22.
Juni
2017
Was macht eigentlich… der 3D-Druck im E-Commerce?

Was macht eigentlich… der 3D-Druck im E-Commerce?

  Nachgefragt bei Florian Hermsdorf
(Heaf of Innovation Management Otto Group)

Online-Shop angesurft, Traumschuh entdeckt, ausgedruckt und angezogen – wer dachte, dass Same-Day-Delivery oder Click & Collect das Kapitel Warenverfügbarkeit neu geschrieben hätten, hat die Rechnung ohne das Thema 3D-Printing gemacht. Ein Sammelbegriff für verschiedene Verfahren, bei denen maschinell aus flüssigen oder festen Werkstoffen schichtweise dreidimensionale Werkstücke zum sofortigen Einsatz entstehen. Was lange als Nischenthema galt, wird auch im E-Commerce mit dem Endverbraucher seit längerem diskutiert. Wenngleich es zuletzt etwas stiller darum geworden ist. Wir fragten Florian Hermsdorf, Innovationsexperte bei der Otto Group, wie es momentan um 3D-Printing im Online-Handel steht.

Florian, Ist der Hype um 3D-Printing bereits abgeklungen oder erleben wir derzeit nur die Ruhe vor dem Sturm?

Florian Hermsdorf: „3D-Printing im B2C-Bereich ist und bleibt ein sehr relevantes Thema für den Online-Handel. Obgleich der Output momentan noch überschaubar ist, passiert im Hintergrund – zumindest, was die Otto Group betrifft – bereits sehr viel. Oder um es mit der Eisbergsymbolik zu beschreiben: Das Wesentliche spielt sich momentan noch in einem nicht sichtbaren Bereich, unterhalb der Wasseroberfläche ab.“


Kannst Du das genauer beschreiben?

Florian HermsdorfHermsdorf: „Beim Otto Group Innovation Management beschäftigen wir uns bereits seit vier Jahren intensiv mit dem Thema 3D-Druck. Heißt, wir analysieren fortlaufend die wirtschaftliche Relevanz des Themas, tauschen uns mit Anbietern aus, treiben mit Konzerngesellschaften Pilotprojekte voran, sammeln und verdichten Erkenntnisse. Für uns ist es wichtig, solche Technologien mit starkem Disruptionspotenzial frühzeitig genau zu verstehen, um etwaige Stolpersteine für die produktive Nutzung rechtzeitig zu beseitigen. So können wir sicherstellen, dass wir auch als Early Adopter einen entsprechenden Wettbewerbsvorsprung erzielen.“


Woran liegt es denn, dass 3D-Druck noch nicht im Mainstream angekommen ist?

Hermsdorf: „Das kann man so pauschal ja gar nicht behaupten. In manchen Branchen ist 3D-Druck bereits State-of-the-Art, unter anderem in der Automobilindustrie und Orthopädietechnik sowie im Flugzeugbau. Im Endkundenbereich sieht es halt noch anders aus – da müssen erst entsprechende Strukturen geschaffen werden. Dazu zählt unter anderem die flächendeckende Verfügbarkeit von 3D-Druckern, bei denen sich zum Beispiel Verbraucher vor Ort Dinge ausdrucken lassen können. Mit Anschaffungskosten von 1.000 bis 4.000 Euro sind gute Drucker für den Privatgebrauch noch sehr teuer. Zudem bleibt abzuwarten, welches Druckverfahren sich am Ende konkret für welche Anwendungszwecke durchsetzen wird. Das hängt nicht zuletzt von den Produktgruppen ab, die auf Verbraucherseite die meiste Nachfrage erfahren.“

3D-Schmuckkonfigurator Bonprixzoom

Online-Konfigurator für Schmuck im Bonprix-Webshop

Für welche Sortimente würde 3D-Druck denn in Frage kommen?

Hermsdorf: „Die Bandbreite an herstellbaren Produkten ist inzwischen immens und reicht vom Brillengestell bis hin zu kleineren Möbeln. Auch Schuhe oder Kleidung lassen sich bereits im 3D-Druckverfahren herstellen. Ebenso kann ich mir für bestimmte Dinge auch einfach nur ein Ersatzteil anfertigen lassen. In Zusammenarbeit mit Bonprix haben wir kürzlich einen Online-Schmuckkonfigurator getestet, mit dessen Hilfe Kundinnen eine Halskette nach ihren eigenen individuellen Vorstellungen anpassen konnten. Das Endprodukt wurde dann per 3D-Druck hergestellt und anschließend normal in einem Paket zugesandt. Ich denke, dass sich 3D-Printing im E-Commerce vor allem dort durchsetzen wird, wo das Bedürfnis nach Personalisierung besonders hoch ist.“


Wie sieht die Perspektive für den 3D-Druck in Online-Handel aus?

