„Vertrauen entsteht, wo Transparenz ist“ – und welche Rolle Banken dabei spielen
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„Vertrauen entsteht, wo Transparenz ist“ – und welche Rolle Banken dabei spielen

27/10/2020

In einer aktuellen Studie beleuchtet der Finanzdienstleister EOS das Zusammenspiel von Datenfreigabe und Vertrauen – mit interessanten Erkenntnissen. So werden beispielsweise Finanzdaten als besonders sensibel eingestuft, während etwa Fitness- oder Konsumdaten vielen Nutzer*innen als weniger schützenswert gelten. Im Gespräch mit Dr. Henning Stolze, Leiter Data Governance & Data Management bei EOS, setzen wir die wesentlichen Erkenntnisse in Relation zu den aktuellen Herausforderungen für den Handel.

Henning, digitale Mündigkeit fängt ja bereits beim Umgang mit den eigenen Daten an. Kannst Du auf Basis der Studienergebnisse ein allgemeines Bild zeichnen?

Henning: „Die Studie zeigt, dass die Deutschen sowohl zwischen den unterschiedlichen Datenarten als auch Branchen klar differenzieren. So betrachten die Befragten Finanzdaten als am schützenswertesten. Ein Ergebnis, dass sich auch in den übrigen 16 Ländern unserer Erhebung zeigt. Einblicke ins Bankkonto oder der Zugriff auf Konto- oder Kreditkartendaten sind für die meisten deutschen Verbraucher*innen tabu. Informationen zum Surfverhalten, Fitnessdaten oder Neigungen zu Produkten und Marken werden hingegen als weniger sensibel betrachtet. Das größte Vertrauen im Umgang mit Daten genießen hierzulande Banken und Online-Zahlungsanbieter, wohingegen der Onlinehandel und Soziale Netzwerke eher schlecht abschneiden.“

Dr. Henning Stolze, Leiter Data Governance & Data Management bei EOS

Dr. Henning Stolze

Wie erklärt sich dieser Vertrauensunterschied zwischen Finanzdienstleistern und dem Onlinehandel?

„Laut unserer Studie hatten mehr als 22 Prozent der Verbraucher*innen in Deutschland schon einmal Negativerlebnisse mit der Datenweitergabe im Internet, also mehr als jede*r Fünfte. Meine These ist, dass davon einige Branchen stärker betroffen sind als andere. Die Finanzbranche dürfte hier zum Beispiel von den strengen Zulassungskriterien und Regularien profitieren, denen Banken und Finanzdienstleister unterliegen. Zudem haben sie sich bereits in der realen Welt einen Vertrauensvorsprung aufgebaut – man denke nur an das Wort ‚Bankgeheimnis‘. Beim Onlinehandel muss dieses Vertrauen individuell aufgebaut werden, zum Beispiel, weil die Branche teilweise mit unseriösen Fake-Shops zu kämpfen hat.“

Gleichzeitig erleben wir seit Corona einen E-Commerce-Boom, da dieser das kontaktlose Einkaufen ermöglicht. Lässt sich die Sorge um den Schutz der eigenen Daten einfach so abschalten? Oder erleben wir da gerade einen Paradigmenwechsel?

„Wie unsere Befragung verdeutlicht, ist die Bereitschaft der Verbraucher*innen zur Datenpreisgabe maßgeblich an Vertrauen gekoppelt. Hier besteht noch viel Luft nach oben: Nur 35 Prozent der Deutschen vertrauen Unternehmen im Umgang mit digitalen Daten. Damit liegen wir im europäischen Mittelfeld. Vertrauen entsteht, wenn transparent ist, wofür Daten genutzt werden. Aus meiner Sicht muss die Wirtschaft den Kund*innen stärker aufzeigen, was sie dafür bekommen, wenn sie Informationen teilen. Wir sehen übrigens, dass junge, gut ausgebildete Menschen mit hohem Einkommen tendenziell offener sind, ihre Daten zu veräußern. Während des Corona-Lockdowns standen nun viele Stationärgeschäfte von jetzt auf gleich nicht mehr zur Verfügung – die Leute waren gezwungen, Alternativen zu suchen. Viele, gerade auch ältere Kund*innen dürften in dieser Zeit erstmals online bestellt haben. Wenn sie dort positive Erfahrungen gemacht haben, auch im Umgang mit ihren Daten, dürfte dies mittelfristig positive Auswirkungen haben.“

Welches Bild zeichnet sich aktuell eigentlich am Forderungsmarkt? Hat die Pandemie große Spuren hinterlassen?

„Wir beobachten, dass einige Branchen mit erheblichen Zahlungsausfällen zu kämpfen haben, während andere keinen Rückgang verzeichnen mussten. Der Zahlungseingang im Onlinehandel ist zum Beispiel stabil geblieben oder sogar gestiegen, viele Bankkunden haben aber von den gesetzlichen Möglichkeiten zur Stundung ihrer Kredite Gebrauch gemacht und Zahlungen vorläufig ausgesetzt. Hier bleibt die Entwicklung der kommenden Monate abzuwarten. Auf Jahressicht und über alle Branchen hinweg verzeichnen wir bei EOS in Deutschland aktuell einen insgesamt stabilen Neuzugang offener Forderungen, sprich: die Zahlungsmoral bei Konsument*innen hat bisher keinen Dämpfer erfahren.“


Über die repräsentative EOS Studie „Was sind Daten wert?“ 2020

EOS Studie: Was sind Daten wert?

Die EOS Studie, die in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Kantar im Frühjahr 2020 durchgeführt wurde, ist repräsentativ für die (Online-)Bevölkerung ab 18 Jahren in den 17 untersuchten Ländern. Eine Stichprobe von jeweils 1.000 Befragten aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kroatien, Polen, Rumänien, Russland, der Schweiz, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und den USA sowie von 300 Befragten aus Nordmazedonien wurde für die Auswertung verwendet. Die Teilnehmer*innen beantworteten Fragen zu ihrem persönlichen Umgang mit Daten und deren Freigabe, ihrem Vertrauen in Unternehmen sowie ihrer Bereitschaft, Daten gegen Vergütung zu veräußern. 
Hier geht's zu den weiteren Ergebnissen und Infografiken sowie zum kostenlosen Whitepaper zur Studie.

Der ausgeprägte Einsatz von Informationstechnologie, insbesondere in sensiblen Geschäftsprozessen wie dem E-Commerce und der logistischen Abwicklung, erhöht den Schutzbedarf vor unberechtigten Datenzugriffen und Datenmissbrauch. Gegen diese Risiken sichert sich die Otto Group durch umfassende Sicherheitskonzepte ab. Neben organisatorischen Maßnahmen bilden Firewall-Systeme auf unterschiedlichen Ebenen, der Einsatz von Virenscannern sowie Zugriffskontrollen auf Betriebssystem- und Anwendungsebene weitere Element der Sicherheitsstrategie. Darüber hinaus werden regelmäßig Sicherheitstest durch interne und externe Spezialisten durchgeführt, daraus abgeleitete Maßnahmen konsequent umgesetzt und nachgehalten. Seit drei Jahren wird die Otto Group IT durch den TÜV Rheinland auditiert und erfüllt mit der Zertifizierung ISO 27001 höchste Anforderungen an die Informationssicherheit.

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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