Trendwatching: Sustainable Packaging – wie können wir Verpackungen neu denken?
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Trendwatching: Sustainable Packaging – wie können wir Verpackungen neu denken?

17/12/2021

Wir haben ein Müllproblem. Doch nicht die Menge an sich ist kritisch, sondern die Zusammensetzung der verwendeten Materialien, sagt Verpackungsexperte Dr. Michael Braungart. Nachhaltige, kreislauffähige Verpackungen, die recycelt und wiederverwertet werden können, sind daher gefragt wie nie. Die Otto Group pilotiert verschiedene Sustainable-Packaging-Projekte, um dem Müll langfristig den Kampf anzusagen.

Der E-Commerce hat nicht zuletzt auf Grund der gesellschaftlichen Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie einen beispiellosen Aufschwung erlebt. Insbesondere die Schließungen im Einzelhandel haben Verbraucher*innen dazu gebracht, ihre Einkäufe noch häufiger online zu erledigen – Online-Shopping ist derzeit so populär wie nie zuvor. Dieses enorme Wachstum bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich, auch in puncto Nachhaltigkeit. Dazu gehört vor allem die wachsende Menge an Verpackungsmaterial, die mit der hohen Zahl an Bestellungen einhergeht. Die Lösung könnte Sustainable Packaging sein, ein Makrotrend, der die Recyclingfähigkeit, Wiederverwendbarkeit und Kreislauffähigkeit von Verpackungsmaterialien in den Mittelpunkt stellt. Was es damit auf sich hat und welche Lösungsansätze wir in der Otto Group verfolgen, erfahrt ihr in diesem Beitrag unserer Blogserie „Trendwatching“.

Werden wir in Müll ersticken?

8,59 Millionen Tonnen Verpackungsmüll haben die Deutschen 2019 verursacht und sich damit im europäischen Vergleich den traurigen ersten Platz gesichert. Mit rund 227,55 Kilogramm pro Kopf verursachen deutsche Bürger*innen satte 50 Kilogramm mehr Verpackungsmüll als im europäischen Durchschnitt. Laut einer aktuellen Erhebung soll die Menge von Plastik, Leichtverpackungen und Glas in privaten Haushalten seit dem Ausbruch der Pandemie im vergangenen Jahr um jeweils rund sechs Prozent gestiegen sein. Die Gründe für die wachsende Menge an Verpackungen sind laut Deutscher Umwelthilfe beispielsweise kleinere Verpackungsgrößen, die im Verhältnis zum Inhalt mehr Verpackungsmaterial benötigen, und der Boom von Einweg-To-Go-Verpackungen, aber eben auch der wachsende Online-Handel. Dort sind Verpackungen in der Logistik unerlässlich und erfüllen eine zentrale Funktion: Sie schützen Waren auf ihrem Weg vom Hersteller zu den Endkund*innen.

„Der Konsum? Der ist nicht das Problem“

Nicht die Menge selbst ist jedoch das Problem, wie der renommierte Verpackungsexperte Dr. Michael Braungart im Interview für unser Nachhaltigkeitsmagazin NOW erklärt hat. Sondern die Zusammensetzung der Verpackungen: Häufig bestehen sie aus mehreren Materialien und können deswegen gar nicht oder nur schwer recycelt werden. Er fordert daher, das Packaging von Grund auf neu zu denken – individuelle Lösungen, deren Wiederverwertung von Anfang an mitgedacht wird, statt Standardverpackungen.

Innovative und kosteneffiziente Verpackungen, recycling- und kreislauffähig, wiederverwendbar und kompostierbar, sind also gefragt. Dafür gibt es zahlreiche mögliche Lösungsansätze – von neuen Materialien, beispielsweise Kunststoffalternativen, bis hin zu Logistiksystemen mit geschlossenen Verpackungskreisläufen wie zum Beispiel die Mehrfachnutzung von Transportboxen.

Pilotprojekte in der Otto Group für nachhaltige Verpackungen

Gemäß unserer Mission “Responsible commerce that inspires” sehen wir es als unsere Verantwortung an, zur Bewältigung dieser Herausforderung beizutragen. Aus diesem Grund pilotieren unsere Konzernunternehmen verschiedene Sustainable-Packaging-Projekte, von denen wir euch einige kurz vorstellen möchten.

Mehrwegverpackungen – Beteiligung am Forschungsprojekt „PraxPack“
Nachhaltige Verpackungen bei Bonprix
Wilde Versandtaschen – Kooperation mit Wildplastic
Kompostierbare Versandtüten mit Traceless
Bettlaken verpackt in Bettlaken
Mehrwegverpackungen – Beteiligung am Forschungsprojekt „PraxPack“
Mehrwegverpackung RePack

