09.
Juli
2018
Was der E-Commerce vom Fußball lernen kann

Was der E-Commerce vom Fußball lernen kann

  Redaktion ottogroupunterwegs
(Admin)

In Zeiten der Digitalisierung heißt es, auch mal über den Tellerrand schauen. Denn in einem sich stetig wandelnden Umfeld müssen ständig neue Situationen gemeistert werden. Um dafür innovative Antworten zu finden, darf man sich auch mal aus seinem Schneckenhaus heraustrauen und sich inspirieren lassen – zum Beispiel vom Fußball.

Pfiffige Entscheidungen unter Druck treffen, darin ist Referee Bibiana Steinhaus spitze. Sie gehört zu den Besten ihres Fachs – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Das Finale der Frauen-Weltmeisterschaft pfiff sie ebenso wie das Finalspiel bei den Olympischen Spielen. Als erste und einzige Frau liest die Polizeibeamtin auch den Fußballstars der ersten Bundesliga die Leviten, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. Bei einem internen Talk, initiiert durch das OTTO-interne Frauennetzwerk Plan F, lieferte Steinhaus spannende Insights – von denen nicht zuletzt der Online-Handel lernen kann:

Bibiana Steinhaus zu Besuch beim OTTO-Frauennetzwerk PLAN F

Offensiver Vortrag: Fifa-Referee Bibiana Steinhaus teilt ihren Erfahrungsschatz
bei einem internen Talk bei der Otto Group.

Es gibt nicht immer richtig oder falsch

Rund 300 Entscheidungen treffen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter durchschnittlich pro Fußballspiel. Basis dafür: Die etwa 160 Seiten, die das Regelwerk mittlerweile umfasst - und die kann Steinhaus im Schlaf aufsagen. Trotzdem gibt es immer wieder unerwartete Situationen, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Ein Beispiel: Die Aktion vom Scherzkeks Franck Ribery, der im Pokalspiel gegen Chemnitz meinte, der Schiedsrichterin den Schnürsenkel aufziehen zu müssen. Dafür findet man im Regelwerk keine Vorgabe. „Es gibt oft kein richtig und kein falsch“, sagt Steinhaus. Es seien häufig Grenzentscheidungen, die man als Spielleiterin oder Spielleiter treffen müsse. Dessen müsse man sich bewusst sein.

Teamwork is dreamwork - analog und digital

Ihre Entscheidungen trifft sie indes nicht alleine, sondern immer unterstützt durch die Schiedsrichterassistenten – auf dem Platz und digital. Während der ein oder andere Kollege noch mit der neuen Technologie im Fußball fremdeln mag, sieht Bibiana den Videoassistenten als Chance: „Wenn es hart auf hart kommt, dann bin ich doch froh und dankbar, wenn ein Kollege vorm TV mir die Info gibt, dass ich klar anders entscheiden würde, könnte ich die gleichen Bilder sehen wie er.“ Der Videobeweis ist also Unterstützung. Das letzte Wort hat immer noch der Referee auf dem Platz.

Fehlentscheidung? Durchatmen und weiter.

Ein Fußballspiel, das seien etwa 90 Minuten Krisenmanagement. Da dürfen die Gedanken nicht abschweifen, darf der Kopf nicht zu lange in Vergangenem verhaften. Schon gar nicht mit etwaigen Fehlentscheidungen, die natürlich auch eine erprobte Schiedsrichterin wie Steinhaus schon getroffen hat: „Es passiert, es tut weh und ist nicht schön.“ Aber das Fußballspiel läuft trotzdem weiter. Keine Zeit, um dann lange darüber nachzudenken. In diesem Fall heiße es, alles andere beiseite zu stellen und sich später darum kümmern. Schließlich verlange das weitere Spiel ihre vollen Aufmerksamkeit.
Im Nachhinein geht sie mit sich selbst dafür umso gründlicher ins Gericht: ,Wie konnte es zu der Fehlentscheidung kommen?' „Das ist kein Wellnessprogramm, aber nur das bringt mich weiter“, weiß Steinhaus.

Mitstreiter finden

Körperlich steht Bibiana Steinhaus ihren Kollegen in nichts nach. Das muss sie auch, denn für sie gibt es weder bei den Fitnesstests eine Extrawurst, noch würden James, Reus oder Werner für sie langsamer laufen. Bibiana zieht deshalb ein eisernes Trainingsprogramm durch neben ihrem Job als Polizeibeamtin. Wie motiviert sie sich? An ihrer Seite hat sie „Leidensgenossen“, wie sie sagt, mit denen sie sich verbindlich zum Training verabredet und gegenseitig anspornt – auch wenn etwas nicht auf Anhieb klappt: „Ich habe jede Hürde in Hannover mindestens einmal umgeschmissen. Aber am Ende zählt das Ergebnis.“ 

Perspektivwechsel suchen

Während ihre Aufgaben als Schiedsrichterin besonders zu Turnierzeiten ihr Leben bestimmen (Beispiel: „Ich habe die Hochzeit meiner Schwester verpasst.“ – der besondere Tag lag ungünstigerweise in der WM-Zeit), sucht Bibiana auch immer wieder neue Perspektiven abseits des Fußballs. So ist sie heute auch ausgebildete Coachin. „Manchmal ermöglicht ein Schritt zur Seite neuen Anlauf“, resümiert die mehrfache Schiedsrichterin des Jahres. 

Alles, was zählt, ist Leistung.

Im Männerfußball ist Bibiana Steinhaus als Schiedsrichterin in der Bundesliga eine Pionierin. Aber hört man ihr zu, dann könnte sich das gerne ändern. Immer wieder plädiert sie dafür, dass vor allem Leistung zähle: „Wir brauchen die Besten.“ Und weiter: „Etwas mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung ist weiblich. Dann müssten auch etwas mehr als 50 Prozent der Besten in ihrem Fach weiblich sein.“ Also nicht von überkommenen Rollenklischees abschrecken lassen, sondern durch Leistung überzeugen.


Artikelbild: Freepik

Beitragsbild: OTTO



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