologien, deren Wert nicht nur in ihrer Funktionalität, sondern auch in ihrer Umweltleistung liegt. Gemeint sind damit also technologische Innovationen, die einen geringeren Ressourceneinsatz erfordern, den Emissionsausstoß senken oder die Effizienz von Prozessen umweltschonend steigern.

Clean Tech: integrierter Ansatz für den gesamten Produktlebenszyklus

Bei der Entwicklung neuer Produkte, Prozesse und Dienstleistungen reicht es nicht aus, sich nur auf die Nutzungsphase zu konzentrieren. Ein moderner energieeffizienter Kühlschrank verbraucht zwar in der Regel weniger Strom als ein 20 Jahre altes Modell, doch bereits die Produktion des Geräts kann eine große Belastung für die Umwelt darstellen. Ebenso die Entsorgung, wenn die einzelnen Komponenten nicht recyclingfähig sind. Ganzheitliche Clean-Tech-Konzepte beziehen all diese Phasen im Produktlebenszyklus mit ein und helfen so dabei, eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen. Das Ziel dieser Form des Wirtschaftens ist es, alle eingesetzten Ressourcen, Materialien und Produkte so oft wie möglich wiederzuverwerten und immer wieder in den Kreislauf einzubringen, um möglichst wenig neue Ressourcen einsetzen zu müssen. Auch wir als Otto Group befinden uns auf dem Weg hin zur Circular Economy und haben dieses Ziel in unsere Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen. Was das für die verschiedenen Phasen des Produktlebenszyklus bedeutet, könnt ihr in unserem Dossier nachlesen.

Wer mehr zu umfassendem Klimaschutz entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfahren will: In unserer Podcastfolge zum Thema Klimaschutz erklärt Leander Stüble aus dem Nachhaltigkeitsbereich der Otto Group, wie dieser im Handel aussieht, vor welchen Herausforderungen wir dabei stehen und wie wir das Thema angehen.


The BHive®: Sicheres und nachhaltiges Chemikalienmanagement in Fabriken

Komplexe, international verflochtene Wirtschaftszweige wie die Textilbranche in Richtung Nachhaltigkeit zu transformieren, ist eine große Herausforderung. Hier kommt Clean Tech vor allem als Innovation entlang der Wertschöpfungskette zum Tragen. Ein Beispiel dafür ist die App The BHive®, mit der das Chemikalienmanagement in Fabriken einfach digitalisiert wird. Sie hilft dabei, mehr Transparenz zu schaffen, welche Chemikalien vor Ort eingesetzt werden und ob diese Nachhaltigkeitsanforderungen entsprechen. Dadurch sind die Fabriken in der Lage, gefährliche Chemikalien zu identifizieren und sukzessive durch nachhaltigere Alternativen zu substituieren. Zudem stellt sie für die Fabrikmitarbeiter*innen niedrigschwellige, leicht verständliche Informationen zum sicheren Einsatz der Chemikalien bereit und trägt so zur Arbeitssicherheit vor Ort bei. Damit leistet The BHive® einen wichtigen Beitrag für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit in der tiefen Wertschöpfungskette der Textilindustrie. Verschiedene Unternehmen der Otto Group wie Bonprix, die Witt Gruppe und unsere Beschaffungsorganisation Otto International haben den Einsatz von The BHive® erfolgreich pilotiert. Seit März 2022 geht die Lösung nun in mehreren Fabriken in den Regelbetrieb, beispielsweise in China, Bangladesh, der Türkei, Indien und Vietnam.

CleanDye: Nachhaltige Innovation in der vorgelagerten Wertschöpfungskette

Mit dem Joint Venture CleanDye hat Bonprix direkt in seine Lieferkette investiert. CleanDye nutzt eine innovative Färbetechnik, mit der Polyestertextilien ohne den Einsatz von Wasser und Prozesschemikalien gefärbt werden können. Bei konventionellen Färbeprozessen werden bis zu 25 Liter Frischwasser pro T-Shirt eingesetzt. Der Einsatz von Clean Tech im Färbeprozesse hat damit klare Vorteile für die Umwelt – und auch für die Arbeiter*innen in der CleanDye-Fabrik in Vietnam durch den Verzicht auf Prozesschemikalien. Diese können, wenn sie falsch gehandhabt, gelagert oder entsorgt werden, die Gesundheit der Beschäftigten gefährden.

CleanDye

Clean Tech in der Materialtechnologie: nachhaltige Kunststoff-Alternative von traceless

Auch grüne Innovationen in der Materialtechnologie wie die des Hamburger Startups traceless sind Beispiele für den positiven Einfluss von Clean Tech. Die Gründerinnen Johanna Baare und Anne Lampe haben eine kompostierbare Kunststoff-Alternative entwickelt, die komplett auf natürlichen Rohstoffen basiert und vollständig biologisch abbaubar ist. Seit September 2021 arbeitet OTTO im Rahmen einer exklusiven Kooperation mit traceless an nachhaltigen Versandtüten und Polybeutel aus dem neuartigen Material. Mehr dazu erfahrt ihr im OTTO Newsroom sowie im Podcast O-TON, in der die beiden Gründerinnen zu Gast waren:

Natürlich ist das noch lange nicht alles, was Clean Tech zu bieten hat. Spannende Ansätze gibt es in verschiedensten Bereichen: Unter anderem ist einem internationalen Forschungsteam ein großer Durchbruch gelungen, der dazu beitragen kann, das globale Plastikmüllproblem zu lösen: Sie haben Enzyme entwickelt, die Plastik „fressen“ und damit innerhalb weniger Tage abbauen können. Das könnte nicht nur im Kampf gegen den (Mikro-)Plastikmüll in den Meeren helfen, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft sein, da die Enzyme dabei helfen könnten, Plastik zu recyclen. Auch in der Landwirtschaft findet Clean Tech immer mehr Beachtung: Das Startup Indigo hat beispielsweise Düngealternativen entwickelt, die die Pflanzen schützen, den Ressourceneinsatz optimieren und so die Umweltbelastung durch die Landwirtschaft reduzieren können. Diese Beispiele zeigen deutlich: Clean Tech kann einen wichtigen Beitrag für nachhaltigeres Wirtschaften und den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft bieten – in allen Branchen und entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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