World Cotton Day: Wie gelingt nachhaltiger Baumwollanbau?
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World Cotton Day: Wie gelingt nachhaltiger Baumwollanbau?

07/10/2021

Heute findet zum dritten Mal der World Cotton Day statt, den die Welthandelsorganisation (WTO) gemeinsam mit westafrikanischen Baumwollanbauländern ins Leben gerufen hat. Ziel des Aktionstages ist Sichtbarkeit und Anerkennung für alle Akteur*innen in der Baumwollproduktion und -verarbeitung. Ein wichtiges Signal, denn Baumwolle ist die bedeutendste Naturfaser in der weltweiten Textilindustrie und spielt eine herausragende Rolle für die Arbeits- und Lebensbedingungen in den Anbaugebieten sowie für die Umwelt.

Der WWF schätzt, dass etwa die Hälfte aller Textilien aus Baumwolle bestehen. Mehr als 250 Millionen Menschen arbeiten weltweit in der Produktion des Rohstoffs. Auf ca. 32 Millionen Hektar Fläche rund um den Globus werden etwa 26 Millionen Tonnen Baumwolle hergestellt. Der Anbau findet unter anderem in den Trocken- und Feuchtsavannen Afrikas statt, aber vor allem auch in Indien, China, den USA, Brasilien und Pakistan. Allein anhand dieser Zahlen wird deutlich: Die Baumwollproduktion ist ein enormer Wirtschaftszweig, der sowohl massiven Einfluss auf die Umwelt als auch auf die Lebensbedingungen der Menschen in den Produktionsländern hat.

Mit unserer CR-Strategie verfolgen wir als Otto Group das Ziel, bei Eigen- und Lizenzmarken ausschließlich Baumwolle aus nachhaltigem Anbau zu verwenden – ein Ziel, dem wir bereits sehr nah gekommen sind: 2020 lag der Anteil bereits bei 98 Prozent. Dazu gehört neben recycelter und Bio-Baumwolle vor allem Baumwolle der Initiative Cotton made in Africa (CmiA). Sie setzt sich nicht nur für einen umweltfreundlicheren Baumwollanbau ein, sondern vor allem auch für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen der afrikanischen Kleinbäuerinnen, -bauern und ihrer Familien.

Cotton made in Africa: Bessere Arbeitsbedingungen, weniger Umweltbelastungen

Prof. Dr. Michael Otto hat mit der Aid by Trade Foundation bereits 2005 den nachhaltigen Textilstandard Cotton made in Africa ins Leben gerufen. CmiA ist heute in Benin, Burkina Faso, Côte D’Ivoire, Kamerun, Mosambik, Nigeria, Sambia, Tansania, Tschad sowie Uganda aktiv und der größte Standard für nachhaltige afrikanische Baumwolle. 2020 produzierten rund eine Million Kleinbäuerinnen und -bauern etwa 630.000 Tonnen CmiA-verifizierte Baumwolle – das ist rund ein Drittel der gesamten afrikanischen Baumwollproduktion.

CmiA setzt auf umfangreiche land- und betriebswirtschaftliche Schulungsangebote, die die Beteiligten dabei unterstützen, Baumwolle effizienter und gleichzeitig umweltfreundlicher anzubauen und ihre Betriebe gewinnorientiert zu bewirtschaften. Im Gegensatz zum konventionellen Anbau wächst CmiA-Baumwollte nicht in Monokulturen, sondern im Wechsel mit anderen Feldfrüchten, um die Auslaugung der Böden zu verhindern, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, den Schädlingsbefall und damit auch den Einsatz von Pestiziden zu vermindern. Das trägt Früchte: Bei Cotton made in Africa werden pro Kilogramm Baumwolle 13 Prozent weniger CO2-Äquivalente freigesetzt als im globalen Durchschnitt. CmiA-Kleinbäuerinnen und -bauern nutzen zudem keine künstliche Bewässerung. Während pro Kilogramm CmiA-Baumwolle 2 Liter Frischwasser verbraucht werden, liegt der globale Durchschnitt bei 1.563 Liter.