Hermsdorf: „Aktuell befinden sich viele Anbieter noch in einem Test-and-Learn-Modus. Dabei geht es weniger um die technische Implementierung in einen Webshop als vielmehr um die Erforschung der Kundenakzeptanz und das Ableiten wirtschaftlich tragfähiger Konzepte. Wo werden 3D-Services gut angenommen? Wo bieten sie besondere, anders nicht zu erreichende Mehrwerte? Diese und weitere Fragen sind hierbei zu klären. Am Ende müssen Kosten und Nutzen ja schließlich im Einklang stehen. Bis das Thema seinen breiten Durchbruch auch im E-Commerce erlebt, wird es also wohl noch eine kleine Weile dauern. Aufgrund des großen Potenzials lohnt es sich jedoch allemal, jetzt dran zu bleiben.“



1

Kommentar

  • Amalia B

    "Vielen Dank für den Artikel. Ich finde die Entwicklung des 3D Druckers extrem spannend. Auch Branchen die die Technologie schon verwenden, wie beispielsweise die <a href='http://www.medisan-ot.de/orthop-die-und-rehatechnik' > Orthopädietechnik</a> hat durchaus noch Wachstumspotential."

    04. September 2017 10:46

Kommentar schreiben

Hinweis
Wir freuen uns über Ihre Kommentare in diesem Blog. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Beiträge nachträglich zu löschen, sollten diese gegen die Kommentarrichtlinien verstoßen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte, Spam oder Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

Verwandte Artikel

  •  
    13.
    Februar
    2019
    Hermes UK: Innovationsbrutstätte für eine ganze Branche

    Hermes UK: Innovationsbrutstätte für eine ganze Branche

    Nachgefragt bei
    Icon Richard Blown
    (Head of Innovation Hermes UK)

    Die britische Digital-Industrie ist der deutschen oft um einige Monate voraus – in Teilen gilt das auch für die Paketzustellung. Warum ist das so? Und was hat der Verbraucher damit zu tun?

  •  
    31.
    Januar
    2019
    „Klassisches Handelsgeschäft reicht nicht mehr“

    „Klassisches Handelsgeschäft reicht nicht mehr“

    Nachgefragt bei
    Icon Markus Rech
    (CEO Sportscheck)

    Services, Content, Communities und ein Award: Wie sich der Multichannel-Sportfachhändler Sportscheck in Zeiten der Digitalisierung neu positioniert.

  •  
    28.
    November
    2018
    Weihnachten – kein Fest der Miete

    Weihnachten – kein Fest der Miete

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Alle Jahre wieder... steht der Weihnachts-Shopping-Stress vor der Tür. Warum nicht einfach mal ein Geschenk mieten? Wir fragten nach – mit sehr deutlichem Ergebnis.

Beliebte Artikel

  •  
    31.
    Januar
    2018
    10

    Blogparade #Zukunftsblick: Die Welt von morgen

    Icon Redaktion ottogroupunterwegs
    (Admin)

    Autonom fahrende Autos, Shopping über Spracheingabe, Bitcoin statt Bargeld, eine neue Kultur in der Arbeitswelt: Wie sieht die Welt von morgen aus? Das Thema unserer Blogparade #Zukunftsblick.

  •  
    16.
    August
    2018

    „Menschen über 50 leben nicht in der digitalen Steinzeit“

    Nachgefragt bei
    Icon Melanie Atencio u. Sebastian Keck
    (Mobile-Projektmanager Witt-Gruppe)

    Immer mehr Best Ager gehen ins Netz – auch übers Smartphone. Was bedeutet das für die Entwicklung von Shopping-Apps speziell für diese Zielgruppe? Zwei Experten geben Tipps.

  •  
    24.
    August
    2018
    1

    Eine ordentliche Portion Mut für die Gewohnheitstiere

    Nachgefragt bei
    Icon Petra Scharner-Wolff
    (Konzernvorständin Finanzen, Controlling und Personal)

    Die Digitalisierung stellt die Welt auf den Kopf. In Zeiten des Wandels braucht es also: Mut. Petra Scharner-Wolff erklärt, wie ein Konzern lernen kann, mutig zu sein.

Neueste Kommentare

Hilka zu #ausfehlernlernen – Erste FuckUp-Night der Otto Group

"Hallo zusammen, ich bin zufällig auf diesen Artikel gestoßen und würde mich gerne mit einem der..."
11.01.2019

Viola Flambe zu Wie bonprix nach weiblichen IT-Talenten sucht

"Danke für die Coding Challenge. Bitte weiter so. "
17.12.2018

Katharina zu Podcast #13: (Fast) Alles über Conversational Commerce

"DEVICE = Gerät Wir haben auch im Deutschen viele ausreichende, gut beschreibende Worte. Warum werden..."
18.11.2018

Neueste Tweets

  • Ein Ausblick in die Zukunft der #Mobilität von @sascha_p: Mehr #carsharing und ...

  • „Der wahre Charakter eines Menschen kommt heraus, wenn die Smartphone-Batterie bei unter 5% ...

  • Bei dem Besuch ist die Bude natürlich voll: @sascha_p bei den #InnoDays19, dem internen ...