OTTO ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes „PraxPack“, das sich zum Ziel gesetzt hat, beim Versand im E-Commerce Müll zu vermeiden. Im Rahmen des Forschungsvorhabens hat OTTO eine neue Verpackung getestet: RePack ist eine Mehrwegversandtüte, die zum Versender zurückkommt, ob leer oder mit Retoure, und dann erneut benutzt werden kann. Die faltbare Tasche besteht aus 100 Prozent recyceltem Polypropyle, wird nach der Nutzung aufbereitet, desinfiziert, gereinigt und ist dann bereit für die nächste Bestellung. So spart RePack bis zu 80 Prozent CO2 und 96 Prozent Müllvolumen im Vergleich zu herkömmlichen Versandverpackungen ein. Auch den OTTO-Kund*innen gefiel RePack: Laut Umfrage im Pilottest fiel ihnen die Mehrwegversandtasche positiv auf und sie wären bereit gewesen, Pfand für die Mehrwegverpackung zu hinterlegen oder einen Aufpreis zu zahlen – im Piloten wurde keins von beidem erhoben, die Teilnahme appellierte rein an den guten Willen. Gleichzeitig zeigte der Test aber auch, dass das System in der Logistik erhebliche Mehraufwände verursacht. Um es also in der Fläche einzuführen, müsste hier über ein brancheneinheitliches Pfand- und Rückführsystem nachgedacht werden. Oder eine individuelle, freiwillige Auswahlmöglichkeit im Check-Out-Prozess – so oder so: Mehrwegverpackungen sind ein hochspannendes Thema, das wir weiter beobachten.

Nachhaltige Verpackungen bei Bonprix
Nachhaltige Produktverpackung Polybag Bonprix

Bis 2025 möchte Bonprix auf 100 Prozent nachhaltige Verpackungen umstellen. Die Versandkartons bestehen bereits heute zu 100 Prozent aus FSC©-zertifizierter Pappe, die Versandtüten enthalten mindestens 80 Prozent recycelten Kunststoff. In Kooperation mit Fashion for Good erforscht Bonprix innovative Artikelverpackungen: So wurde in einem Pilotprojekt gemeinsam mit anderen Unternehmen die erste kreislauffähige Lösung für Produktverpackungen (Polybags) getestet. Das Unternehmen Cadel Deinking hat eine Möglichkeit gefunden, Reste von Druckfarben und Klebstoffen aus genutzten Polybeuteln zu lösen. Mit Erfolg: Das daraus entstehende recycelte Material steht der konventionellen Variante in nichts nach. Wie Bonprix die Erkenntnisse aus dem Piloten künftig weiter nutzen kann, wird aktuell in den Logistikzentren evaluiert.

Wilde Versandtaschen – Kooperation mit Wildplastic
Das Wildplastic-Team mit der Pilot-Versandtüte

Wildes Plastik? Klingt zunächst verrückt, bezeichnet aber einfach Kunststoffmüll, der herrenlos in der Umwelt landet, fernab von Recycling oder Wiederverwendung. Das Hamburger Start-up Wildplastic haucht diesem Plastikmüll neues Leben ein: In Ländern ohne funktionierendes Recyclingsystem wie Haiti oder Nigeria wird das wilde Plastik eingesammelt, nach Portugal oder Spanien gebracht und dort recycelt. Das daraus entstehende Granulat wird dann in europäischen Produktionsstandorten zu Versandtüten verarbeitet. Erste Auswertungen zeigen: Die Wildplastic-Tüten stoßen weniger CO2-Emissionen aus als vergleichbare Versandtüten mit einem Recyclinganteil von 80 Prozent. Daneben hat die Lösungen noch weitere wichtige Vorteile: Sie trägt dazu bei, die Umwelt von Plastikmüll zu befreien und bietet den Sammler*innen vor Ort einen fairen und regelmäßigen Lohn für ihre Arbeit. In einem Pilottest hat OTTO im Sommer 2020 insgesamt 10.000 Versandtüten aus Wildplastic an Kund*innen versandt. Mit Erfolg: Seit Frühjahr 2021 stellt OTTO schrittweise alle Versandtüten auf wildes Plastik um. Im Interview mit Wildplastic-Mitgründer Christian Sigmund erfahrt ihr mehr über das Projekt.

Kompostierbare Versandtüten mit Traceless
Traceless-Gründerinnen Anne Lamp und Johanna Baare

2020 gründeten Dr. Anne Lamp und Johanna Baare aus Hamburg das Start-up Traceless. Ihre Vision: ein vollständig kompostier- und abbaubarer Biokunststoff aus biobasierten Rohstoffen, die als Nebenprodukte in der Agrarindustrie abfallen. Und das ganz ohne gesundheits- oder umweltgefährdende Zusatzstoffe, Lösungsmittel oder Chemikalien. Wichtig zu wissen: Die genutzten Rohstoffe stehen nicht im Konflikt mit der Nahrungsmittelproduktion und verändern auch die Landnutzung durch die Landwirtschaft nicht. Aus dem patentierten Material entwickelt Traceless gemeinsam und exklusiv mit OTTO nun Prototypen für innovative Versandtüten und Polybeutel, die im ersten Halbjahr 2022 pilotiert werden sollen.

Bettlaken verpackt in Bettlaken
Nachhaltige Produktverpackungen bei Bonprix Bettlaken

Bonprix testet auch ganz neue Verpackungslösungen, etwa für Bettlaken. Diese werden in kleinen Beutel verpackt, die aus Produktionsresten der Bettlaken hergestellt wurden und von den Kund*innen weiterbenutzt werden können. Auf diese Weise hat das Unternehmen 2,5 Tonnen Plastikmüll pro Jahr eingespart. Ähnliche Ideen sollen künftig auch in weiteren Produktgruppen getestet werden.

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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