„Zukunft braucht Allianzen“ │ Gastbeitrag von Otto Group CEO Alexander Birken
„Zukunft braucht Allianzen“ │ Gastbeitrag von Otto Group CEO Alexander Birken
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„Zukunft braucht Allianzen“ │ Gastbeitrag von Otto Group CEO Alexander Birken

25/11/2020

Warum es an der Zeit ist, eine Kultur der Offenheit, Kollaboration und Transparenz in Unternehmen und Organisationen voranzutreiben. Gedanken über Gemeinschaft, Werte und Mut.

Vor kurzem durfte ich mit meinem Kollegen Tobias Krüger vor rund 170 Menschen sprechen, die sich in Unternehmen mit Change und Kulturwandel beschäftigen. Die Otto Group veranstaltet dazu einmal jährlich die #CDX Culture Development Experience, die wie gerade alles, remote stattfand. Gefreut hat mich wieder einmal die respektvolle Atmosphäre. Und besonders gefreut haben mich die vielen positiven Kommentare der Teilnehmer*innen, wie offen Tobias und ich gerade über die schwierigen, die anstrengenden, die belastenden Seiten unseres vor fünf Jahren begonnenen Kulturwandels sprechen. Seine eigene Haltung zu verändern, bedeutet, in den Schmerz zu gehen. Sich darüber offen auszutauschen, öffentlich in der Wunde zu bohren.

Für andere mag es philosophisch klingen, aber ich bin der tiefen Überzeugung, dass notwendige Veränderungen in und für Unternehmen nur über den Austausch mit anderen zu bewerkstelligen sind. Es braucht eine Kultur der Offenheit, Kollaboration und Transparenz. Eine Kultur, die uns weiterbringt, lernen lässt und anderen hilft, weil sich Vieles nur im Schulterschluss bewegen lässt. Kooperation ist das, was uns über uns selbst hinauswachsen lässt.

Die Notwendigkeit und den Sinn von Kollaboration hat uns die digitale Transformation der letzten Jahre bereits deutlich vor Augen geführt. Wie so vieles, so sind die Folgen der Corona-Pandemie auch hier ein Katalysator. Im Kern geht es darum, zu lernen oder wieder zu lernen, demütig zu sein. 

Wir sollten erkennen, dass die Herausforderungen der Zukunft nur gemeinsam zu meistern sind. Und das bedingt mit der möglicherweise bitteren Erkenntnis, eben nicht alles zu wissen, gar nicht alles wissen zu können.

Daraus sollte gerade im direktiv geprägten Mitteleuropa eine neue Mentalität für die Zukunft (der Arbeit) folgen. Herrschaftswissen und Silodenken, Abschottung und Wagenburgmentalität gehören der Vergangenheit an. In Zeiten des beschleunigten Wandels brauchen wir Öffnung, Kollaboration und Allianzen. Wir müssen voneinander lernen, um miteinander zu lernen. Weg vom Ego-System, hin zum Öko-System.

Als Otto Group haben wir schon seit einiger Zeit die Öffnung nach innen und außen als Erfolgsfaktor erkannt und die Umsetzung auf vielfältige Weise geübt: mit unserem Kulturwandel, mit unserem Bekenntnis zu Diversität, mit der strategischen Ausrichtung auf konkrete Partnerschaften und Allianzen. Wir öffnen uns intern über Bereichs- und Unternehmensgrenzen des gesamten Konzerns hinweg. Wir öffnen uns extern gegenüber Stakeholdern, Meinungsbildnern, Investoren und Gleichgesinnten. Das tun wir in der festen Überzeugung, dass wir dadurch nachhaltig besser und erfolgreicher werden. Gleichzeitig treten wir klar und offensiv dafür ein, die Vernetzung als Grundprinzip und Lösungsansatz in die Welt zu tragen. Als Impulsgeber, Diskussionspartner, Mitstreiter. 

„Wir brauchen den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen und unsere Haltung infrage zu stellen“

Das hat bei uns lange Tradition. Der Unternehmer und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Michael Otto hat bereits in den 1990er Jahren Allianzen im Bereich Nachhaltigkeit etabliert. Weil wir schon damals erkannten, dass gerade bei den großen Themen ein einzelnes Unternehmen oft nur begrenzt Einfluss nehmen kann und die Bündelung von Nachfragepotenzial und Kräften deshalb umso wichtiger ist. Die von Dr. Otto begründete Initiative Cotton − made in Africa etwa ist als soziales Projekt durch eine Nachfrageallianz für afrikanische Baumwolle für das Leben afrikanischer Kleinbauern wirksam geworden.

Mit dieser Haltung haben wir viele Themen bewegt und müssen das in Zukunft noch viel mehr tun. Indem wir unsere Perspektive und unsere Ideen etwa in einen öffentlichen Diskurs zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft einbringen, nehmen wir unsere unternehmerische Verantwortung für das Gemeinwohl wahr. Und wir nehmen damit eine aktive Rolle ein, wenn es darum geht, die Zukunft zu gestalten. Etwa mit unserer Initiative ZukunftsWerte, die im interdisziplinären Dialog Handlungsfelder für die Zukunft der Arbeit und Lebenslanges Lernen im digitalen Zeitalter identifiziert.

Was bleibt an Erkenntnis: Wir brauchen den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen und unsere Haltung infrage zu stellen. Wir müssen es ernst meinen. Gewinnbringende Zusammenarbeit gelingt nur, wenn sie auf ehrlicher Kommunikation und Vertrauen basiert. Und: Wir müssen es tun. Die Herausforderungen sind groß. Ebenso wie das Corona-Virus kennen weder der Klimawandel noch die digitale Transformation Geduld und Nachsicht.

Wir wollen etwas bewegen. Dazu müssen wir uns bewegen. Und schließlich gemeinsam mit anderen uns alle.


Otto Group CEO Alexander Birken
Otto Group CEO Alexander Birken

Alexander Birken ist seit Januar 2017 Vorstandsvorsitzender der Otto Group. Der studierte Betriebswirt arbeitet seit 1991 im Unternehmen. Mit Blick auf die digitale Transformation hat Alexander Birken vor vier Jahren einen Kulturwandel im Konzern eingeleitet, der die Mitarbeiter im digitalen Wandel begleitet. Immer wieder fordert er von Unternehmern und Managern, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sich am öffentlichen Diskurs von Politik, Zivilgesellschaft und Umweltschutz zu beteiligen. Alexander Birken ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Alexander Birken


 
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