59 internationale Textilunternehmen und Marken sind CmiA-registrierte Lizenzpartner, darunter die Unternehmen der Otto Group Baur, Bonprix, Frankonia, Heine, OTTO, Unito und Witt, sowie namhafte andere Organisationen wie Tchibo, s.Oliver, Bestseller und Hugo Boss. Im Jahr 2020 gab es insgesamt rund 276 Millionen Textilien mit dem CmiA-Label im Markt. Im selben Jahr konnte allein die Otto Group durch CmiA-verifizierte Baumwolle rund 6.800 Tonnen CO2 und den Einsatz von ca. 56 Milliarden Litern Frischwasser vermeiden.

Förderung von Frauen und Einsatz für die Rechte von Kindern

In Subsahara-Afrika spielen Frauen in den Familien und Dorfgemeinschaften eine zentrale Rolle. Sie leisten einen Großteil der Arbeit auf dem Feld, im Haushalt und haben das Wohlergehen der Familienmitglieder im Blick. Die Förderung von Frauen geht daher mit besseren Lebensbedingungen für die ganze Familie einher. Neben den in den CmiA-Standards fest verankerten Kriterien zur Gleichberechtigung von Mann und Frau werden Baumwollbäuerinnen deshalb besonders zur Teilnahme an Schulungen ermutigt. Alle Mitarbeiter*innen der Baumwollgesellschaften erhalten außerdem Trainings zum Thema Gleichberechtigung, in den Betrieben werden Frauenbeauftragte als feste Ansprechpartnerinnen etabliert. Und, wenn möglich, schließen Baumwollgesellschaften auch eigene Ernteverträge mit einzelnen Bäuerinnen oder Frauengruppen ab.

Viele Kinder in Entwicklungsländern müssen noch immer hart körperlich arbeiten, statt zu spielen oder in die Schule zu gehen. Kinderarbeit in den ärmsten Ländern zu bekämpfen, erfordert ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, das zu sozialem Fortschritt und mehr Bildung führt. Da in ländlichen Gebieten oft eine schulische Infrastruktur fehlt, Materialien knapp und die Wege weit sind, unterstützt CmiA Schulprojekte in den Dorfgemeinschaften der Baumwollfarmer*innen.

Um Kinder zu schützen, finden bei Cotton made in Africa die Konventionen 138 und 182 der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labor Organisation, ILO) Anwendung: Jede Form von ausbeuterischer Kinderarbeit, die der Gesundheit und Entwicklung der Kinder schadet, und jede Kinderarbeit, die außerhalb der Familie erbracht wird, ist verboten. Die beteiligten Baumwollfarmen arbeiten in kleinbäuerlichen Strukturen, meist bewirtschaften die Familien das Ackerland gemeinsam. Entsprechend ist die Mitarbeit der Kinder auf dem elterlichen Hof noch immer Normalität. Die Mithilfe ist entsprechend den ILO-Konventionen erlaubt, sofern die Kinder daneben ausreichend Zeit für Schulbesuch und Freizeit haben. Pestizide auszubringen ist ihnen genauso untersagt wie das Tragen schwerer Lasten. Um die Menschen in den Baumwollanbaugebieten über dieses wichtige Thema zu informieren und sie dafür zu sensibilisieren, welche Mithilfe durch ihre Kinder akzeptabel ist und welche nicht, bietet CmiA Trainingsunterlagen an.

Maßnahmen, die wirkung zeigen

Die aktuelle Wirksamkeitsstudie, die das unabhängige Beratungsunternehmen Syspons im Auftrag von Cotton made in Africa durchgeführt hat, zeigt, dass vor allem die CmiA-Schulungen zu besseren Lebensbedingungen führen. Besonders bei regelmäßiger Durchführung tragen sie zu höheren Ernteerträgen und positiven kulturellen Veränderungen in den Dorfgemeinschaften bei. Denn sie schärfen das Bewusstsein für die Relevanz von Bildung, der Gleichberechtigung von Mann und Frau, Kinderrechten sowie Gesundheits- und Umweltschutz.

Um diesen positiven Einfluss von CmiA weiter auszubauen und die Widerstandsfähigkeit der Kleinbäuerinnen und -bauern gegenüber externen Faktoren zu stärken, plant die Initiative, die Trainingsstruktur kontinuierlich weiter auszubauen. Mehr zum Impact von Cotton made in Africa findet Ihr hier. Für unser Nachhaltigkeitsmagazin NOW haben wir die Kleinbäuerin Wisdom in Sambia besucht – ihre Geschichte könnte ihr hier nachlesen.


Foto-Credits: Martin J. Kielmann im Auftrag von Cotton made in Africa

Redaktion ottogroupunterwegs
 
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